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Die Gnade der frühen Geburt

© derweb.de / photocase.com

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Bei den von Electronic Arts produzierten Fußballgames der FIFA-Reihe für diverse Konsolen ist es üblich, auf den Covern der für den deutschen Markt vorgesehenen Ausgaben junge, erfolgreiche, deutsche Fußballer abzubilden, mit denen sich die potentielle Käufergruppe der Spiele identifizieren kann.

Dieselbe Firma stellt übrigens auch den Xbox-Klassiker „Rock Band“ her; ein Spiel, bei dem drei Spieler eine Band bilden und physisch ausladende Controller bedienen, die nicht nur rein zufällig einem Schlagzeug, einem Mikrofon und einer E-Gitarre ähneln.

Interessanterweise wird auf der ebenfalls sehr ausladenden Verpackung nicht mit realen Musikern geworben, sondern nur die Silhouette einer Band abgebildet. Eine in meinen Augen wenig verkaufsfördernde Entscheidung. Möglicherweise verlangen Musiker einfach zu viel Geld, um mit ihrem Konterfei werben zu dürfen. Bald könnte es ohnehin dazu kommen, dass die PR-Strategen von EA mal in der Bundesliga bei Mainz 05 nachfragen, um die jungen Fußballtalente des Bundesligaspitzenreiters zum großen Crossmerchandising zu überreden.

Die Mainzer Mannschaft, die nun schon seit fünf Spieltagen die Liga aufmischt, hat mit Lewis Holtby und André Schürrle zwei junge, etwas pickelige, aber freche Gesichter, die inzwischen nicht nur für die gute Jugendförderung und kluge Transferpolitik am Bruchweg steht, sondern auch den Aufschwung des deutschen Fußballs im Allgemeinen repräsentieren.

Beide sind, wie Toni Kroos übrigens auch, zu Beginn der 1990er Jahre geboren und gelten damit für die Süddeutsche Zeitung schon als „Generation eins nach Müller“. Nur um sicher zu gehen: Gemeint ist nicht „kleines, dickes“ Gerd Müller, sondern Thomas Müller, seines Zeichens Senkrechtstarter im Nationalteam und als Jahrgang 1989 so etwas wie der Oldie unter den deutschen Fußballtalenten.

Daran lässt sich leicht erkennen, dass die Jugendförderpolitik des DFBs inzwischen prachtvolle Früchte trägt, und die Zukunft der Nationalmannschaft lächelnd am goldenen Horizont herüberwinkt. Dass das mal anders war, weiß jeder Fußballfan, der die grauenhafte Vogts-Ribbeck-Völler-Zeit um die Jahrtausendwende herum mit durchleiden musste.

Das lässt sich im Übrigen auch auf den Covern der FIFA-Reihe ablesen. 1998 lächelte uns Andreas Möller entgegen, 1999 Olaf Thon und 2000  Mehmet Scholl, der Einzige, der die Kriterien “jung, erfolgreich, deutsch” annähernd in Einklang bringen konnte. Dass allerdings 2001 Lothar Matthäus auf dem Cover erschien, spricht eine allzu deutliche Sprache und verschweigt keineswegs, wie schlimm es damals um den deutschen Fußball stand.  Von 2003 bis 2005 schaffte es dann gleich gar kein deutscher Spieler mehr aufs Titelbild, bis mit Lukas Podolski 2006 ein Lichtstreif am Horizont erkennbar wurde.

Bundestrainer Joachim Löw ist demnach angesichts der Vielzahl junger deutscher Fußballtalente wirklich zu beneiden – wie auch Jan Schlaudraff und Mike Hanke.

Gut, die beiden sind zuletzt – höchst offiziell der Eine, klammheimlich der Andere – aus dem Kader von Hannover 96 gestrichen worden. Eigentlich kein Grund Hanke und Schlaudraff, in Jubelstürme auszubrechen. Dennoch können die beiden 1983 geborenen Fußballer dankbar sein, dass sie nicht ein paar Jahre später das Licht der Welt erblickten. Zwar hatten sie in ihrem Jahrgang gegen herausragende Könner wie Schweinsteiger, Lahm und Podolski zu kämpfen (und zu scheitern), doch war die Masse an deutschen Talenten noch derart überschaubar, dass sie es mit ihrer tendenziell durchschnittlichen Begabung zum Nationalspieler und zum Millionär bringen konnten.

Schwein gehabt! Denn man mag sich kaum vorstellen, wie sich die beiden ein paar Jahre später gegen die weit zahlreichere Konkurrenz geschlagen hätten: André Schürrle, Lewis Holtby, Konstantin Rausch, Marco Reus, Toni Kroos, Felix Kroos, Patrick Herrmann, Peniel Mlapa oder Sebatian Rudy, um nur Einige zu nennen.

Aufs Cover der FIFA-Reihe haben es Hanke und Schlaudraff übrigens nie gebracht. Dafür werden sie zukünftig womöglich sehr viel Zeit haben, das gerade neu erschienene FIFA 11 auszuprobieren.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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