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“Wir wollen Leibesübungen sehen!”

Vorschau auf den 14. Spieltag, 1. Bundesliga

Der 1. FC Köln war zwar schon lange nicht mehr an der Spitze der Fußballbundesliga, aber seine Stellung als Nummer Eins der Stadt Köln ist unumstritten. Fortuna Köln steht als ranghöchster Club unter den nachfolgenden Kölner Vereinen in der NRW-Liga auf Platz 11 und wird dem großen FC auf absehbare Zeit keine Konkurrenz machen.

Um wenigstens diesen Anspruch auch stolz auf der Brust tragen zu können, versah der 1. FC Köln bei Vereinsgründung die Abkürzung für „Fußball-Club“ mit dem beliebten Zahlenvorsatz, nämlich der “Eins”. Nicht, wie so mancher denken mag, weil er als erster Fußballclub Kölns das Licht der Welt erblickte. Erst 1948 entstand er aus einer Fusion der städtischen Vereine Kölner BC 01 und SpVgg Sülz 07. Selbst deren Einzelgründungen waren mitnichten die ersten in der Stadt und können somit auch nicht zur Rechtfertigung der „Eins“ herhalten. Einzig der Anspruch, als FC Köln in Sachen Fußball auch die erste Adresse in der Stadt zu werden, zu sein und zu bleiben, ließ den 1. FC Köln zum 1. FC Köln – oder wie er mit vollem Namen heißt – zum 1. Fußball-Club Köln 01/07 e. V. werden.

Nun ist die Bezeichnung „1.FC“, wie bereits angedeutet, im deutschen Fußball nicht einmalig: Der 1. FC Nürnberg, Rekordmeister der Prä-Bundesliga-Ära, gilt vielen als Urheber und Vorbild für nachfolgende Vereine. Heute kennen wir den 1. FC Kaiserslautern, den 1. FC Union Berlin, den 1. FC Heidenheim und noch ein paar andere in den unteren Ligen. Doch damit die Tabelle unabhängig vom sportlichen Saisonverlauf lesenswert bleibt, finden wir dort zum Glück eine große Vielfalt an Bezeichnungs- und Wortnamen: Eintracht, Borussia, SC, 1. FSV, Hertha, FC, in der zweiten Liga begegnen uns Rot-Weiß, Fortuna, Arminia, MSV, Ungetüme wie SpVgg oder das herrlich einzigartige TuS aus Koblenz.

Einzigartig nur deshalb, weil es sich nicht, wie viele denken, um einen schnöden Turn- und Sportverein handelt. Jeder sei an dieser Stelle davor gewarnt, in der Stadt an Rhein und Mosel vom (in diesem Fall männlichen) TuS Koblenz zu sprechen. Das Koblenzer TuS steht nämlich für die Turn- und Spielvereinigung, und so tragen die Koblenzer Fußballfans, sonst mit wenig Grund zur Freude und zum Stolz bedacht, den weiblichen Artikels ihrer TuS selbstbewusst zur Schau.

Aufmerksamen Lesern wird nicht verborgen geblieben sein, dass in der obigen Auflistung der Zusatz VfL fehlt. Allerdings nur zum Zwecke der Überleitung zum anstehenden 14. Spieltag, der den FC schon heute Abend ins Bochumer Stadion führt. VfL, man ahnt es schon, steht für den anachronistisch verstaubten „Verein für Leibesübungen“. Ein Name, der verpflichtet.

Vielleicht sind die Bochumer Anhänger genau aus diesem Grund stets kritisch und nicht gerade zimperlich im Umgang mit dem eigenen Team, weil ihnen die fehlende Laufbereitschaft der Spieler als Verrat am eigenen Vereinsnamen erscheint. „Wir wollen Leibesübungen sehen“, würden sie lauthals skandieren, handelte es sich nicht um ein arrhythmisches Biest. Da sind die Kölner Fans weitaus genügsamer: Jeder Anhänger, jeder Sympathisant, ja selbst der Kölner Express, alle sprechen sie nur von ihrem FC – den Zusatz „1.“ sucht man vergebens.
Vom Anspruch, die Nummer Eins zu sein, hat man sich nämlich schon seit langem verabschiedet…

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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Milan  on December 3rd, 2009

Na ja, wenn man an den Beginn der Saison 2006 und die Vorstellung von Christoph Daum als Trainer denkt …. da haben sich die Kölner schon wieder als Nummer 1 in der Champions League gesehen. Okay, war dann nix.

Dann, wenige Saisons später kommt ein gewisser Herr Podolski zurück an den Rhein, in der Stadt feiert man mit Autokonvois, sieht sich in der Champions League und was ist? In 14 Saisonspielen hat der Prinz noch nicht einmal den Ball ins Netz gekloppt.

Tja, so sind sie halt, die Kölner. Wir Gladbacher sind da realistischer und gehen lieber direkt davon aus, dass wir pro Saison 2 Trainer und 25 Spieler verschleißen, um am Ende auf Platz 14 oder 15 zu verbleiben…

Hennes  on December 9th, 2009

Ich würde das eher unter “naiver Begeisterungsfähigkeit” verbuchen…das kann man doch niemandem übelnehmen, oder?! Und würden die Kölner Fans warten, bis sie einen ECHTEN Grund zur Euphorie haben, dann hätten sie wahrscheinlich im entscheidenden Augenblick kein Kölsch mehr, weil’s längst das Verfallsdatum überschritten hätte. Deswegen lieber direkt ab in die Rinne…

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