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Volle Konzentration, bitte!

Wir nähern uns mit großen Schritten der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Die Nationalspieler sehen dabei ganz anderen Turnierbedingungen entgegen, als sie es von den vergangenen Europa- oder Weltmeisterschaften her kennen. Aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen wohnen sie abgeschottet hinter hohen Mauern und können sich im Umland nicht frei bewegen, wie sie es bislang gewohnt waren. Bei dem einen oder anderen mag die Angst vor dem berüchtigten „Lagerkoller“ mit im Gepäck sein, wenn er am 6. Juni den Flieger gen Pretoria besteigt.

Dennoch werden auch sie, anders als Generationen von Fußballern zuvor, das Privileg genießen können, ihre Familien, ihre Ehefrauen oder Freundinnen vor Ort empfangen und sehen zu können. Hatten noch bis zu Beginn der neunziger Jahre die Fußballer einkaserniert und dem Anblick haariger Männerbeine längst überdrüssig aufeinander gehockt, hielt unter Berti Vogts die familiäre Atmosphäre Einzug im Nationalmannschaftsquartier.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die Frage nach dem Liebesleben der Nationalkicker während eines vierwöchigen Turniers auch für die Nation interessant. Ist Sex vor einem Spiel leistungsfördernd oder kriecht der Spieler nach dem ausgelassenen Matratzensport müde über den Rasen?

Bis heute gehen die Meinungen darüber auseinander. Bislang konnte nur nachgewiesen werden, dass der Testosteronspiegel nach dem Beischlaf sinkt, der Glückshormonpegel dagegen steigt, was sich insgesamt negativ auf die Aggressivität des Sportlers auswirkt. Ruft man sich allerdings die unschöne Rangelei nach dem WM-Viertelfinale 2006 zwischen der deutschen und der argentinischen Mannschaft vor Augen, wünscht man sich rückblickend mehr Beischlaf und weniger Aggressivität für alle Beteiligten.

Als gesichert darf indes gelten, dass sich die hormonelle Lage spätestens zehn Stunden nach dem geschlechtlichen Treiben wieder normalisiert hat. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Spieler noch am selben Tag eines Turniermatches die Nähe ihrer weiblichen Begleitung genießen dürfen, stellt sich die Frage nach den Konsequenzen leiblicher Genussfreuden ohnehin nicht.

Berti Vogts, der uns diese ganzen Gedanken rund um die beiden schönsten Nebensachen der Welt eingebrockt hat, reagierte während seiner Amtszeit als Nationaltrainer übrigens äußerst gelassen auf delikate Fragen:

„Sex vor dem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.”

Per Mertesacker scheint sich in einem heute erschienenen Interview mit der Frankfurter Rundschau unterbewusst auch mit ähnlichen Gedanken zu beschäftigen. Zwar stellte der Journalist bloß eine unschuldige Frage nach der zu erwartenden Atmosphäre im Mannschaftshotel, doch die Antwort des Abwehrspielers lässt tief blicken:

„Ich habe bei beiden Turnieren eine Freundin gehabt, bin aber gut damit gefahren, mich auf mich zu konzentrieren. Ich kann auch ganz gut allein sein, mich auf meinen Körper konzentrieren und mich dann auf ein großes sportliches Ziel fokussieren.”

Dann wünschen wir Dir viel Spaß beim Konzentrieren, Per!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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