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Der Pott im Pott

© Fiebke

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Wilhelm Nagel und Rudi Assauer werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Dabei hatte der Schalke-Manager Assauer doch im Mai 2002 dafür gesorgt, dass der Gold- und Silberschmied Nagel einen lukrativen Auftrag von 34.000 € übertragen bekam.

Was war passiert?

Im Freudentaumel über die erfolgreiche Titelverteidigung seines Vereins Schalke 04 im DFB-Pokal ließ der euphorisierte und beschwipste Manager während des obligatorischen Autokorsos durch Gelsenkirchen die Trophäe aus den Händen gleiten und tölpelhaft auf den Boden plumpsen.

Der schöne DFB-Pokal, der bis dahin 38 Jahre lang schadlos von Titelträger zu Titelträger weitergereicht worden war, sah nun aus wie ein zerbeulter Goldkelch.

Also schaffte man den Pokal in die Werkstatt von Wilhelm Nagel, jenem Gold- und Silberschmied aus Wesseling, der die Trophäe 1964 geschaffen hatte. Als der Schöpfer sein demoliertes Werk in den Händen hielt, war er schockiert:

„Als ich den Pokal das erste Mal gesehen habe, musste ich weinen.“ (FAZ, 04. Dezember 2002)

In monatelanger Kleinarbeit restaurierte er das gute Stück, und dank seiner Kunstfertigkeit glänzt es seit 2003 wieder wie ehedem. Ob Wilhelm Nagel jedoch auch seine Wut auf Rudi Assauer inzwischen verwunden hat, dürfte angesichts seiner spontanen Reaktion auf den Gelsenkirchener Zwischenfall recht zweifelhaft sein:

„Mit Rudi Assauer will ich nie mehr reden“, sagt Wilhelm Nagel, „38 Jahre lang ist nichts passiert und dann das.“ (FAZ, 04. Dezember 2002)

Möglicherweise hat er aber auch eine subtile Methode gefunden, um seinem Ärger Luft zu machen. Möglicherweise hat er im Pokal eine kleine Inschrift platziert, eine geheime Gravur eingearbeitet, die nur er kennt und die bislang unentdeckt geblieben ist. Möglicherweise hat er mit dieser Inschrift einen geheimen Fluch über Schalke 04 ausgesprochen. Möglicherweise…

Klingt abstrus? Erfunden? Unvorstellbar? Zugegeben, erfunden ist die Geschichte mit der Gravur schon, aber unvorstellbar keineswegs. Einfach mal in Schweden nachfragen.

Dort sah sich der Fußballverband vor wenigen Tagen aufgrund hartnäckiger Gerüchte veranlasst, den Meisterschaftspokal einzuziehen und untersuchen zu lassen. Denn die Stimmen, die von einer geheimen Inschrift munkelten, wollten einfach nicht verstummen. Man erzählt sich, dass der kürzlich verstorbene Silberschmied Ingelar Eklund, seines Zeichens großer Fan des schwedischen Klubs Hammarby IF, die Worte “Bajen foerever” ins Innere des Pokals graviert habe. “Bajen” ist der Spitzname von Hammarby IF.

“Wir wissen nicht, ob das der Wahrheit entspricht. Wir gehen davon aus, dass es sich nur um ein Gerücht handelt, aber wir haben entschieden, dass wir es herausfinden müssen.” (Mikael Santoft, Generalsekretär des schwedischen Fußballverbandes, zitiert aus dem Kicker)

Die Untersuchung der Trophäe mit einer Miniaturkamera ist scheinbar noch nicht abgeschlossen. Zumindest ließen sich bis zu dieser Stunde keine Informationen über den Ausgang der Prozedur auftreiben. Doch wir bleiben am Ball…und schauen vielleicht mal im benachbarten Rheinbach vorbei, und kitzeln aus Wilhelm Nagel heraus, an welcher Stelle er seinen Schalke-Fluch eingraviert hat. Eines lässt sich nämlich nicht leugnen: Er wirkt. Schalke konnte seit 2002 den DFB-Pokal nicht mehr gewinnen.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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