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Der Schaefer verlässt die Herde

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Frank Schaefer

“Nach reiflicher Überlegung habe ich entschieden, nicht weiter für dieses Amt zur Verfügung zu stehen”. Mit diesen Worten gab Frank Schaefer heute Mittag seinen Rücktritt vom Posten als Cheftrainer beim 1. FC Köln zum Saisonende bekannt. Die Gründe für den Rückzug liegen laut Club ausschließlich im persönlichen Bereich. Man habe sich um den bislang erfolgreich tätigen und bei Fans und Medien überaus beliebten Trainer sehr bemüht, habe ihm eine Verdreifachung seines Gehalts in Aussicht gestellt, jedoch ohne Erfolg.

Damit ist nun sicher, was seit Tagen als Gerüchtesmog über Köln waberte. Der Mann, der mit der zweitlängsten Heimspiel-Siegesserie der Vereinsgeschichte, mit Kombinationsfußball und mit einer wunderbar entspannten Bodenständigkeit zu beeindrucken wusste, der den Sympathisanten und Fans des 1. FC Köln den lange vermissten Spaß zurückbrachte, der die Agonie der Zoldo-Jahre in Nullkommanix vergessen machte, wird voraussichtlich wieder ins zweite Glied zurücktreten und wahrscheinlich wieder als Trainer der U-23-Mannschaft einsteigen.

Die Entscheidung bekräftigt letztlich den Eindruck, den man von Schaefer in den vergangenen Monaten gewinnen konnte: Ein der Authentizität und der Realität verpflichteter Mensch kehrt der Scheinwelt Bundesliga den Rücken und lässt Intrigen, Machtspiele, persönliche Eitelkeiten und Geldgier hinter sich. Dieser Schritt ist für den 1. FC Köln mehr als bedauerlich, wirkt vor dem Hintergrund der letzten Tage aber geradezu erfrischend konsequent.

Denn im Fahrwasser katastrophaler Auftritte der Mannschaft gegen den HSV, gegen Mönchengladbach und Stuttgart schwang sich Sportdirektor Volker Finke zum Chefdramaturg einer peinlichen Kabale auf. Öffentlich spekulierte er über Frank Schaefers Zögern, einen Anschlussvertrag zu unterzeichnen und breitete mit unbedachten (oder gezielten?) Aussagen über dessen Glauben ein Thema von höchster Privatheit in aller Öffentlichkeit aus. Zusammen mit der in verschiedenen Medien kolportierten Einmischung Finkes in die tägliche Trainingsarbeit dürfte dieses Verhalten nicht unerheblich für den raschen Rückzug Schaefers gewesen sein.

Damit ist das Chaos wieder zurück in seiner alten Heimat Köln. Der Verein kämpft sportlich weiterhin gegen den Abstieg, der angesichts der jüngsten desaströsen Mannschaftsleistungen mit neuer Vehemenz droht. Der Club steht ohne Trainer da, dafür mit einem Sportdirektor, der mit Machtfülle protzt, ohne seine Rolle im Vereinsgefüge gefunden zu haben, der Kompetenzgrenzen überschreitet und sich als ehemaliger Trainer der ständigen Einmischung in die tägliche Trainingsarbeit verdächtig macht. Klingt das nach dem Profil eines populären Arbeitgebers?

Wer käme als Bewerber in Frage? Vom hektisch gehandelten Holger Stanislawski wird soeben vermeldet, dass er einen Dreijahresvertrag bei 1899 Hoffenheim unterzeichnet hat. Das ist zu bedauern, denn der zu Phlegma und Apathie neigenden Mannschaft hätte ein mitreißender Typ wie Stanislawski gutgetan. Das wäre gleichzeitig ein Grund, warum der allgegenwärtige Michael Skibbe in meinen Augen nicht nach Köln passt.

Er konnte mit seiner Arbeit in Leverkusen und Frankfurt zwar zeitweise überzeugen, verbreitet aber so viel Euphorie und Feuer wie eine Kiste “Jever Fun” auf einem Junggesellenabschied. Er wird gemeinhin als “zu nett und zu schwach” bezeichnet, was auf Autoritätsprobleme gegenüber Spielern und Vorgesetzten schließen lässt. Der unglückliche Ausgang des Amanatidis-Bruchhagen-Skibbe-Konflikts spricht in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache.

Wie immer werden die “Ehemaligen” beim 1. FC Köln auch die Diskussionen um die Zukunft bestimmen. Marcel Koller, der Entdecker von Lukas Podolski, gilt immer wieder als aussichtsreicher Kandidat, ebenso wie Huub Stevens, der den FC vor langer Zeit mit grauenhaftem Ergebnisfußball aus der Zweiten Liga ins Oberhaus führte.
Pierre Littbarski fristet beim VfL Wolfsburg ein eher trauriges Dasein als Co-Trainer des Co-Trainers und könnte sich als Vereinsikone Hoffnungen auf den Chefsessel machen. Dort würde er übrigens aufden alten Kumpel Thomas Häßler als Assistenztrainer treffen.

Die kürzlich geschassten Armin Veh, Christian Gross und Jens Keller werden reflexartig genannt, Letzterer mit einer FC-Vergangenheit als Spieler, zusammen mit Thomas Doll, Peter Neururer und Hans Meyer. Louis van Gaal ist zum Glück unbezahlbar, Christoph Daum in Frankfurt, Michael Frontzeck ist Gladbacher und Lothar Matthäus ein Witz.

Mein Tipp:

Falko Götz – Typ junger Trainer, arbeitslos und billig, mit annehmbaren Erfolgen in seiner Trainerlaufbahn, dazu ausgestattet mit einer FC-Vergangenheit. Bleibt der Schandfleck der Körperverletzung eines Spielers während seiner Amtszeit bei Holstein Kiel. Doch dieser Vorfall liegt knapp zwei Jahre zurück – im schnelllebigen Fußballgeschäft eine kleine Ewigkeit.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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