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WM (14) – Wat Meinste, Hennes?

Keine Zeit für Fragen!

Ok, heute ist der Tag der Entscheidung. Ich bin heute schon nervös aufgewacht, und auch literweise Kaffee konnten mich nicht beruhigen! Schon heute morgen im Zug saßen unzählige, das Nationaltrikot tragende Menschen mit konzentriertem Blick. Man sieht sich, nickt sich kurz zu und wünscht sich gegenseitig viel Glück für das Spiel. “Wird schon klappen!”

Heute habe ich mich auch dafür entschieden, keine Frage für den Hennes auszuknobeln – das gehört sich an so einem Tag einfach nicht! Wer kann sich schon auf solche Nebensächlichkeiten konzentrieren, wenn es heute Abend in Soccer City um alles für unsere Mannschaft geht? Also, Ärmel rauf und Stutzen runter – wir sehen uns im Achtelfinale!

Hennes möchte auch was sagen!

Jeder Fußballer hat seine Rituale – jeder Fußballfan auch! Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass die deutsche Mannschaft 2006 nur deshalb im Halbfinale unterlag, weil ich mein bis dahin erfolgreich praktiziertes Ritual nicht konsequent bis zum Schluss durchgezogen hatte. Bis einschließlich zum Viertelfinale hatte ich das deutsche Spiel immer an einem anderen Ort geschaut – mal beim Public Viewing, mal in der Kneipe, mal bei Freunden, mal zu Hause. Erst beim Halbfinale stellte sich eine Wiederholung ein, und auf derselben Public-Viewing-Leinwand wie beim Viertelfinalsieg gegen Argentinien musste ich nun die Niederlage gegen Italien mitansehen. Deutschland war raus, und ich war schuld daran! Zum Glück ließen sich zwei schlagkräftige Argumente finden, die mich davon abhielten, mich mit der nächsten Deutschland-Blumenkette zu erdrosseln: Erstens wurde mir erst später bewusst, dass das Ritual ein solches war und es sich erst durch den Misserfolg der Mannschaft als gewinnbringendes Ritual entpuppt hatte. Zweitens fühlten sich auch mindestens weitere zwei Millionen Fußballanhänger verantwortlich für das Scheitern der Nationalmannschaft. Denn jeder Fußballfan hat sein Ritual.

Die ersten beiden Spiele der diesjährigen WM habe ich übrigens auch am gleichen Ort gesehen. Prompt unterlag die deutsche Mannschaft am zweiten Spieltag gegen Serbien. Deswegen bin ich heute auch woanders, und wenn wir ins Achtelfinale einziehen, dann sieht mich die Kneipe vom Eröffnungsspiel die nächsten zwei Wochen nicht wieder!

Zudem fiel mir heute morgen vor dem Spiegel stehend auf, dass ich mich vor dem Eröffnungsspiel, nicht aber vor dem Spiel gegen Serbien rasiert hatte. Leider war ich ohnehin schon ein bisschen verspätet und meine S-Bahn sollte bald kommen: Letztlich blieb mir nur die Wahl zwischen glatten Wangen und einem verärgerten Chef oder Stoppelbart und Vorrunden-Aus.

Mein Chef hat mir dann nach meiner Ankunft im Büro mit grimmiger Miene verraten, dass er Fußball nicht mag und kein Verständis für Rituale hat. Ich rieb mir verlegen am glatten Kinn und entschuldigte mich für die Verspätung.

Mehr kann ich nicht tun – jetzt ist die Mannschaft an der Reihe.

Auf geht’s, Deutschland!!!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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