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Abgemeiert

„Ich bin dann mal weg!“

Worte, die man passgenau in Michael Meiers Mund hätte legen können, denn der 61-jährige Manager des 1. FC Köln ist seit gestern genau das – weg! Entlassen, gefeuert, mit Komplimenten vom Hof gejagt.

„Ich bin dann mal weg!“

Diese Worte hätten übrigens auch prima in den Mund des Präsidenten, Wolfgang Overath, gepasst. Denn als es darum ging, den versammelten Medienvertretern die Entlassung Meiers zu verkünden und darüber hinaus möglicherweise die vereinspolitische Zukunft zu erläutern, suchte man den angeblich so starken Mann des 1. FC Köln vergebens. Ein wichtiger Termin hindere Wolfgang Overath an seiner Präsenz vor Ort, ließ der Klubsprecher Christopher Lymberopoulos verlauten.

Man fragt sich gleich: Was ist bedeutsamer als die Entlassung des wichtigsten Entscheidungsträgers für den sportlich-wirtschaftlichen Bereich der letzten fünf Jahre? Ist Overath der heimliche Informant der Wikileaks-Plattform? Musste er mit Heiner Geißler am Schiedsspruch zu Stuttgart 21 stricken? Oder „Teflon“ Merkel besänftigen?

Viel weiter reicht meine Phantasie nicht, um die Abstinenz des Vereinspräsidenten zu entschuldigen. Auch ein Ehrenamt bringt Verpflichtungen mit sich, die keinen Aufschub und kein Ausweichmanöver dulden.

Ein Verein braucht keinen Strahlemann, der sich im Erfolg des Clubs sonnt und in der Krise abtaucht, sondern eine starke Persönlichkeit, die gerade dann auf den Plan tritt, wenn es unangenehm werden kann; die auch dann ansprechbar und zupackend bleibt, wenn die Kritik laut und die Schmähgesänge unüberhörbar sind; die das Heft des Handelns erkennbar an sich reißt, interne Kompetenzen neu verteilt, einen vernünftigen Workflow installiert und moderiert; die dann Experten zusammenführt und sie zu einer Lösung antreibt; die sich selbst zurücknimmt und inhaltlich nur beratend zur Seite steht; die umsichtig nach externen Verstärkungen sucht; die sich der Öffentlichkeit stellt und für Transparenz der eigenen Arbeit sorgt; die die Fans informiert, anspricht, für sich einnimmt und den Schulterschluss zwischen Anhang, Vereinsführung und Mannschaft erzeugt; die sich mit breiter Brust ans Rednerpult stellt, dem soeben geschassten Kollegen alles Gute wünscht, und mit fester Stimme sagt:

„Ich bin dann mal da!“

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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