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“Kumm loss mer fiere, nit lamentiere…”

Vorschau auf den 13. Spieltag, 1. Bundesliga

© redcus

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Die Moral einer Fußballmannschaft wird in der Regel immer dann beschworen, wenn sie ein Spiel trotz zwischenzeitlichen Rückstands noch gewinnen konnte. „Heute hat man gesehen, dass die Moral in der Truppe stimmt.“

Auch bei einem Unentschieden beklatschen alle die tolle Mannschaftsmoral, aber nur, wenn im Spiel ein Rückstand von mindestens zwei Toren wettgemacht werden konnte. Das ist die Grundvoraussetzung für das Moralsternchen. Das Aufholen eines Eintorerückstandes wird scheinbar auch einer zerstrittenen Mannschaft aus elf Egoisten jederzeit zugetraut. Aber wenn man bereits 0:2, 0:3 oder 1:4 zurücklag und trotzdem das Unentschieden schafft, dann „ist die Mannschaft intakt und hat tolle Moral bewiesen.“

Aber was haben wir uns unter dieser Moral vorzustellen? Lässt sie sich messen? Wie entsteht sie? Und warum hat sie bei einem eben beschriebenen 2:2-Unentschieden ihre Finger mit im Spiel, aber nicht bei einem überzeugenden 4:1-Sieg? Dann wird zwar die spielerische Klasse des Siegerteams gelobt, die taktische Disziplin hervorgehoben oder die technisch starken Einzelkönner bejubelt, aber die Moral hebt nur unschuldig die Hände: „Damit habe ich nix zu tun!“

Siege sind gut für die Moral, heißt es immer wieder, Niederlagen hingegen schlecht. Interessant ist darüber hinaus, dass auch ein Unentschieden der Moral zuträglich sein kann. Denn genau jenes 2:2, das sich die Mannschaft nach dem Rückstand erkämpft hat, ist nicht nur der tollen Moral geschuldet, sondern gleichzeitig auch noch toll für die Moral selbst. Modallogiker würden jetzt zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber die findet man ja eher selten auf Fußballplätzen. Bleibt demnach festzuhalten, dass Siege ganz wunderbar mit der Moral harmonieren, sie entstehen aus ihr und füttern sie gleichzeitig, alles ganz toll.

Man erkennt natürlich gleich das Dilemma für Mannschaften, die im Tabellenkeller stehen und dort mitunter Wochen auf den nächsten Sieg warten müssen. Mannschaften wie der 1.FC Köln, der zwar am letzten Spieltag gegen Hertha BSC Berlin gewinnen konnte, aber leider mit 1:0 und demnach im Spiel nicht zurücklag, weswegen in der Nachberichterstattung auch eher von „Dusel“ und „Glück“ als von der guten Moral die Rede war.

Da zudem Siegesserien nur noch aus der Zeit des Zweitligaaufenthalts bekannt sind, ist man beim FC über jedes positive Ereignis glücklich, das die Moral ein bisschen aufpeppeln könnte. Da trifft es sich doch gut, dass die kölsche Slowenen Milivoje Novakovic und Miso Brecko am Mittwoch mit ihrem Nationalteam überraschend Russland in den WM-Qualifikationsplayoffs schlagen konnten. Damit fährt Slowenien zum ersten Mal zu einer Fußballweltmeisterschaft und ist neben Neuseeland und Nordkorea der bunteste Farbtupfer im Teilnehmerfeld. Noch besser trifft es sich, dass der Gegner von Köln, die TSG Hoffenheim, zwei Spieler aus Bosnien-Herzegowina in seinen Reihen hat. Sahilovic und Ibisevic verpassten nämlich am Mittwoch eine ähnliche Überraschung und verloren trotz passabler Feldüberlegenheit gegen Portugal. Die WM werden beide nur auf dem heimischen Sofa erleben.

Die Moralwaage sollte also ein deutliches Übergewicht auf Kölner Seite anzeigen. Doch den Vereinsverantwortlichen des FC scheint so viel gute Stimmung im Team unheimlich. Nach Staatsempfang in Ljubljana und Riesenfete in der Hauptstadt wäre das slowenische Duo Novakovic/Brecko gerne erst am Freitag nach Köln zurückgereist – mit leichtem Kater zwar, dafür aber mit blendender Laune und toller Moral im Gepäck. Der Verein ließ die beiden Kicker jedoch schon am Donnerstagabend per Charterflug in Slowenien einsammeln und sie unter Protest ins Rheinland fliegen.

Die gute Laune war im Arsch, die Moral schnell verschwunden. Stattdessen sind die Spieler jetzt mächtig sauer auf den Verein und Trainer Soldo auf die Spieler. Fehlt nur noch, dass auch die Fans am Samstag sauer sind, was allerdings wenig verwunderlich wäre. Denn als Rheinländer und damit quasi als Erfinder von Feten, Feiern und guter Laune hat man für Spaßverderber nichts übrig. Abschließend bleibt also nur die Empfehlung: Bloß nicht in Rückstand geraten!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

2 Portionen Senf

maddin  on November 24th, 2009

Schöner Bericht, Kompliment an den Autor!

Wurde gerade auf YouTube fündig:
Der nächste WM Song zum Mitsingen :-)

“11 FREUNDE MUSST DU SEIN”
http://www.youtube.com/watch?v=GMgZKjV4sMI

Viele Grüße an die Bloggergemeinde!
Martin

Hennes  on November 24th, 2009

Schon nach dem ersten Reinhören habe ich einen Ohrwurm. Und wer ist Dietmar Kalloschek? Ist der echt? Da kapituliert selbst Google und faselt nur wirr was von “Walloschek”!
Sehr schöner Tipp, danke Maddin!

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