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In einer Saison vor unserer Zeit…

© duxrules

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Als am Samstag nach zähen 94 Minuten der Bundesligabegegnung Köln gegen Nürnberg dann doch endlich der unerwartete Siegtreffer für die Hausherren gefallen war, rieb sich mancher Fan verwundert die Augen: Sieben Heimsiege in Folge, hatte es das beim 1. FC Köln jemals gegeben? Diese Frage verwundert nicht – schließlich waren viele Fans bei der letzten Serie dieser Art noch gar nicht geboren.

In der Saison 1987/88 gelang es Christoph Daum, seine Mannschaft zu sechs siegreichen Heimspielen nacheinander zu führen. Das ist lange her. Bodo Illgner stand im Tor der Kölner, Jürgen Kohler in der Abwehr, im Mittelfeld spielten Littbarski und Hässler die Bälle auf Flemming Povlsen im Sturm. Die DDR zeigte noch keine akuten Auflösungserscheinungen, in Südafrika herrschte die Apartheid, George Bush wurde noch ohne “W” geschrieben und zum US-Präsidenten gewählt, Mesut Özil erblickte das Licht der Welt, und ich wurde zehn Jahre alt.

Zehn Jahre.

Geht man weitere zehn Jahre in der Geschichte zurück, dann trifft man auf einen 1. FC Köln, der den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte erringt: das Double aus Meisterschaft und Pokal. Trainerlegende Hennes Weisweiler steht an der Seitenlinie und macht nicht nur Spielern wie Harald Schumacher, Dieter Müller und Heinz Flohe Beine, sondern stellt auch den heute noch gültigen Vereinsrekord von neun siegreichen Heimspielen hintereinander auf. Im gleichen Jahr wird Karel Wojtyla zu Papst Johannes Paul II. ernannt, Sigmund Jähn fliegt als erster Deutscher ins Weltall und Daniel van Buyten, ich und das erste Retortenbaby kommen auf die Welt (in dieser Reihenfolge). Mario Basler wird hingegen schon zehn Jahre alt.

Zehn Jahre.

Der 1. FC Köln hat nach dem 28. Spieltag bereits 35 Punkte auf seinem Konto. Das sind so viele, wie seit zehn Jahren nicht mehr. In der Saison 2000/2001 trainerte Ewald Lienen eine Mannschaft, bei der Markus Pröll im Tor stand,  Matthias Scherz gemeinsam mit Christian Timm auf Torejagd ging und Jens Keller, der in der laufenden Saison ein kurzes Gastsspiel auf der Trainerbank des VfB Stuttgart geben durfte, die Abwehrarbeit verrichtete.  George W. Bush hatte mit “W” und Verve das Erbe Bill Clintons angetreten, der 11. September sollte Vieles verändern und der “Weltmännertag” wurde geboren.

Der 1. FC Köln lag am Ende der Saison auf übrigens auf Rang zehn. Eine Platzierung, die auch in der aktuellen Spielzeit in Reichweite liegt. Doch dafür müsste das Team wahrscheinlich auch noch seine restlichen Heimspiele gewinnen. Das würde neuen Vereinsrekord bedeuten: Zehn Heimsiege in Folge!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

3 Portionen Senf

Wurstwasser  on April 6th, 2011

Ein durchaus bemerkenswerter Rekordversuch, der in dieser wahnwitzigen Saison zu unrecht fehlende Beachtung erlebt.
Ja, zugegeben, auch an mir ging das Ganze unbeachtet vorüber…
In einer Spielzeit, dominiert von einer jungen Dortmunder Truppe, die sämtliche Rekorde jagt, die die wirtschaftlich Stärksten in den Schatten kombiniert.
Einer Saison, in der die Bayern einen katastrophalen dritten Platz anstreben, der Trainer vorsorglich zum Spielzeitende entlassen wird und durch einen jungen, frischen Fussballlehrer ersetzt werden soll.
Sowieso allen Trainern, die durch eine Art Vision frischen Wind in den Ligaalltag bringen wollen vorzeitig der Wind aus den Segeln genommen wird mit dem Resultat, dass unter anderem eine neu aufgebaute Mannschaft unmittelbar nach der Trainerentlassung eine Weltklassemannschaft mit 5:2 in deren eigenen Stadion auseinandernimmt…. Sicherlich die Handschrift des Neuen….
Einer Saison in der die Großen straucheln, die Kleinen zumindest intermittierend ihre eigenen, kleinen Feste feiern!
87/88…. Wahnsinn!
Das war sogar noch vor der Zeit, in der ich verzweifelt auf der Suche nach einem Verein war, dessen Anhängerschaft ich übernehmen könnte. Die Bayern sollten es nicht werden, soviel Eigensinn war damals doch schon vorhanden. Die fanden alle gut, wieso also noch einer mehr. Was war also nahliegender als sich den Dortmundern anzuschließen. Vom Fussball hatte ich ohnehin noch keine Ahnung, eine Meinung leider auch noch nicht wirklich. Aber Dortmund…. Dortmund…. Dortmund hatte ‘89 diesen mir damals unbekannten Pokal gewonnen und überhaupt, diese neongelben Trikots passten sowie in die grellen 80er und meinen damaligen Sinn von Ästhetik! Dortmund sollte es werden und blieb es bis heute!
Mit Unterbrechungen, hervorgerufen durch allgemeines Fußballdesinteresse! Aber wieder aufgeflackert durch…. Ja, Ihr wisst wodurch!
Aber zurück zum FC Kölle: Ich gönne ihnen diesen ungeahnten Lauf von ganzem Herzen. Eine Mannschaft die unbedingt in die Erste Liga gehört, die immer wieder für Freude gut ist – im positiven wie im negativen Sinne! Einem immer wieder ein Lächeln in die Mundwinkel zaubert!
Macht das mal ihr Kölner, auf zu neuen Rekorden!! Aber Meister wird Dortmund:

Tot ziens, Louis van Gaal!

Hennes  on April 7th, 2011

Na, da bin ich aber froh, dass sich Dein Sinn für Ästhetik weiterentwickelt hat. Obwohl, neongelbe Jeans, das würde Dir gut stehen ;-)

Aber Du beschreibst die allgegenwärtige Achterbahnfahrt in der laufenden Saison sehr gut – man hat den Eindruck, überall geht es drunter und drüber…nur Gladbach steigt in aller Stille ab :-)

Schön finde ich aber, dass Du Jupp Heynckes als “jungen, frischen” Trainer beschreibst. Das würde ihm sicherlich gefallen!

Wurstwasser  on April 7th, 2011

Ironie, ein treuer Weggefährte….! ;)

Du müsstest mich mal privat sehen, mein neongelber Ankleideraum sucht seines Gleichen… :)

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