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Hommage an Udo Lattek (und Diana)

Schlägt man heute die Zeitung auf, dann lernt man Diana kennen. Diana steht auf Luxus, träumt vom Fliegen und würde gerne als reiche Göre wiedergeboren werden. Außerdem ist Diana, sieht man mal vom gepunkteten Slip-Socken-Ensemble ab, nicht gerade üppig bekleidet.

Um Diana kennenzulernen, muss man, um genau zu sein, die Zeitung auch nicht aufschlagen. Es reicht, sich mit der Titelseite zu beschäftigen, denn Diana ist eines jener täglich grüßenden und gleich vergessenen Seite-1-Mädchen in der BILD-Zeitung. Damit ist Diana gewissermaßen eine Ikone, Teil einer Institution, der Institution “Nacktes-Mädchen-auf-Seite-1″, die seit vielen Jahren die BILD-Zeitung prägt.

Udo Lattek ist ebenfalls eine Ikone. Als Trainer sowieso, da muss man die zahlreichen Titel gar nicht erst aufzählen. Nein, auch als Talkshowdauergast im ehemals DSF-, heute sport1-Doppelpass am Sonntagvormittag. Er ist eine Ikone, eine Institution in jener Sendung, deren Zielgruppe zu 99 % aus verkaterten Fußballjunkies besteht und der ich mich ein bisschen zu häufig zugehörig fühle. Er ist die personifizierte “Ehemaliger-Trainer-redet-viel-und-erntet-abwechselnd-Respekt-und-Mitleid”-Institution.

Natürlich fällt es auf den ersten Blick schwer, Udo Lattek mit Diana, Diana mit Udo Lattek zu vergleichen. Während Diana nicht reden, dafür aber schön aussehen soll (und diesen Job wenigstens zur Hälfte erfolgreich meistert), ist Udo Lattek im Doppelpass nur deswegen anwesend, weil er so viel redet. Das Schön-Aussehen ist seine Sache hingegen nicht. Doch eines verbindet die beiden: Sie sagen wenig!

Diana aus erwähnten Gründen der Zugeknöpftheit oberhalb und der Freizügigkeit unterhalb des Kinns, Udo Lattek aus Gründen, die niemand so richtig kennt, für die sich aber auch gar keiner interessiert. Folgender, Arndt Zeiglers wunderbaren Fußballwelt zu verdankender Videoclip liefert einen eindrucksvollen Beweis:



Mehr als 750 Sendungen beherrschte Udo Lattekt die Szenerie in der einzigen Fußball-Talkshow im deutschen Fernsehen und wachte nicht nur mit eiserner Knute über das Phrasenschwein, das seine Körperfülle allein Udos Aufmerksamkeit verdankt, sondern grätschte auch jederzeit, wann immer er wollte, jenseits der guten Erziehung und des Anstands seinen Mitdiskutanten ins Wort. Dabei ging er auch einem verbalen Schlagabtausch nie aus dem Weg:

Am 22. Mai heißt es dann: letzter Doppelpass mit Udo Lattek. Mit 76 Jahren geht er in Rente, und die hat er sich (Achtung Wortspiel!) redlich verdient. Wahrscheinlich werde ich ihn nicht vermissen, doch so manches Mal beim verkaterten Aufwachen auf dem Sofa an ihn denken. Immer dann, wenn sein ewiger Kompagnon Jörg Wontorra auf der Bildfläche erscheint und einfach nicht wieder verschwinden will.


Warum hat Lattek ihn nicht mitgenommen, werde ich denken. Den pochenden Kopfschmerz ignorierend werde ich dann die Augen schließen, langsam einschlummern, von Udo Lattek oder Diana oder beiden träumen und beim Erwachen erleichtert feststellen, dass ich den Doppelpass mal wieder verschlafen habe.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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