Home
RSS Feed

Tri-tra-trullala, der Hoeneß der ist wieder da

© Lothar Meggendorfer

© Lothar Meggendorfer

Wie aufgeregte Kinder sitzen und stehen die Journalisten am Sonntag im Presseraum an der Säbener Straße und können den Beginn der Vorstellung kaum erwarten. Mancher tippelt mit den Füßen, einer wippt mit dem Stuhl, ein paar von ihnen flüstern und kichern hysterisch.

Dann ist es endlich so weit: Der Kasperl Hoeneß mit dem roten Kopf kommt auf die Bühne, begleitet vom Wachtmeister Rummenigge und dem langweiligen Seppl Nerlinger. Aber die Kinder Journalisten sind ja ohnehin nur für den Kasperl gekommen, und sie werden nicht enttäuscht: Louis van Gaal, das böse FeierBiest, wurde vom Hof gejagt. Und Kasperl Hoeneß, bekannt für seinen Hang zu markigen Worten, denkt gar nicht daran, den gefeuerten van Gaal mit dem sonst branchenüblichen freundlich-unverbindlichen Nachruf zu verabschieden. Er wirft den Trainer nicht nur in hohem Bogen raus, sondern läuft auch noch hinterher und verpasst ihm einen letzten, verbalen Arschtritt:

„Der Spaß hat seit langer Zeit gefehlt.“

Noch Fragen? Kein Wunder, dass van Gaal entlassen wurde, wenn beim FC Bayern München, dem Spaßverein Nummer 1 in Deutschland, bei dem Freude und Vergnügen am Ballsport so viel mehr zählen als nüchterne Erfolge, der Spaß fehlte. Schließlich trägt man seit Jahrzehnten mit stolzgeschwellter Brust das vereinseigene Motto vor sich her: „Mia san mia spaßig!“

„Dass die Spieler hinter ihm standen, das ist ein Märchen.“

Es war einmal der wichtigste Mittelfeldspieler des FC Bayern München namens Bastian Schweinsteiger, der öffentlich sagte: „Die Verlängerung [meines Vertrages] war auch eine Entscheidung für den Trainer.“ Vor gar nicht allzu langer Zeit stellte sich der Kapitän Philipp Lahm vor den Spiegel (und hinter den Trainer) und sprach: „Zwischen Mannschaft und Trainer stimmt es.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, dann beteuern sie noch heute gemeinsam mit Thomas Müller: „Mit ihm verliert der FC Bayern einen großen Trainer.“ Ein schönes Märchen…und so real…

„Mit der Entscheidung, Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen, ging die Scheiße los…!!!“

Heißt übersetzt: Thomas Kraft ist ein Versager. Ein weiteres Kapitel in Hoeneß´ Lieblingsbuch: How to bash a talented young keeper! Vor Jahren rief er Michael Rensing vorschnell zur kommenden Nummer 1 im Bayerntrikot und in der deutschen Nationalmannschaft aus, nur um ihn nach einigen Patzern medienwirksam zu demontieren. Mit Thomas Kraft nun das gleiche Spiel, nur diesmal gar ohne Vorschusslorbeeren – was bleibt, ist die öffentliche Demontage. Hoeneß Entschlossenheit, Manuel Neuer für viele Millionen vom Ligakonkurrenten Schalke 04 einzukaufen, ist bekannt. Doch was passiert, wenn Neuer sich entgegen aller Prognosen doch für einen Verbleib in Gelsenkirchen ausspricht? Ein Rückgriff auf die Kraft-Reserve? Wahrscheinlich steht dieser aber dann schon im Tor des HSV und überzeugt durch herausragende Leistungen. Hätten sie sich damals bloß die Handynummer von Michael Rensing gemerkt…

Die vorzeitige Entlassung von van Gaal ist grundsätzlich nachvollziehbar: Zu groß waren die Gräben zwischen Vorstand und Trainer, zu erfolglos die laufende Saison, zu egoman der sozial inkompetente Holländer. Doch die Pressekonferenz geriet zum Kasperletheater oder besser gesagt: zur Farce. Mal wieder zeigt sich, dass die scheinbar überprofessionalisierte Welt des FC Bayern immer noch genug Raum für haarsträubenden Dilettantismus bietet. Hoeneß als Speerspitze der ulkigen Troika schlüpft auch als Präsident lieber in die Rolle des polternden Kaspers als in die des Elder Statesman. Dann schimpft er, dass die Kinder Journalisten ganz rote Ohren bekommen, ohne Rücksicht auf Spieler, Trainer, Menschen.

Was kommt danach? Am Ende steht der FC Bayern auf Platz 4 der Tabelle, sämtliche Torhüter der FCB-Jugendmannschaften haben aus Perspektivlosigkeit den Dienst quittiert, und beim Championsleague Finale 2012 in München zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund begrüßt Hans-Joachim Watzke auf der Tribüne den anwesenden Bayernpräsidenten mit den Worten: „Hauptsache, Ihr habt wieder Spaß an der Sache!“

Video der Pressekonferenz (Ausschnitt)

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

Eine Portion Senf

Wurstwasser  on April 12th, 2011

Hach ja, was für ein spaßiges Wochenende, was für eine spaßige Pressekonferenz…

Ich find die Bayern einfach gut! Ja, ein wahrer Spaßverein.
Hier wird noch auf Nachhaltigkeit gebaut.

Nein, mal im Ernst, MIR geht das Ganze schwer auf die Nerven. Im Grunde sind mir die Bayern relativ Wurscht, aber die Pressekonferenz ist derart unprofessionell, da stellen sich mir die Nackenhaare auf…

Ja, Herr Hoeneß würde sein letztes Hemd für den Verein hergeben. Er ist der FC Bayern und ich kann so manchen Fan nicht verstehen, der ihm Lügendelikte zum Thema 1860 anprangert… Wenn man zum FCB steht, sollte man auch zu Herrn Hoeneß stehen. Denn das Konzept steht seit Jahrzehnten, mit wenig Spielraum, geringen Strategiewechseln. Man kennt’s doch. So ist es, ist er halt.
Aber genau dieser Punkt, diese Starre, bringt mich zur Raserei: Dieses elitäre Gehabe… MAN.
Wie kann man einen jungen Thomas Kraft so in aller Öffentlichkeit düpieren? Einem van Gaal, der genau wegen seiner Persönlichkeit, seinem Stil auserwählt wurde, plötzlich seinen Sturkopf anprangern?
Dass ist doch genau das, was der FC Bayern will: Formvollendete Persönlichkeiten, die durch fremde Schmiede geformt und für möglichst vorzeigbare Unsummen erworben wurden. Egal auf welcher Position: Spielfeld oder Spielfeldrand.
Mir fehlt besagte Nachhaltigkeit. Alles muss jetzt und sofort sein, Millionen spielen keine Rolle.
Nehmen wir doch nochmals Dortmund – oder meinetwegen eine beliebige andere, zur Zeit aufstrebende Mannschaft:
Die spielen doch aktuell so, weil dort Spass herrscht. Eine Mannschaft gewachsen ist – und sei es über Jahre!
Ich kann doch keinen Spaß und zeitgleich Homogenität erwarten, wenn noch nicht mal etwas Zeit für einen kleinen Durchhänger erlaubt ist. Nein, es muss Erfolg her – jetzt und sofort. Ansonsten kann nämlich Altbewährtes nicht weiter gelebt werden:
KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN!!

Und noch mal kurz zurück zu Thomas Kraft bzw. Jörg Butt: Wo bitte liegt der Sinn in der Aussage, dass nur durch den Einsatz von Thomas Kraft das Gerede für einen Manuel Neuer so angeheizt wurde? Na dann ist doch jetzt alles wieder toll: Der holländische Querulant ist weg, Butt kann wieder ins Tor…. HARMONIIIIIIE… da würde selbst ein bekannter Kaffeeproduzent blass vor Neid. NEIN: Der Name Neuer muss her, aus bekannten Gründen! – Meine Ansicht…!

Thomas Kraft, bitte geh, erspare Dir die Schmach! Ein Miro Klose sollte es vormachen. Woanders sicherlich noch für an die 20 Tore gut, war er meiner Meinung nach beim FC lange nur der gute Name auf der langen Bank!

Und jetzt ein Weißbier! Servus, Prost und Amen.

Gib Deinen Senf dazu!