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Optimistischer Angsthasenfußball

Als  der Geschäftsführer des 1. FC Köln Claus Horstmann vor der Saison davon sprach, mit dem Verein  einen einstelligen Tabellenplatz anzustreben, schien diese Prognose einem gesunden Optimismus entsprungen:

“Wirtschaftlich bewegen wir uns in der Größenordnung der Plätze zehn bis zwölf. Da sehen wir auch unsere sportliche Zielsetzung, aber im Idealfall sollte es ein einstelliger Tabellenplatz sein, und das ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch möglich.” Quelle: Spox

Nach fünf Spieltagen und gerade einmal vier Punkten versuchte jüngst zwar auch Torhüter Michael Rensing Optimismus auszustrahlen, doch klang er kaum noch überzeugend:

„Wir sind eigentlich zu gut, um da unten rumzukrebsen und gegen den Abstieg zu spielen. Wir haben alle keine Lust, dass es wieder so eng wird wie im letzten Jahr.“ Quelle: Welt

© suze

© suze

Mein eigener Optimismus hingegen hat sich nach der ernüchternden Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg so ruckartig zurückgezogen wie das Fühlerauge einer Schnecke nach der kleinsten Berührung. Zu harmlos präsentiert sich das Team, zu inkonsequent, zu unmotiviert, zu disharmonisch. Der Trainer wirkt nach wie vor wie ein transplantiertes Fremdorgan, das vom Team abgestoßen wird. In vielen Momenten spürt man zwar das Bemühen der Spieler, die Philosophie des norwegischen Coaches umzusetzen, doch nur, um sofort im Anschluss Ratlosigkeit und Verunsicherung zu fühlen. Die Mannschaft wirkt orientierungslos, frustriert, überfordert.

Der Trainer gibt den Spielern keinen Halt. Die Spieler selbst wirken verstimmt, mit wenig Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Niemand übernimmt die Führung – auch eine Folge der leidigen Kapitänsdiskussion im Vorfeld der Saison.

Hält man sich den Spielplan vor Augen, dann könnte man es mit der Angst zu tun bekommen. Bislang hatte man mit Schalke 04 nur einen Gegner aus den Top Five der Tabelle und von den sechs letztplatzierten Mannschaften im Tabellenkeller spielte man bereits gegen Wolfsburg, Kaiserslautern und den HSV, mit einer mageren Ausbeute von vier Punkten. Nur die unmittelbaren Tabellennachbarn Freiburg und Augsburg scheinen in der jetzigen Form noch schlagbar.

Was bleibt, ist der fast verzweifelte Optimismus, dass sich bald alles zum Besseren wendet. Denn wie heißt es in Oscar Wildes “Das Bildnis des Dorian Gray”:

“Die Grundlage des Optimismus ist blanke Angst”.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

7 Portionen Senf

dary  on September 15th, 2011

Naja, ob die Kapitänsdiskussion Grund dafür ist, dass keiner die Führung übernehmen will, sei mal dahin gestellt. Das weiss man einfach nicht. Ich habe mir eigentlich schon gedacht, dass der Effzeh nicht gut starten wird, aber ich bin trotzdem optimistisch, weil Stole ein guter Trainer ist. Und Angst ist bei mir bestimmt keine Grundlage für Optimismus!

Lächerlich  on September 15th, 2011

so ein müll verstopft nur das internet.

kritisiert, dass sich die mannschaft nicht grün ist (was nicht stimmt!) und kritisiert gleichzeitig, dass niemand führung übernimmt. schlecht, schlechter, deiser blog

Hennes  on September 15th, 2011

@Lächerlich: Ach wunderbar, ich freue mich immer über konstruktive Kritik und eine argumentativ erhellende Diskussion. Dann will ich mal ebenso stringent antworten:
Doooch, stimmt trotzdem, nämlich darum…gar nicht schlecht, gar nicht wahr!

@dary: In meinen Augen hatte die Mannschaft unter F. Schaefer eine gesunde Hierarchie gefunden. Solbakken hat diese – wenn auch nicht zerstört – so zumindest durch seine Kapitänsaktion ohne Not in Frage gestellt. Ich will ja gar nicht eindimensional darauf hinaus, dass Podolski deswegen schlechter spielt. Aber so eine Aktion birgt einfach immer viele Unbekannte. Wie reagiert der abgesetzte Spieler? Kann der berufene Spieler mit der erhöhten Aufmerksamkeit umgehen? Fühlen sich andere Spieler übergangen (Novakovic)? Momentan scheint sich der Wechsel jedenfalls nicht auszuzahlen…

Auf mich wirkt das Team verunsichert. Das von Solbakken gewünschte System blitzt zwar phasenweise auf, verleiht dem Team aber längst noch keine Stabilität. Manchmal schaffen es Teams, sich selbst zu stabilisieren, meist getragen von erfahrenen Führungsspielern. Das ist in Köln (noch) nicht der Fall.

Mag sein, dass der Teamspirit generell intakt ist. Dass aber beispielsweise Rensing auch öffentlich massiv Kritik an Chihi übt, zeigt, wie fragil diese “Harmonie” momentan ist.

Mir macht, wie erwähnt, einfach der Blick auf den Spielplan Angst. Ich kann mir jedenfalls nur schwer vorstellen, dass die Mannschaft in ihrer derzeitigen Verfassung den Teams aus der oberen Tabellenhälfte Paroli bieten kann.
Hoffen wir mal…

Alex  on September 15th, 2011

Mir geht die ganze Schwarzmalerei auf den Keks. Der FC hat diese Saison bisher nur ein gutes Spiel gegen Kaiserslautern gezeigt, welches sie mit mindestens 2 Toren gewinnen müssten. Ansonsten wurde Stückwerk abgeliefert, aber man muss dem Trainer und dem Team einfach mal Zeit geben.
Wenn der Express wieder vom “Endspiel” nach 3 Spieltagen spricht ist das einfach unangebradcht. Beim FC will man viel verändern das braucht Zeit. Die Mannschaft hat das Potential einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, ich hoffe Solbakken findet einen Weg dieses Abzurufen. Und zur “Harmonie” möchte ich noch sagen, dass REibung Wärme erzeugt (ich glaube das sagte mal Hoeneß). Es ist ein gutes Zeichen, wenn man auch mal aneinander gerät und sich wie Rensing und Chihi nach dem Spiel wieder versöhnen. Das ist Leben drin. Ich wünsche mir, dass endlich mal beim Fc dem Trainer und der Mannschaft die Zeit und die Ruhe gegeben wird, die sie brauchen.

Hennes  on September 15th, 2011

@Alex: Zeit, Ruhe, Geduld…gerne, gerne. Ein angesichts der hysterischen Medienlandschaft in Köln allerdings frommer Wunsch.

Dennoch muss ich erwarten können, dass man schon zu Saisonbeginn mit Teams auf Augenhöhe mithalten kann. Nie war es einfacher, den zerstrittenen VfL Wolfsburg zu schlagen als am 1. Spieltag. Aber man verliert zu Hause mit 0:3. Der 1.FCK spielt wie ein Absteiger – da müssen drei Punkte her.

Und diesen Vorwurf muss sich Stolbakken dann auch gefallen lassen. Neuer Trainer, neues System, das braucht Zeit. Aber dann muss man vielleicht auch mal einen Plan B in der Hand halten. Das Team in den ersten Spielen im alten System aufs Feld schicken. Den Übergang fließender gestalten.

Ich erinnere an die Spieler, die zu Saisonbeginn äußerten, sie verstünden noch nicht, was der Trainer von ihnen verlange…das kann in der Bundesliga, in der es letztlich auf jeden Punkt ankommt, nicht funktionieren – und darf auch nicht passieren.

Aber ich bin ja auch gegen Schwarzmalerei. Letztlich kann’s nur besser werden und wir wissen alle, dass das Team unter Druck bislang immer einen Ausweg fand! Dennoch bin ich einfach enttäuscht von den bisherigen Darbietungen!

Maks  on September 15th, 2011

Hmm, der Trainer wirkt wie ein Fremdorgan, das von der Mannschaft abgestoßen wird? Nette Metapher, aber wodran machst du das fest, an Solbakkens System, dass angeblich nicht umgesetzt wird? Weißt du denn genau, wie dieses System aussieht, wie es funktioniert, bzw. funktionieren soll? Wenn ja, fänd ich es gut, wenn du mir das mal erklärst, wo es hapert, was noch nicht rund läuft… Denn obwohl ich mittlerweile zig Artikel darüber gelesen habe, hat noch keiner detailliert aufgezeigt, was das “System Solbakken” denn genau ist. Und ihn selber lässt auch niemand ausführlich zu Wort kommen. So zumindest mein Eindruck, über Hinweise auf hilfreiche Analysen würde ich mich freuen.

Andererseits, und das ist mein Punkt, glaube ich, dass die Spieler sehr wohl wissen, was sie zu tun haben, dass sie es vielleicht noch nicht 100% verinnerlicht haben, ist ja auch kein Wunder…
Ich weiß nicht genau, was du hier genau kritisieren möchtest: Solbakken, sein System, die Spieler oder gleich alles? Der FC hat ein schlechtes Spiel abgeliefert und verloren, Nürnberg war phasenweise klar besser, eingespielter eben, aber wenn das 2:2 fällt, und die ein oder andere Chance war ja doch da, sähe wahrscheinlich auch dieser Blog ganz anders aus…

Hennes  on September 15th, 2011

@Maks: Ob ein glückliches 2:2 gegen Nürnberg allein ausgereicht hätte, um wieder alles durch die beschönigende rot-weiße Brille zu sehen, wage ich zu bezweifeln. Ich möchte hier auch keine Generalkritik üben, sondern lediglich meiner Besorgnis Ausdruck verleihen, dass diese Saison – anders als erwartet – mal wieder eine vom Abstiegskampf geprägte Spielzeit zu werden droht.

Über die taktischen Hintergründe des “Systems Solbakken” habe ich mich absichtlich ausgeschwiegen, das haben andere schon sehr viel besser beschrieben. Ich empfehle hier vor allem den DVD Fußballtrainer: http://www.dvdfussballtrainer.de/2990-das-spielsystem-von-stale-solbakken.html
Die Videos, die wiederholt zur Sprache kommen, wurden im FC-Trainingslager gedreht und sind via YouTube verfügbar.

Zudem bekommt man bei ZonalMarking gute Einblicke in die Taktik des FC Kopenhagen unter Solbakken, z.B. hier: http://www.zonalmarking.net/2011/02/23/copenhagen-0-2-chelsea-4-4-2-v-4-4-2/

Ich widerspreche Dir ganz klar in Deiner Einschätzung, der FC habe EIN schlechtes Spiel abgeliefert. Gegen den FCK und den HSV hat die Mannschaft solide gespielt, der Rest war nicht gut! Das kann man ignorieren, das kann man rechtfertigen, das kann man schönreden, das kann man aber auch bedauern und kritisch anmerken, wie hier geschehen.

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