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Wiedersehen im Tabellenkeller!

Wäre Albert Einstein Fußballfan gewesen, dann hätte er womöglich nicht nur die Relativität von Raum und Zeit postuliert, sondern auch eine ähnliche Theorie für den Fußball aufgestellt. Denn das Ergebnis, das nach Abpfiff einer Fußballpartie auf der Anzeigetafel des Stadions prangt, ist längst nicht so unabhängig und konstant wie es erscheint – oder mit anderen Worten: Unentschieden ist nicht gleich Unentschieden.

AllzweckJack

© AllzweckJack

Dabei ist das Ergebnis auf den ersten Blick stets eindeutig: In Pokal- oder Turnierspielen gibt es am Ende immer einen Sieger und einen Verlierer, in Liga- oder Freundschaftsspielen kommt es hingegen auch schon mal zu einem Unentschieden ohne Gewinner. Doch dann teilen sich die Teams die Punkte, und die Frage, welche Mannschaft stärker war, bleibt bis zum nächsten Aufeinandertreffen unbeantwortet.

Natürlich gibt es Partien, deren Ergebnis den Spielverlauf verfälschen, wie beispielsweise das Match zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen am vergangenen 27. Spieltag. Das 3:0 für die Borussia ist zwar Ausdruck der absoluten Dortmunder Feldüberlegenheit in der zweiten Halbzeit, verschweigt allerdings auch die brillante erste Hälfte der Werkself aus Leverkusen, die gegen einen völlig überforderten Gegner mindestens drei Tore hätte schießen müssen.

Zudem scheint in der Liga auch die Wertigkeit eines Sieges zu variieren: Verfolgt man die Sportberichterstattung, dann steigt die Bedeutung von Siegen gegen Ende der Saison exorbitant an; das gilt vor allem für Mannschaften, die ganz oben oder ganz unten in der Tabelle stehen. Man gewinnt den Eindruck, als hätte Leverkusens 1:0-Erfolg gegen Hoffenheim am 2. Spieltag maximal 2,75 Punkte erbracht, mit der Niederlage gegen Dortmund wären sie aber an mindestens 3,50 Punkten vorbeigeschrammt. Gerne wird in diesem Zusammenhang ja auch von so genannten Sechs-Punkte-Spielen gesprochen, die allerdings selbst nach intensiver Prüfung sämtlicher verfügbarer Tabellen immer bloß drei Punkte auf das Konto des siegreichen Teams spülen.

Auch ein Unentschieden ist nicht immer ein Unentschieden: Ein Blick auf die beiden Spiele zwischen Werder Bremen und dem FC Valencia in der Europaleague offenbart, dass ein Remis den Teams auch schon mal diametral entgegengesetzte Erträge einbringen kann. Während die Spanier dank der Auswärtstorregel nach zwei Unentschieden in die nächste Runde einzogen, schied Bremen ohne Niederlage aus dem Wettbewerb aus.

Zugegeben, diese Ausnahmeregel verwirrt nur in den europäischen Cupwettbewerben und hat in der heimischen Liga nichts verloren. Dort sind Unentschieden an der Tagesordnung, vor allem, wenn die beiden aufeinandertreffenden Teams in etwa gleich stark besetzt sind und aufgrund ihrer jeweiligen Tabellensituation das Risiko scheuen. Dann endet das zuvor mit Spannung erwartete Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach nach einem höhepunktarmen Spiel auch schon mal mit einem Unentschieden – so geschehen am letzten Freitag.

Doch auch hier zeigt sich in der rückblickenden Bewertung die inhärente Relativität. Schon in der Vorrunde hatten sich die Teams nach einem müden 0:0 ohne Sieger getrennt. Ein Ergebnis, das damals für Borussia Mönchengladbach, mit sieben Zählern auf Rang 15 liegend, den ersten Punktgewinn nach zuvor sechs Niederlagen in Folge bedeutete. Zwar zeigte die Mannschaft keine überzeugende Partie, doch irgendwie geriet sie dann doch zur Initialzündung für den Rest der Vorrunde. Aus den anschließenden acht Spielen sammelte Gladbach 13 Punkte und kletterte auf Rang elf, weit weg von den Abstiegsrängen.

© zettberlin

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Auch dem Erzfeind aus der Domstadt war es vor dem ersten Aufeinandertreffen ähnlich ergangen. Acht Punkte, und damit bloß einen Zähler mehr als Gladbach, hatten die Kölner bis zum Hinrunden-Derby sammeln können. Auch der FC steckte, punktgleich mit Nürnberg und dem Tabellensechzehnten VfL Bochum, bis zum Hals im Abstiegskampf. Mit dem Remis gegen die Borussia begann die tabellarische Kletterpartie, die zum Ende der Vorrunde auf Tabellenplatz 12 endete.

Rückblickend mögen sich die Mannschaften zwar ärgern, den Gegner damals nicht in die Knie gezwungen zu haben, doch mit dem Unentschieden konnten beide Teams gut leben. Das sieht nach dem 1:1 am letzten Spieltag allerdings anders aus. Noch liegen beide Vereine im unteren Mittelfeld der Tabelle, doch die dahinterliegende Konkurrenz holt auf.
Für den 1. FC Köln, der mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen stark in die Rückrunde gestartet war, bedeutet das Remis vom Freitag ein weiteres Spiel ohne Sieg – inzwischen die achte Partie nacheinander ohne dreifachen Punktgewinn. Gladbach verpasste den ersten Auswärtssieg in der Rückrunde und blickt auf fünf sieglose Spiele in Serie zurück.

Zu allem Überfluss birgt das Restprogramm beider Vereine viele Gefahren: Borussia Mönchengladbach muss sich in den letzten sieben Spielen mit gleich sechs Gegnern aus dem oberen Tabellendrittel messen, darunter die ersten Drei der Tabelle. Eine Wiederholung der Punkteausbeute (13 Zähler) aus der Vorrunde erscheint mehr als unwahrscheinlich.

Das Restprogramm des 1. FC Köln wirkt freundlicher, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als mindestens genauso brisant und gefährlich. Mit Hannover, Berlin, Bochum, Freiburg und Nürnberg trifft Köln noch auf fünf direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Eine Niederlagenserie würde den tabellarischen Absturz mit potentiellem Ende in Liga Zwei bedeuten.

Man muss also gar nicht wissen, was hinter der Formel e=mc2 steckt, um zu begreifen, dass das Unentschieden im letzten Derby keiner Mannschaft weitergeholfen hat. Hätte sich Albert Einstein für Fußball interessiert, hätte er den Fans von Köln und Gladbach wahrscheinlich geraten, sich auf eine nervenaufreibende Schlussphase der Saison einzustellen. Vom Klassenerhalt sind beide Clubs nämlich noch relativ weit entfernt…

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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