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Der kategorische Kader

Erst kürzlich wurden wir Zeuge einer Presseoffensive von Matthias Sammer, Sportdirektor des DFB, der sowohl dem Magazin 11 Freunde als auch der Süddeutschen Zeitung ein langes Interview gab. Darin lässt er die Öffentlichkeit wie selten zuvor an seiner Arbeit teilhaben und erklärt, dass er unter anderem die Nationalelf einer strengen Kategorisierung unterzogen habe:

Auch deshalb arbeiten wir im DFB-Nachwuchsbereich seit 2008 mit festen Kategorisierungen. Wir unterscheiden in Führungsspieler, Teamspieler und Individualisten. (Quelle: SZ, 15.10.2011)

Eigentlich sollen solche Interviews ja den Zweck erfüllen, Fragen zu beantworten und Unklarheiten aus der Welt zu räumen. Nachdem ich jedoch über die in beiden Medien ausgebreitete Methode der Kategorisierung gestolpert war, verspürte ich nicht nur den Drang, die Einteilung in die drei Kategorien zu konkretisieren und zu visualisieren (und Euch daran teilhaben zu lassen), sondern mir stellten sich plötzlich weit mehr Fragen als zuvor:

Fuehrungsspieler

Gibt es eine Obergrenze in den jeweiligen Kategorien, darf also jeweils nur eine spezifische Anzahl an Führungsspielern, Teamspielern und Individualisten in der Nationalelf mitspielen? Was passiert, wenn sich ein Teamspieler oder ein Individualist zum Führungsspieler entwickelt – muss dann ein altgedienter Führungsspieler weichen? Wurden Thorsten Frings und Michael Ballack am Ende Opfer dieser Obergrenze?

Kann ein Spieler in mehrere Kategorien gleichzeitig einsortiert werden? Was passiert also, wenn der Individualist Mesut Özil zum Führungsspieler wird? Darf er dann nicht mehr dribbeln? Wäre Bastian Schweinsteiger im offensiven rechten Mittelfeld eher Individualist oder wie jetzt Führungsspieler? Oder doch beides?

IndividualistenKann ein Führungsspieler seinen Führungsanspruch einbüßen und zum Teamplayer zurückgestuft werden? Ist Miro Klose bei der WM 2014 noch Führungsspieler, auch wenn er nur auf der Auswechselbank sitzt? Oder Teamspieler? Oder Individualist? Oder Wasserträger? Oder Maskottchen?

Teamspieler

Steht das Etikett „Führungsspieler“ immer zwangsläufig am Ende einer Entwicklung oder kann man auch einfach so, a priori sozusagen, Führungsspieler sein? Lässt sich also bei Bedarf einfach ein Vereinsführungsspieler (zum Beispiel Heiko Butcher vom SC Freiburg) in die Nationalmannschaft berufen, damit er dort den Führungsspieler mimt? Oder sind Debütanten stets dazu verdammt, als Individualisten oder Teamspieler zu beginnen?

Dürfen nur Führungsspieler Elfmeter schießen? Haben Individualisten größere taktische Freiheiten? Ist “Teamspieler” eigentlich ein Euphemismus für “Mitläufer”? Ist Messi deswegen so stark, weil er die kategorische Dreifaltigkeit darstellt? Ist das alles nur Unsinn?

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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