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Babbels letztes Hurra

Vorschau auf den 11. Spieltag, 1. Bundesliga

„Wir wollen gewinnen!“ Diese muntere Kampfansage lacht einem entgegen, wenn man morgen den Sportteil einer schwäbischen Zeitung aufschlägt. Bei der abschließenden Pressekonferenz des VfB Stuttgart vor dem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München bestand Markus Babbel darauf, dass die anwesenden Journalisten genau diesen Wortlaut übernehmen: „Vielleicht hilft es, wenn die Jungs es nicht nur von mir hören, sondern die Worte auch noch schwarz auf weiß lesen!“

Auch wenn der FC Bayern zurzeit mit nur wenig Erfolg daran arbeitet, sein imponierendes Image als gnadenlose Siegesmaschine zurückzugewinnen, wirkt eine Aussage dieser Art vor dem anstehenden Südgipfel geradezu grotesk optimistisch. Die Mannschaft, seit sechs Pflichtspielen ohne jedes Erfolgserlebnis, wirkt gnadenlos verunsichert, überfordert, spielerisch limitiert und vor dem Tor notorisch erfolglos – wenn sie schon nicht gegen Zweitligisten Greuther Fürth gewinnt, wie soll sie dann gegen die Bayern bestehen?

Das weiß auch Markus Babbel, und so liest sich die Kampfansage in Wahrheit wie ein Stoßgebet – sie trieft vor purer Verzweiflung. Reguläre Mittel helfen ihm jetzt nicht mehr weiter, oder glaubt jemand daran, dass der russische Hüne Progrebnyak, nach zwei Extraschichten Torschusstraining am Freitagabend, morgen ein Tor erzielen wird?

Verzweiflung, so verrät uns ein Sprichwort, entzündet manchmal aber auch unbändigen Mut. Und so wählt Babbel die kompromisslose Offensive, erst im Presseraum und am Samstag auch auf dem Spielfeld. „Morgen werde ich gefeuert“, scheint er uns zuzurufen „und zwar mit einem letzten großen Knall!“ Lieber mit Pauken und Trompeten untergehen als sich leise zu verabschieden, noch ein letzter Sturmlauf, ein abschließendes Hurra, Zuckerpässe und Bogenlampen, Querschläger, Traumtore, Eigentore, am Ende steht es 6:8, und das Spiel geht in die Geschichte ein – das große finale Spektakel! Dann den Hut nehmen, ihn auf das stolz erhobene Haupt setzen und zum Vordereingang raus, ohne sich umzublicken! Das wäre ein Abgang!

Und zur Hintertür schleicht sich dann Peter Neururer rein und bettelt um Babbels Job.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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