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Sushi und Kölsch

Ein Stadionumbau ist nichts Ungewöhnliches. Mal werden die Spielstätten um Zuschauerränge erweitert, wie am Millerntor in St. Pauli, mal wird ein Stadion mit Tartanbahn in eine reine Fußballarena umgemodelt, wie die Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart.
Meist handelt es sich dabei um infrastrukturelle Maßnahmen von Vereinen, die auf Erfolge in den letzten drei bis fünf Jahren zurückblicken und auf höhere Zuschauerzahlen in der Zukunft hoffen können. Dass der 1. FC Köln sich möglicherweise ebenfalls demnächst zu einem partiellen Umbau entschließen könnte, überrascht daher gewaltig. Denn als „Erfolg“ kann höchstens der erfolgreiche Wiederaufstieg in die oberste deutsche Spielklasse 2007/08 gelten, aber nur mit viel Wohlwollen.

Dennoch könnte es sein, dass demnächst die Bagger in Köln-Müngersdorf auftauchen, um eine bauliche Maßnahme einzuleiten. Sie könnten auf der Haupttribüne, dort wo die Vereinsbosse sitzen, Platz schaffen – Platz schaffen für einen Strandkorb, in dem der zukünftige Sportdirektor gemütlich lümmelnd, beste Aussicht auf das Spielfeld und das Treiben seiner neuen Mannschaft hätte. Mit Volker Finke kehrt jener angenehm unangepasste Fußballschaffende in die Bundesliga zurück, der jahrelang von seinem Strandkorb aus den SC Freiburg durch viele Höhen und wenige Tiefen dirigierte.

Volker Finke beim 1. FC Köln – passt das?

Kann die Verpflichtung eines 62-jährigen als zukunftsweisende Personalie verkauft werden? Oder verkauft man uns hier einfach wieder für dumm? Kann ein in Japan nur mäßig erfolgreicher und letztlich geschasster Trainer einen deutschen Traditionsverein in einer neuen, bislang nie erprobten Funktion wieder zu Erfolgen führen? Oder führt das alles mal wieder zu nix? Kann ein „Provinzling“, dessen Fußballsozialisation im beschaulichen Breisgau stattfand, bevor er in die international unbedeutende J-League verschwand, eine hysterische kölsche Medienlandschaft zähmen?

Ich sage, er kann! Und hoffe, er wird!

Volker Finke ist ein in der Branche anerkannter Fachmann. Während er in der Presse häufig mit einem skeptischen Schmunzeln betrachtet wird, da ihm als Studienrat der vielzitierte Stallgeruch eines Heimatvereins fehlt und er auf keine große Vita als aktiver Spieler zurückblicken kann, wird er von Fachleuten aufgrund seiner jahrelang erfolgreichen Arbeit in Freiburg geschätzt und geachtet.

Doch nicht der zählbare Erfolg – der sich mit drei Aufstiegen und zwei UEFA-Cup-Teilnahmen durchaus vorzeigbar ausnimmt – hat ihm Respekt eingebracht, sondern vielmehr sein konzeptionelles Wirken im Breisgau. Volker Finke erkannte früh, dass die natürlichen Standortnachteile des kleinen Vereins gegenüber der Konkurrenz nur über einen konzeptionellen Gegenentwurf auszugleichen sein würden. Der Club verschrieb sich fortan der Nachwuchsförderung, die seitdem das Fundament der Freiburger Vereinspolitik bildet.

Heutzutage, im Zeitalter der Hummels und Götzes, der Holtbys und Schürrles, erscheint das Freiburger Modell nicht sonderlich originell. Doch zu Beginn der 90er, als die Förderung junger Talente im Breisgau begann, schrieb man noch das Zeitalter der Kohlers und Bertholds, der Thons und Matthäus‘. Jugendarbeit blieb eine Ausnahme. 2001 eröffnete schließlich die Freiburger Fußballschule, als konsequente Fortführung des konzeptionellen Weges. 2009, als die Mannschaft den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffte, standen 12 Spieler aus der eigenen Jugend im Profikader.

© pinkbutterfly

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Dieses Konzept der Alternative zum gängigen Mainstream wurde von Finke federführend ausgearbeitet und umgesetzt. Wer ihn also als Novize auf dem Sitz des Sportdirektors bezeichnet, verschließt die Augen vor der Tatsache, dass Finke über viele Jahre in Freiburg als Trainer, Manager und Sportdirektor in Personalunion agierte. Auch damit nahm er eine Art Vorreiterrolle für Magath, Veh und Co ein.

Als Trainer rundete Finke schließlich sein Konzept ab. Mit jungen, flinken, technisch versierten Spielern ließ er ein gepflegtes Kurzpassspiel inszenieren, das damals in der Bundesliga noch seinesgleichen suchte. Wer bei dieser Beschreibung der Spielphilosophie heute an Mainz und Dortmund denkt, der sollte sich ein paar Spiele der Freiburger aus den 90ern anschauen.
Was lernen wir daraus?

1. Finke kann hervorragende konzeptionelle Arbeit leisten.
2. Finke fördert die Jugend.
3. Finke steht für ein Gesamtkonzept.
4. Finke propagiert den gepflegten Kurzpassfußball.

Diese Punkte überzeugen und wurden in den letzten Jahren von den handelnden Personen beim 1. FC Köln nicht annähernd erfolgreich umgesetzt. Natürlich ist Finke nicht mehr der Jüngste. Doch er kann als Initiator einer neuen Vereinspolitik fungieren, die dem FC möglicherweise eine innovative Vereinsphilosophie, eine neue Identität und eine sympathische Außendarstellung verleihen könnte.

Und außerdem: Es wird Zeit, dass der 1. FC Köln seinen ersten Japaner bekommt. Man darf gespannt sein, wen Finke aus dem fernen Osten als Antrittsgeschenk mitbringen wird.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

Eine Portion Senf

Hennes  on February 3rd, 2011

Die Antwort kennen wir nun: Tomoaki Makino heißt das Souvenir aus Japan!

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