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“Die Tabelle, die ja nie lügt, täuscht ja oft.”

© 106313

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Ein Blick auf die aktuelle Bundesligatabelle verrät uns…gar nichts.

Was will man daraus schon ablesen? Dass Mainz nun Titelfavorit Nummer 1 ist? Dass Freiburg den Großangriff auf die Championsleague-Plätze plant? Dass Bayern München und Werder Bremen im grauen Mittelmaß versinken? Dass Schalke trotz Tabellenplatz 18 im Kampf um die Meisterschaft noch nichts zu befürchten hat, da der Rückstand auf den FC Bayern nur fünf Punkte beträgt? Oder dass Wolfsburg und Stuttgart knietief im Abstiegskampf stecken? Wie liest man denn diese seltsame Tabelle?

Nein, selbst die kühnsten Optimisten und die skeptischsten Pessimisten würden vereint mit dem Kopf schütteln: Diese Tabelle sagt gar nichts aus. Oder etwa doch? Vielleicht verrät uns das aktuelle Bundesliga-Tableau andere, allgemeinere Erkenntnisse:

Die Bundesliga ist spannend.

In den letzten Jahren hat sich die oberste deutsche Spielklasse in Europa den Ruf erworben, die größte Spannung und Dramatik zu bieten. Das war angesichts der immer gleichen Ergebnisse in Europas anderen Ligen nicht verwunderlich: In England kam der Meister stets aus dem Kreise der großen Vier (Manchester United, FC Liverpool, FC Arsenal, FC Chelsea), in Frankreich triumphierte Olympique Lyon gleich siebenmal hintereinander, in Italien war in den letzten Jahren kein Vorbeikommen an Inter Mailand, und in Spanien gipfelt der Titelkampf stets im Duell FC Barcelona gegen Real Madrid. Inzwischen hat sich die Lage wenigstens in Italien und Frankreich ein wenig entspannt, und die Zuschauer dürfen wieder gespannt sein, wer am Ende einer Saison ganz oben steht.

Zwar wartet auch die Bundesliga mit einer mal nur gefühlten, mal real praktizierten Dominanz der Bayern auf, ohne aber langweilig oder eintönig zu wirken. Dafür sorgen die Bayern dann schon selbst, denn bei etwa 98% Ballbesitz pro Spiel vergessen sie nur allzu häufig, auch das eine oder andere Tor zu schießen. Die aktuelle Saison bestätigt dies auf eindrucksvolle Weise, und die Tabelle führt die Münchner nach einer Niederlage beim Aufsteiger Kaiserslautern und nach Unentschieden gegen Köln und Bremen nur auf Platz 9.

Der qualitative Unterschied zwischen Bundesliga und der zweiten Liga ist sehr gering.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, und wir haben uns mit dieser Thematik schon einmal auseinandergesetzt. Auch die aktuelle Saison zeigt wieder, dass sich die Teams aus dem oberen Drittel der zweiten Liga qualitativ annähernd auf demselben Qualitätsniveau bewegen wie die Mannschaften aus dem unteren Drittel der ersten Liga. Kaiserslautern und St. Pauli bestechen dazu mit wunderbar anzuschauendem Systemfußball, der eine stabile Abwehr, einen hohen läuferischen Einsatz und ein Hochgeschwindigkeitsumschalten von Abwehr auf Angriff vorsieht, der wiederum in überfallartigen Konterangriffen mündet.

Geld schießt keine Tore (am Anfang einer Saison).

Die Mannschaften, die am Ende der Transferperiode neue Spieler eingekauft haben, wie Schalke, Wolfsburg, mit Abstrichen auch Stuttgart, haben mit großen Problemen zu kämpfen und finden sich im Tabellenkeller wieder. Die Teams sind noch nicht eingespielt, fremdeln, bilden keine Einheit. Ganz anders die Clubs an der aktuellen Tabellenspitze: Mainz, Hoffenheim und Freiburg gelten als Paradebeispiele für harmonierende Kollektivmannschaften.

Zwar kann damit gerechnet werde, dass im Laufe der Saison der Mangel an Eingespieltheit verschwindet und die zweifellos vorhandene individuelle Klasse der Neueinkäufe zu Tage tritt, doch sollte man die negative Eigendynamik des schlechten Saisonstarts nicht unterschätzen. Der Sumpf am Tabellenende hat sich schon häufig als überraschend tief herausgestellt.

Die Liga versaut jede Tippliste

Wie in jedem Jahr, so bin ich auch in dieser Saison auf einer privaten Tippliste aktiv. Wer führt nach vier Spieltagen? Ein Fan von Mainz 05. Wer belegt Platz zwei? Ein Fan von Mainz 05. Keine Frage, beide haben sich die Führung in der Tipptabelle durch ihr Urvertrauen in die Stärke des eigenen Teams redlich verdient. Wäre ich mal bei meinen Köln-Tipps nur ähnlich optimistisch.

Doch eines ist sicher: Favoritentipps sind in dieser Saison bislang wenig erfolgreich. Mein persönlicher Saisonstart ist also, man hört es deutlich raus, bislang ziemlich katastrophal verlaufen. Doch ein Ende der Misere ist so schnell nicht in Sicht. Denn wie tippe ich bloß die nächsten Spiele? Mannschaften wie Schalke, Wolfsburg und Bayern werden bald wieder gewinnen, Gipfelstürmer wie Mainz und Freiburg hingegen auch mal wieder verlieren. Jede Serie reißt, früher oder später. Doch genau das ist mein Dilemma. Wann denn? Früher? Oder später? Ist Schalke in der Tat so verunsichert, dass die Mannschaft am Mittwoch in Freiburg zum fünften Mal in Folge verliert? Oder reißen die Stars das Ruder endlich herum? Wo ist Krake Paul, wenn man ihn braucht?

Wir fassen zusammen: Nach den ersten vier Spieltagen ist die Liga spannend wie nie, ausgeglichen wie nie und überraschend wie nie. Meine Tipps für Dienstag und Mittwoch habe ich übrigens ausgewürfelt – man muss sich eben anpassen!

Nachtrag: Das im Titel aufgeführte Zitat stammt von Felix Magath. Allerdings aus dem Jahr 2009…

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