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Grau, grau, grau sind alle meine Stutzen…

© b13nd_pc_web

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Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr rieb man sich beim Studium der einschlägigen Fußballfachpresse verwundert die Augen: Dort war in großen Lettern zu lesen, dass Ruud van Nistelrooy zum HSV wechselt. Etwa DER Ruud van Nistelrooy? DER van Nistelrooy, der bei PSV Eindhoven, Manchester United und Real Madrid gespielt hatte? Der dreimal Torschützenkönig der Championsleague geworden war?

Zugegeben, mit seinen 33 Jahren konnte er damals kaum noch als der große Hoffnungsträger für den HSV gelten, aber immerhin wechselte ein hochdekorierter Spieler von Weltruhm in die Bundesliga. Viel mehr jedoch als der Wechsel in die deutsche Liga verwunderte die Wahl des Vereins: Nicht Bayern München sollte fortan auf seiner Visitenkarte stehen, sondern der Hamburger Sportverein. Ein zwar überaus ambitionierter Club, mit großer Tradition und steter Präsenz in der Bundesligaspitze, dem aber seit Jahrzehnten die großen Erfolge fehlten.

Gleichwohl schien der Transfer schon auf den ersten Blick stimmig. Hamburg ist eine schöne Stadt, van Nistelrooy als Holländer dem Wesen des Deutschen nicht wirklich fremd und die bereits vorhandene „Oranje-Fraktion“ im Verein tat mit Sicherheit ihr Übriges, um den smarten Stürmerstar von einem Wechsel zu überzeugen.

Heute, ein halbes Jahr später, reibt man sich erneut die Augen, kaum dass der Sportteil der Zeitung aufgeblättert auf dem Tisch liegt: Dort steht in großen Lettern zu lesen, dass Raul zu Schalke 04 wechselt. Etwa DER Raúl? DER Raúl, der sich als König der Königlichen längst in die royalen Geschichtsbücher von Real Madrid geschossen hat? Der fünfmal zum Spieler des Jahres in Spanien wurde? Der mehr Tore in der Championsleague erzielt hat, als jeder andere Spieler?

Zugegeben, mit seinen 33 Jahren kann er kaum noch als der große Hoffnungsträger für Schalke 04 gelten, aber immerhin wechselt ein höchstdekorierter Spieler von absolutem Weltruhm in die Bundesliga. Viel mehr jedoch als der Wechsel in die deutsche Liga verwundert die Wahl des Vereins: Nicht Bayern München soll fortan auf seiner Visitenkarte stehen, sondern Schalke 04. Ein zwar überaus ambitionierter Club, mit großer Tradition und steter Präsenz in der Bundesligaspitze, dem aber seit Jahrzehnten die großen Erfolge fehlen.

Und ja, schon auf den ersten Blick scheint dieser Transfer alles andere als stimmig. Gelsenkirchen ist keine schöne Stadt, Raúl als Spanier dem Wesen des Deutschen wirklich fremd und die Spanien-Fraktion im Verein wird ihn mit Sicherheit zu ihrem Sprecher und Schatzmeister wählen, da er bei der Stimmabgabe völlig alleine sein wird. Über die sportlichen Fähigkeiten soll an dieser Stelle gar nicht gestritten werden; zwar besteht bei einem Spieler seines Alters immer die Gefahr, dass Verletzungen und steife Hüften das Toreschießen vergällen, doch zeugt Raúls sportliche Vita von einer Qualität, die über jeden Zweifel erhaben sein dürfte.

Was bleibt, ist die zweigeteilte Frage nach der Motivation. Zweigeteilt deswegen, weil man sich kaum vorzustellen vermag, wie sich ein Spieler seines Kalibers dafür motivieren kann, mit Weltstars wie Tore Reginiussen (spielt seit heute leihweise beim US Lecce), Peer Kluge oder Edu in Metropolen wie Wolfsburg, Hannover oder Kaiserslautern zu kicken. Und sich daher die Gründe, die ihn für den Wechsel motiviert haben müssen, nur ausmalen kann, wer mit überbordender Phantasie gesegnet ist.

Was treibt einen Weltstar, der in Madrid verehrt und vergöttert wird, in den Ruhrpott? Was bewegt ihn dazu, die wahrscheinlich bis zum Platzen prall gefüllte private Geldschatulle – für ein zwar beachtliches, in seinem Mikrokosmos der madrilenischen Ruhmeshalle aber geradezu bescheiden anmutendes Jahresgehalt von sechs Millionen Euro – noch einmal zu öffnen? Wieso verschiebt er seine zwangsläufige Post-Kicker-Laufbahn in den Chefsesseln von Real Madrid um weitere zwei Jahre? Und mehr noch: Wer zieht freiwillig aus der spanischen Hauptstadt mit südländischem Flair, mit 3,2 Millionen Einwohnern und durchschnittlich 84 Regentagen im Jahr in eine Stadt mit grauem Ruhrpottcharme, 260.000 Einwohnern und durchschnittlich 197 Regentagen im Jahr?

Mir fällt dazu wenig ein.

Vielleicht ist er einfach ein netter Kerl, der all meinen zynischen Fragen mit einer entwaffnenden Antwort begegnen würde: der ungebrochenen Lust am Fußballspielen.
Vielleicht hat er aber auch auf der Ersatzbank bei Real Madrid in Christoph Metzelder einen Freund fürs Leben gefunden.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie beim „aktuellen sportstudio“ zur Abwechslung mal die richtigen Fragen stellen.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

4 Portionen Senf

paddy  on July 29th, 2010

da fällt mir auch wenig bis gar nix zu ein. scheint ja wirklich ein netter zu sein, aber diesen sprung bekommt er nicht hin. ist ja fast vergleichbar mit der kuranyi-nummer. wobei dieser sich das geldsäckerl noch ein wenig mehr hat füllen lassen. was denkt ihr? wer ist schneller wieder zurück in der heimat? kuranyi oder raul;)

Hennes  on July 30th, 2010

Interessante Frage…ich glaube, Raúl wird schneller und nachhaltiger am Heimweh erkranken als Kuranyi. Einfach deswegen, weil Moskau als Stadt mit Sicherheit extrem spannend ist. Als Normalbürger hätte man wahrscheinlich wenig zu lachen, da das Leben dort immens teuer sein soll. Aber als reicher Fußballer bekommt man dort bestimmt sehr viel geboten!

Demnach ist der Wechsel von Gelsenkirchen nach Moskau schon ein Qualitätssprung, jetzt nur auf den Lebenstandard bezogen.

Das sieht bei Raúl natürlich ganz anders auch. Da bin ich mir fast sicher, dass er sich im Herbst, wenn Gelsenkirchen in schönstem Grau erstrahlt, und das Training am dritten Tag nacheinander im Dauerregen stattfinden muss, heftig nach Madrid zurücksehen wird.

greenkeeperderherzen  on August 3rd, 2010

Er wird seine Zelt in Düsseldorf aufschlagen, dies ist schon ein Unterschied zu GE !
OK, das mit den Regentagen gilt auch hier. :-)

Hennes  on August 4th, 2010

Düsseldorf? Als kölscher Hennes bin ich fast geneigt, zu sagen, dass sei ja noch viel schlimmer als Gelsenkirchen ;-)

Aber Du hast schon recht, Greenkeeper, dort lässt es sich in der Tat aushalten. Und wenn der Frust zu groß wird, kann man ja immer noch “die längste Theke der Welt” besuchen ;-)

Muhamuha, Brüller!

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