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So ein Hundeleben…

Hund_Steiff_web

Neulich habe ich meiner kleinen Nichte einen Original-Hund von Steiff geschenkt. Er sah ungefähr so aus wie auf dem Foto. Zugegeben, keine Schönheit, aber dafür war er ziemlich alt, was seinen Wert später einmal immens steigern wird, wie man mir versicherte. Meiner Nichte war das allerdings ziemlich egal – mit ihren 19 Monaten interessiert sie sich mehr dafür, wie er sich anfühlt. Sie nahm ihn also, drückte den Hund kurz an ihre Wange und schleuderte ihn dann mit einer wuchtigen Bewegung voll gegen meinen Kopf. Mir wurde schmerzhaft klar, warum er im Kuscheltest durchgefallen war – er war ein ziemlich harter Hund.

So saß ich dort nun, meine Beule reibend und dachte plötzlich an Felix Magath. Und an Ernst Happel. Und an Huub Stevens. Und mit einem Mal erschien mir das Leben eines Fußballprofis gar nicht mehr erstrebenswert. Als Spieler hat man es nicht immer leicht. Gut, man verdient relativ viel Geld, hat viel Freizeit und wird in erfolgreichen Zeiten von unzähligen wildfremden Menschen bejubelt. Aber der Umgang mit dem direkten Vorgesetzten, im Fachjargon auch „Trainer“ genannt, gestaltet sich mitunter schwierig.

Man stelle sich nur mal vor, der eigene Chef schreie im Büro herum und herrsche einen persönlich an – nicht bloß einmal, im Eifer des Gefechts, sondern mindestens zwei-, dreimal die Woche, mit voller Absicht. Noch dazu vor den versammelten Kollegen. „LOS, HENNES, GIB GAS! SCHNELLER ARBEITEN!“
Ist das laut hier, dächte man, und zöge den Kopf ein. Was im Büro ein Kündigungsgrund wäre, ist auf dem Trainingsplatz eines Fußballvereins Normalität.

Man stelle sich weiter vor, der Chef brächte regelmäßig eine Trillerpfeife mit ins Büro, nach der man im fast buchstäblichen Sinne zu tanzen habe. Ein Pfiff, 200 Klicks mit der rechten Maustaste, zwei Pfiffe, 200 Klicks mit der linken. So ein Wahnsinniger, dächte man und beschwerte sich beim Betriebsrat, beim Direktor oder gleich beim Arbeitsgericht. Auf dem Trainingsplatz ist so ein Verhalten hingegen an der Tagesordnung.

Man stelle sich schließlich vor, man bereite eine Präsentation vor, mit vollgestopften, hochdetaillierten, mit Graphiken und Screenshots aufgemotzten Power-Point-Folien. Den Vortrag habe man auswendig im Kopf, so sicher wie das „Vater Unser“. Einen Tag vor dem Präsentationstermin käme der Chef, teile einem kurz und knapp mit, Kollege Müller übernehme den Vortrag, man selbst sei raus, dürfe aber während des Meetings auf einem harten Stuhl am Rand sitzen und zuschauen. Immer wieder dieser Müller, dächte man, und verschöbe heimlich die .ppt-Dateien in den Papierkorb. Für viele Fußballspieler wird dieses Szenario Wochenende für Wochenende zur bitteren Realität.

Doch das alles ist ja noch harmlos. David Beckham weiß zu berichten, dass man sich vor den Tobsuchtsanfällen cholerischer Trainer in Acht nehmen und zu gegebener Zeit auch mal den Kopf einziehen muss. Sonst macht der eigene Schädel in der Umkleidekabine schmerzhafte Bekanntschaft mit einem wild umherfliegenden Schuh – so geschehen bei Manchester United.

Albert Streit kann davon erzählen, wie es ist, vom gegnerischen Trainer eine Kopfnuss verpasst zu bekommen, nur um gleich darauf zu beobachten, wie der Übeltäter selbst wie vom Blitz getroffen zu Boden sinkt – so geschehen in der MSV-Arena zu Duisburg.

Oder Marco Stier kann erklären, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Trainer einem dreimal mit dem Handballen gegen die Stirn schlägt. Er könnte es nicht nur erklären, er hat es erklärt, erst letzte Woche vor dem Arbeitsgericht in Kiel. Die Richterin wies nach bestätigenden Zeugenaussagen von fünf Kieler Spielern die Klage von Trainer Falko Götz gegen dessen fristlose Kündigung ab:

„Die Tätlichkeit besitzt die Qualität einer Körperverletzung. Es kann nicht sein, dass ein Vorgesetzter, ein Fußball-Lehrer, solch ein Fehlverhalten an den Tag legt.“

Obgleich kolportiert wird, der Vorfall sei ein willkommener Grund gewesen, sowohl für die Vereinsführung als auch für die Mannschaft, den ungeliebten Trainer Götz loszuwerden, so hat er zweifelsohne als Pädagoge versagt. Selbst die rauen Sitten auf dem Fußballplatz sollten Anstand und Respekt nicht verdrängen.

Wie das funktionieren kann, zeigen folgende Videos. Der Wortlaut des Verbalgefechts zwischen Andreas Brehme und Uli Hoeneß ist nicht zweifelsfrei überliefert, doch das Gespräch könnte sich wie folgt zugetragen haben:

Vielleicht war es aber auch so:

Oder so:

Bei meiner Nichte habe ich mich übrigens unlängst für mein unpassendes Geschenk entschuldigt. Zur Wiedergutmachung wollte ich den harten Hund gegen eine weiche Stofffigur austauschen – mir schwebte eine Plüschminiatur von Mirko Slomka vor, der ja immer nur „der nette Herr Slomka“ genannt wird. Leider konnten mir weder der Fanshop von Schalke noch der von Hannover 96 bei meiner Suche weiterhelfen. Als ich dann noch lesen musste, dass Slomka jetzt von sich selbst behauptet, er sei „freundlich, aber nicht nett“ und könne als Trainer „einer Profimannschaft eiskalt handeln“, sind wir einfach in den Zoo gegangen.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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