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Always change a winning team!

Wie in jeder Saison so tippe ich auch in der aktuellen Spielzeit bei einer Bundesligatipprunde mit. Seit wenigen Monaten weiß die Plattform meiner Tippliste – www.kicktipp.de – mit einigen interessanten, auf den individuellen Tipper heruntergebrochenen Statistiken aufzuwarten. Dort lässt sich beispielsweise erkennen, dass ich bei Tipps auf Partien, bei denen der 1. FC Köln beteiligt war, genauso viele Punkte gewinnen konnte, wie bei jenen Matches, bei denen der FC Bayern München mitmachte. Das erstaunt! Schließlich überzeugte der eine Verein mit großer Beständigkeit und fuhr Sieg um Sieg ein, während der andere Club gerade in der Unbeständigkeit Konstanz bewies.

Doch vielleicht ist genau das des Rätsels Lösung: Als langjähriger Wegbegleiter des 1. FC Köln weiß ich inzwischen, dass auf seine Unbeständigkeit Verlass ist, dass die extremen Formschwankungen innerhalb einer Saison zur Normalität gehören, und dass es mal rauf, mal runter geht, mal hoch auf den Qualitätsgipfel und mal nach unten ins Niveautal, aber niemals gibt es ein Verharren auf Normalnull.

Auch in der aktuellen Saison ließ sich mit einer Prognose auf den FC-Zickzackkurs kräftig punkten. Der Saisonstart verlief schlecht, die Mannschaft stand schon nach drei Spieltagen enorm unter Druck. Am vierten Spieltag errang sie dennoch in Hamburg einen 4:3-Sieg beim HSV, nach einem 3:2-Rückstand. Wer jetzt gedacht hatte, mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken ließe sich auch zu Hause gegen Nürnberg punkten, sah sich am folgenden Wochenende getäuscht; man verlor zu Hause 1:2. Wieder stand die Mannschaft unter Druck, wieder folgte die Reaktion, mit einem herausragenden 4:1 in Leverkusen. Gegen Hoffenheim gelang dann – ungewöhnlich genug – der zweite Sieg in Folge. Plötzlich lud die Tabelle wieder zum Träumen ein:

Noch ein Sieg, und man würde an die Tür der erweiterten Spitzengruppe klopfen. Noch ein weiterer Erfolg, und man könnte den Abstiegskampf vielleicht für ein paar Wochen hinter sich lassen. Was kam? Ein desaströser Auftritt gegen Berlin und eine 0:3-Niederlage. Im Anschluss an den folgenden Hannover-Sieg das gleiche Spiel. Mit einem Erfolg in Dortmund – vermessen genug – könnte man mit dem Deutschen Meister punktemäßig gleichziehen, sich im oberen Mittelfeld etablieren. Was kam? Ein albtraumhaftes Desaster, 86 Minuten ohne Torschuss, ein 0:5 gegen den BVB.

Wer nun behauptet, die Kölner Mannschaft habe keinen wankelmütigen Charakter, dem ist nicht zu helfen. Doch worin liegt die Unbeständigkeit begründet, und mehr noch, was kann man dagegen tun? Trainer Solbakken selbst hat das Problem zwar erkannt, wirkt angesichts des repetitiven Charakters von Triumph und Blamage allerdings ratlos:

Es heißt: Köln kann jeden schlagen, aber auch solche Spiele abliefern – das ist hier normal. Aber das darf nicht normal sein! Quelle: Kicker.de

Vielleicht sollte er nach Siegen einfach die gesamte Startelf austauschen. Leider hat Köln momentan ein überbordendes Verletzungspech, so dass dieser nicht ganz ernstgemeinte Vorschlag gar nicht umzusetzen wäre.

Aber was geht in den Köpfen der Kölner Spieler vor, sobald ein Post-Sieg-Match ansteht? Ist es übetriebene Lässigkeit, nach dem Motto “Wer zu Hause gegen Hannover gewinnt, schafft den Sieg auswärts beim Deutschen Meister locker und mit links!”? Ist es zufriedene Genügsamkeit im Sinne von “Solange wir nicht auf Platz 17 der Tabelle stehen, ist doch alles in Butter!”? Ist es mangelnder Ehrgeiz à la “Erfolg wird überschätzt – kommt er heute nicht, kommt er morgen!”?

Die Mannschaft, so viel steht für mich jedenfalls fest, hat ein massives mentales Problem. Wer sich gegen Berlin nach drei Toren in der ersten Halbzeit aufgibt, danach Besserung verspricht und schon im übernächsten Spiel das gleiche Phlegma, die gleiche depressive Gleichgültigkeit an den Tag legt, der gehört zumindest ordentlich durchgeschüttelt.

Ich hatte für die zweite Pokalrunde übrigens auf Hoffenheim gesetzt – entgegen Kölns Auf-und-ab-Serie. Das liegt aber mehr an Hoffenheims Trainer Stanislawksi, dem ich so viel Sachverstand zutraue, dass er nicht innerhalb kürzester Zeit zweimal gegen dasselbe Team verliert. Die meisten Punkte in dieser Saison habe ich bislang übrigens mit meinen Tipps auf Hoffenheim gewonnen.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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