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Knackwurst (2) – Mit Kuranyi nach Südafrika?

© larfi

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Beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland am 11. Oktober 2008 stand Kevin Kuranyi nicht auf dem Platz – genauer: dem Fußballplatz des Signal Iduna Parks in Dortmund -, sondern saß auf seinem Platz – genauer: Platz 38, Block 43, Reihe 3 des Signal Iduna Parks in Dortmund. Erbost über seine Nicht-Nominierung entschloss sich der impulsive Stürmer zu einer überstürzten Heimfahrt in der Halbzeitpause, die ihm prompt den Rauswurf aus der Nationalmannschaft einbrachte. Seitdem spielen sich der reumütige Stürmer Kuranyi und der unerbittliche Nationaltrainer Löw in regelmäßigen Abständen über die Presse den Ball zu, indem der eine um Verzeihung bittet und der andere die Gnadenersuche lautstark ignoriert.

Knapp vier Monate vor der WM und angesichts des Sturmproblems in der Nationalelf stellen sich die Stadionwürste die Frage, ob die Zeit für Vergebung nicht doch gekommen ist.


© pdesign

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Sobald Kevin Kuranyi den Mund aufmacht und spricht, erinnert mich dieser großgewachsene Mann mit fein rasiertem Bart an einen lispelnden Grundschüler. Ich spüre dann immer den Impuls, ihm neckisch-zärtlich über den Kopf zu streicheln, bis seine Haare in alle Himmelsrichtungen abstehen.

Dabei ist Kuranyi im sportlichen Bereich längst der F-Klasse entwachsen. Seit seiner ersten Bundesligasaison als Stammspieler beim VfB Stuttgart unter Felix Magath 2001/02 überzeugt er durch eine erstaunlich konstante Trefferquote: Er ist neben Gerd Müller und Manfred Burgsmüller erst der dritte Spieler (und Roland Wohlfahrt und Fritz Walter und Jupp Heynckes und Giovane Elber und wahrscheinlich noch ein paar anderen – Danke an HeinzKamke für den Hinweis!) einer von Vielen in der Bundesligahistorie, dem es gelang, in acht aufeinanderfolgenden Spielzeiten zweistellig zu treffen.

Zwar wirken seine Bewegungen mitunter hölzern und unkoordiniert, und manch ein Ball fühlt sich schlecht behandelt und flüchtet nach der ersten Berührung mit Kuranyis Fußballschuh schnell wieder in des Gegners Reihen, doch sein Spiel als Stürmer besticht durch Komplexität und eine enorme Vielseitigkeit. Er verfügt über einen sehr guten Kopfball, einen starken, beidfüßigen Schuss, er ist sehr schnell und paart Torinstinkt und -hunger mit einer gesunden Portion Mannschaftsdienlichkeit. Neben seinem guten Auge für den Mitspieler verrichtet er als Stürmer wichtige Defensivarbeit, mit der er auf den Gegner früh Druck ausübt und viele Bälle erobert.

Einzig seine Flatterhaftigkeit, die ihm außerhalb des Platzes und manchmal auch auf dem Spielfeld zu Eigen ist, spricht gegen sein Comeback in der Nationalelf. Doch Magath zeigt bei Schalke, wie man mit Kuranyi umgehen muss: Führung mit harter Hand bei gleichzeitiger Übertragung von Verantwortung auf dem Platz.
Joachim Löw könnte sich diese harte Hand aneignen, sie Kevin Kuranyi zu Versöhnung entgegenstrecken und wäre sicherlich überrascht, wie bereitwillig der Stürmer ihm aus derselben fressen würde. Bei der WM wäre die Nationalelf dann nicht nur um einen torgefährlichen Stürmer reicher, sondern auch um einen Spieler, der um jeden Preis seine letzte Chance in der Landesauswahl würde nutzen wollen.

Also, Jogi, wo ist Dein Herz für Kinder? Wuschel´ dem kleinen Kevin einfach mal durchs Haar und nimm ihn mit zur WM – einem kleinen Jungen kann man doch nicht böse sein!

Euer Hennes


© pdesign

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Es ist ja ganz rührend, dass der liebe Hennes an Jogis Herz für Kinder appelliert, aber Kindereien, wie der “kleine Kevin” sie sich erlaubt hat, haben ihn leider für eine weitere Karriere in der Nationalmannschaft disqualifiziert.

Wer seinen Kollegen und dem Trainerstab so wenig Respekt entgegenbringt, wie Kevin Kuranyi es mit seinem unangemeldeten Verschwinden während des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland getan hat, der hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn er aus der Mannschaft fliegt.

Dass Kuranyi ein ausgezeichneter Stürmer ist, möchte ich hier wirklich nicht bestreiten, seine Tore sprechen für sich, aber so etwas geht einfach nicht, egal, welche Sturmprobleme vorhanden sein mögen oder nicht.

Apropos Sturmprobleme – Poldi trifft doch wieder, und mit dem guten Cacau, einem Mario Gomez, Stefan Kießling, Thomas Müller und einem hoffentlich wieder erstarkten Miro Klose stehen wir doch ganz gut da. Ich würde vielleicht eher über eine Reaktivierung von Hans-Peter Briegel nachdenken, um die Abwehrreihe etwas zu stabilisieren.

Und noch was zum Schluß – wenn der gute Hennes sich bei Interviews mit Kevin Kuranyi an einen lispelnden Grundschüler erinnert fühlt, sehe ich leider immer nur Katja Burkard vor mir, und die möchte ich bei bestem Willen nicht über vergebene Torchancen und den nächsten Gegner sprechen hören.

Also, Jogi, lass die kleine Katja ruhig schmollen – alles richtig gemacht!

Euer Jünter

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

4 Portionen Senf

heinzkamke  on March 11th, 2010

Schöner Ansatz, dieses Pro-Contra-Spiel, gutes Plädoyer für Kuranyi. Wenn ich dennoch ein wenig klugscheißen darf:

Neben den drei Genannten haben mindestens die Herren Wohlfarth, Elber, Heynckes und Walter 8 Jahre in Folge zweistellig getroffen.

Hennes  on March 11th, 2010

Heinz, Du hast vollkommen recht, ich habe das gerade mal nachgeprüft. Ich bin – gelinde gesagt – erschüttert, denn der Rekord (der keiner ist!) taucht nicht nur im Wikipedia-Eintrag über Kuranyi auf, sondern er prahlt damit auch auf der eigenen Homepage! (unter About_Porträt)

Ich frage mich, wer diesen Unsinn in die Welt gesetzt hat und gelobe ab jetzt mehr Gründlichkeit bei der Recherche!

heinzkamke  on March 11th, 2010

Ich habe ja einen Verdacht, gebe aber zu, dass ich da von Stefan Niggemeiers Serie “Doof wie RP online” beeinflusst worden sein könnte…

Wikipedia verweist im betreffenden Abschnitt auf die RP, und dass die Damen und Herren, die Kevin Kuranyis Internetauftritt pflegen, an der Stelle eigene Recherche betrieben haben, darf man bezweifeln.

Natürlich ist auch nicht auszuschließen, dass es tatsächlich ein eigener Fehler der Kuranyi-Website ist. Den die RP übernommen hat.

Ok, ich hör schon auf.

heinzkamke  on March 11th, 2010

@RP: Abbitte!

Die RP schreibt, die 8 seien nur von Müller und Burgsmüller _übertroffen_ worden.
Wikipedia und Kukukus Websitebefüller haben da was falsch verstanden übernommen recherchiert.

Gib Deinen Senf dazu!