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Kluge Transferpolitik?

bewachsene-Torlinie

In diesem Blog war es in den vergangenen Tagen fast genauso ruhig wie in Deutschlands Fußballstadien. Während sich die Stadionwürste erst im weihnachtlichen Kartoffelsalat entspannten, um sich später im Lärm knallender Feuerwerkskracher zu biegen, bis sie fast platzten, machten sich die Bundesligakicker auf den Weg in die Trainingslager ihrer Vereine.

Sie flogen nach Spanien (VfB Stuttgart, Schalke 04), in die Türkei (1. FC Köln, HSV) oder nach Südafrika (VfL Wolfsburg). Die einen schauten lieber aufs Geld und blieben im heimischen Zuzenhausen (TSG Hoffenheim), die anderen schauten dagegen auf das mit viel Geld errichtete höchste Gebäude der Welt in Dubai (Werder Bremen, Bayern München).

Einige flogen so früh los, dass sie sich noch beim Einstieg in den Flieger die Reste der Weihnachtsgans von der Backe wischen mussten (VfB Stuttgart), andere hatten hingegen Verspätung, weil sich zeigte, dass der Pass nicht nur vor dem Tor, sondern auch bei der Kontrolle am Flughafen mitunter unerlässlich sein kann (1.FC Köln). So mancher musste der Medizin wegen auf Bälle verzichten und zu Hause bleiben, während andere der Medizinbälle wegen lieber verzichtet hätten und zu Hause geblieben wären (Schalke 04).

Peer Kluge hat dabei gewissermaßen den Weg vom Regen in die Traufe gewählt. Zumindest wenn man die Maßstäbe des Verfassers zugrunde legt, der die körperliche Ertüchtigung in einem Trainingslager nicht gerade ganz oben auf den eigenen Wunschzettel setzen würde. Vom Trainingscamp des 1. FC Nürnberg in der Türkei ging es für Kluge schnurgerade nach Spanien, zu Drillmeister Magath mit seinen Medizinbällen. Doch während sich ein Faulpelz angewidert abwenden würde, weiß sich ein ambitionierter Spieler wie Kluge über den Deal ganz sicher mächtig zu freuen. Der Aufstieg vom Abstiegs- zum Titelkandidaten bedeutet für den vielleicht nicht mehr als soliden, in meinen Augen aber bislang weit unterschätzen Sechser das Karriere-Highlight. Bildete Kluge nicht mal mit Eugen Polanski ein vielversprechendes Mittelfeld-Duo bei Borussia Mönchengladbach?

Der FC Schalke hat sich mit Kluge jedenfalls einen starken Ersatzmann für den Dauerverletzten Jermaine Jones gesichert. Ohnehin ist man über die rege Transfertätigkeit des finanziell längst totgesagten Vereins überrascht. Zwar werden die Verpflichtungen der Spieler Alexander Baumjohann, Edu, Peer Kluge, Bogdan Müller und Tore Reginiussen (der Vorname verpflichtet) nicht Unsummen verschlungen haben, aber die eine oder andere Millionen wird dennoch gewandert sein. Man munkelt, eine persönliche Bürgschaft des Aufsichtsrats Clemens Tönnies hätte die Transferbewegungen ermöglicht (FAZ). Nach Transparenz in der vereinseigenen Finanzpolitik klingt das mal wieder nicht. Man fühlt sich vielmehr an folgendes Zitat erinnert:

„Bundesliga-Vereine sind lupenreine Konzerne der Unterhaltungsindustrie und legen gleichwohl Jahresabschlüsse vor wie Kegelclubs und Briefmarkenvereine”.

Sportlich bedeuten die Neuverpflichtungen hingegen sowohl eine direkte Verstärkung des Teams als auch eine weitere Verbesserung der ohnehin rosig erscheinenden sportlichen Perspektive des Schalker Kaders. Dennoch kein Grund, Magaths Transferpolitik gleich wieder in den Himmel zu heben, wie es die SZ vor wenigen Tagen gemacht hat:

„Würde irgendein Trainer in der Liga eine Verkehrsinsel und einen Telegrafenmasten verpflichten, würde sich der Rest der Liga den Bauch halten vor Lachen: Haha, eine Verkehrsinsel! Ein Telegrafenmast! Verpflichtet aber Felix Magath einen Sechstligastürmer (Bogdan Müller/VfL Neckarelz), einen unaussprechlichen skandinavischen Verteidiger (Tore Reginiussen/Tromsö) sowie einen in der Bundesliga gescheiterten Brasilianer aus Südkorea (Edu/Suwon Blue Wings), dann raunt die Branche ehrfürchtig: Uiuiui, was der Magier sich dabei wohl wieder gedacht hat…!“ (SZ)

Zwar wehre ich mich inzwischen nicht mehr dagegen, Felix Magath zuzugestehen, dass er ein guter Trainer ist. „Mit Bayern zweimal das Double holen, das kann ja jeder“, dachte ich viele Jahre. Doch wer Wolfsburg zu Meisterehren und eine verkorkste Schalker Mannschaft zu einem 2. Platz in der Hinrunde führen kann, der kann auch mich alten Querulanten vom Gegenteil überzeugen.

Doch ein Transferkönig war Magath nie. Natürlich werden jetzt viele direkt „Grafite, Dzeko, Misimovic“ rufen. Gut, bitte, dann ruft doch. Ich bin jedenfalls sehr darauf gespannt, warum der Brasilianer Edu gerade in Schalke schaffen sollte, was ihm in Mainz und Bochum misslang, nämlich sich in der Bundesliga durchzusetzen. Wem dieser Einwand noch nicht genügt, dem rufe ich entschieden folgende Namen entgegen: „Julio dos Santos, Ali Karimi“. Ach ja, fast vergessen: „Lukas Podolski!“ All jene glücklosen Spielerwechsel hatte Felix Magath in der Zeit seiner Bayernregentschaft zu verantworten.

Keiner der Genannten ist heute noch in München aktiv. Der eine flog nach Paraguay, der andere in die Vereinigten Arabischen Emirate. Und der Dritte erinnerte sich neulich am Flughafen stehend plötzlich daran, dass der Pass nicht nur vor dem gegnerischen Tor ziemlich nützlich sein kann.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

5 Portionen Senf

Hennes  on January 7th, 2010

Inzwischen hat die FAZ das Knäuel der Schalker Finanzlage ein wenig entwirrt und plausibel erklärt, auf welch unverhofften Zusatzeinnahmen die beschriebenen Transfertätigkeiten fußen: http://www.sueddeutsche.de/sport/74/499352/text/

Klingt einleuchtend…auch wenn einen die “höheren Einnahmen [...] in den Souvenirläden” herzhaft schmunzeln lassen.

Sport Guider  on January 8th, 2010

Mal sehen was Magath aus seinen diesjährigen Neuzugängen macht…Denke der ein oder andere wird dos Santos Niveau erreichen…Vielleicht der Edu? Und was will er mit Kluge?

Hennes  on January 8th, 2010

Für mich ist der Kluge-Transfer ja ein…Achtung, jetzt kommt wieder mal das Brüller-Wortspiel…kluger Schachzug! Schalke verfügt, sieht man mal vom Dauerpatienten Jones ab, über keinen vernünftigen Sechser.

Aber irgendwie scheine ich in den letzten Wochen ohnehin ein unheimliches und scheinbar auch völlig unbegründetes Faible für Nürnberg zu entwickeln. Man schaue sich nur diesen Post an…da lobe ich Mannschaft und Trainer über den grünen Klee und keine vier Wochen später wird Oenning entlassen. Nicht, dass ich plötzlich noch zum Nürnberg-Fan mutiere!

Gladbacher  on January 15th, 2010

Mit Baumjohann und Kluge machen die Schalker die Bayern platt. Das wärs doch: Zwei Borussia-Kinder erobern die Meisterschaft.

Hennes  on January 19th, 2010

Sieht so aus, als erobere das eine Borussia-Kind gleich mal das städtische Krankenhaus. Warum gab’s eigentlich kein Baumjohann-Debüt in blau-weiß?

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