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Loboué für Deutschland

Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, wir befinden uns im entscheidenden 3. Spiel der Vorrunde, Deutschland gegen Portugal. Nach dem Abpfiff wissen wir, wer ins Achtelfinale einzieht und wer nach Hause fahren muss. Michael Ballack spielt im Mittelfeld den Ball zu Mesut Özil, ein kurzer Blick, ein leichtes Zögern, dann kommt das Zuspiel auf den rechten Flügel zu Mustafa Kucukovic.

In der Mitte steht Klose völlig frei, jetzt muss nur noch die Flanke kommen, Kucukovic schneidet den Ball an, trifft ihn hart, er fliegt weit, sehr weit und landet in den oberen Zuschauerrängen des Stadions. Klose schüttelt leicht mit dem Kopf und Özil stöhnt.

Dann der Abschlag des portugiesischen Torhüters, Ballack verliert das Kopfballduell, eine schnelle Ballstafette der Portugiesen auf Höhe des Mittelkreises, Cristiano Ronaldo kommt an den Ball, er läuft ein paar Schritte, niemand greift ihn an, dann zieht er ab. Der Ball ist lange in der Luft, ziemlich schwach geschossen fliegt er auf die Mitte des Tores zu. Das wird eine leichte Sache für den Torhüter, den fängt er mit einer Hand, doch Stephan Loboué im deutschen Tor lässt den Ball durch die Finger flutschen.

1:0 für Portugal.

Deutschland steht kurz vor dem Aus.

Klose schüttelt heftig mit dem Kopf und Özils Stöhnen hört man noch auf der Tribüne. Trotzdem macht keiner der Mannschaftskameraden Loboué einen Vorwurf und niemand schimpft mit Kucukovic, der den Flankenball zuvor in den Nachthimmel von Kapstadt gejagt hatte. Denn sie spielen nicht wie Ballack in der Champions League, kämpfen nicht wie Özil oder Klose um die deutsche Meisterschaft und ihre Gegner heißen nicht FC Liverpool oder FC Bayern München. Wenn sie am Wochenende gegen den Ball treten, dann haben sie es mit Mannschaften wie TuS Koblenz oder Rot-Weiß Ahlen zu tun oder treffen sich auf Augenhöhe mit Teams wie US Boulogne-sur-Mer oder Le Mans UC 72 im Abstiegskampf der ersten französischen Liga.
Denn Stephan Loboué steht bei der SpVgg Greuther Fürth unter Vertrag, während Mustafa Kucukovic seit seinem Wechsel vom TSV 1860 München zu Grenoble Foot 38 beim Schlusslicht der Ligue 1 um einen Stammplatz kämpft.

©Schnicker

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So absurd die Vorstellung erscheint, jene beiden wenig herausragenden Kicker könnten in der deutschen Nationalelf spielen, so schnell wird das Absurde zur Realität, schaut man sich den Kader des nächsten DFB-Testspielgegners Elfenbeinküste an. Neben Superstars wie Didier Drogba, Emmanuel Eboué, Yaya Touré oder Salomon Kalou, die alle für europäische Spitzenclubs von Barcelona bis Chelsea auflaufen, finden sich auch Spieler wie Siaka Tiéné, der sich bei der grauen Maus der französischen Liga, AFC Valenciennes verdingt.
Im Tor stößt man auf bereits erwähnten Stephan Loboué, der bei Fürth in der Zweiten Bundesliga immer wieder zwischen Stammplatz und Ersatzbank pendelt. Denn der in Deutschland geborene Torhüter läuft inzwischen dank seines ivorischen Vaters für die „Elefanten“ auf und macht sich, angesichts fehlender Konkurrenz, große Hoffnungen auf Einsätze bei der WM 2010. In Deutschland, dem Biotop für Spitzenfachkräfte auf der Torlinie, ruft die Vorstellung, ein Torwart der Zweiten Liga könne bei einem Großturnier nach Bällen hechten, ungläubiges Kopfschütteln hervor.
Man erinnere sich nur an die Diskussion um die Berufung von Lukas Podolski, als der mit dem 1.FC Köln im Unterhaus des deutschen Fußballs spielen musste. Ein Zweitligaspieler in der Nationalmannschaft? Geht das? Ist das überhaupt erlaubt? Da der FC zum Glück den Aufstieg schaffte, noch bevor der Erste die DFB-Statuten von Anfang bis Ende durchgelesen hatte, konnte die Diskussion rasch zu den Akten gelegt werden. Und doch zeigte sich wieder einmal das elitäre Selbstverständnis der Fußballnation Deutschland, die im Kreis der Nationalmannschaft nur die besten Spieler aus nationalen und internationalen Spitzenvereinen duldet. Wohl dem, der aus einem unerschöpflichen Pool von talentierten Spielern auswählen kann. So bleibt den deutschen Fußballfans (und vor allem jenen aus Köln) erspart, was die ivorischen Fußballanhänger womöglich bei der Weltmeisterschaft ertragen müssen:

Das entscheidende 3. Gruppenspiel, Elfenbeinküste gegen Portugal. Cristiano Ronaldo schnappt sich den Ball in der gegnerischen Hälfte, umkurvt drei Spieler, fast ist er alleine durch, aber da steht ja noch ein Abwehrspieler. Er läuft Ronaldo entgegen, die Gefahr ist fast gebannt, aber dann fällt unser Blick auf die Rückennummer des Verteidigers: Es ist Steve Gohouri. Da lachen nicht nur die deutschen Fans zuhause vor dem Bildschirm, sondern auch Cristiano Ronaldo: Zwei Übersteiger, drei Körpertäuschungen, Gohouri grätscht ins Leere, Ronaldo macht das Tor. Steve Gohouri – der ist ja noch nicht mal für Borussia Mönchengladbach gut genug.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

Eine Portion Senf

Juenter  on November 18th, 2009

das mit dem armen Steve liegt nur daran, dass wir so iele exzellente Abwehrspieler haben! Wär der nichts für den FC?

Gib Deinen Senf dazu!