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Ladenhüter Torhüter

© Gertrud K.

© Gertrud K.

Die beste Fußballliga der Welt trägt ihre Spiele in den Stadien Englands aus. Da ist man sich von Trondheim bis Lissabon, von Brest bis Warschau weitgehend einig. Vereinzelte Widersprüche hört man höchstens aus Madrid und Barcelona, auch aus München gibt es Widerworte, und in Glasgow ist man sowieso ganz anderer Meinung, aber nur, weil die Engländer totale Knallköppe sind!

Wer nun erwartet, bei einem Spiel in England auch die besten Spieler der Welt zu sehen, dürfte ja eigentlich so falsch nicht liegen, da die Gleichung beste Liga = beste Spieler selbst bei intensivster Betrachtung ziemlich logisch erscheint. Natürlich heben auch hier die üblichen Verdächtigen aus Madrid, Barcelona, München und sogar aus Mailand empört das Zeigefingerchen und kloppen demonstrativ aufs eigene Mannschaftsfoto, als säßen ganze Schmeißfliegenkolonien auf den mit Photoshop aufgehübschten Spielerporträts. Doch im Großen und Ganzen scheint die Gleichung dann doch ihre Gültigkeit zu besitzen.

Schaut man sich aber nun ein Spiel aus der besten Liga der Welt an und bestaunt auf dem Rasen die Kabinettstückchen der besten Spieler der Welt, dann passiert es nicht selten, dass dem Tempo der Ballstafetten, der Wucht der Zweikämpfe, der taktischen Raffinesse der Spielsysteme und den effetreichen Verzwirbelungen der Schüsse ein Tor folgt, das nur dank der grotesk clownesken Verrenkung des Torhüters fallen konnte. BAMM! Der Hammer der Erkenntnis klatscht einem schallend in Gesicht und hinterlässt Spuren der epiphanischen Überraschung: Wie kann es sein, dass kein deutscher Torwart sein Geld auf der Insel verdient? Habt ihr Engländer noch alle Latten am Zaun?

Da geben die Clubs der Premier League aberwitzige, dagobertöse Millionensummen für Feldspieler aus und vergessen im bunten Spielermarkt auch mal am Regal für Toreverhinderer, Flankenfänger und Winkelverkürzer vorbeizuschlendern. Sieht man vom ewigen Helden Bert Trautmann, vom Exzentriker „Mad Jens“ Lehmann und von Flamenco-Bärtchen Heinz Müller ab, dann haben englische Scouts bislang einen großen Bogen um Torhüter ausgerechnet aus jenem Land gemacht, das seinen Nationaltorwart mit dem Attribut „Weltklasse“ nicht übertrieben verehrt, sondern lediglich nüchtern beschreibt.

Dabei wäre es so einfach: Statt einer teuren Scouting-Reise müsste man nur mal an einem gewöhnlichen Wochenende die Übertragung der ersten und zweiten deutschen Liga verfolgen, und schon würde jeder Laie erkennen, dass die Trapps und Baumanns, die Eilhoffs und ter Stegens, die Grüns und Wieses, die Fromlowitze und Zielers, die Adlers und Lenos, allesamt nicht nur weit abschlagen, grazil fliegen, passabel passen, punktgenau abwerfen, prima fausten, schnell rauslaufen und rotzig in die Handschuhe spucken können, sondern sich auch noch exzellent darauf verstehen, den lästigen Gegenspielern das Toreschießen zu verleiden. Auch die Herren Kessler, Sippel oder Hildebrand hätten das Zeug zum soliden Mauerkopf im Tor, wenn man sie denn mauern ließe. Doch während sich die Spitzenvereine aus Manchester und London mit gigantischen Summen um die Verpflichtung von Mario Götze balgen, können die Torhüter weitgehend unbehelligt ihrem verlässlichen Tagwerk nachgehen.

Wo liegt der Grund für die Angst des Engländers vor dem Torwart? Ist der Mann zwischen den Pfosten im Mutterland des Elfmeterdebakels zur Projektionsfläche für alles Abscheuliche im Fußball geworden? Ist das 0:0 des Engländers größter Albtraum?

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

2 Portionen Senf

Alfred  on October 19th, 2011

Die englische Premier League ist vielleicht die teuerste Liga der Welt zur Zeit, aber die beste und spannenste ist die erste Deutsche Bundesliga.

Hennes  on October 20th, 2011

Da gebe ich Dir recht. Die deutsche Liga ist in der Regel viel spannender als andere europäische Ligen. Leider sieht es in der aktuellen Saison anders aus…die lästigen Bayern spielen einfach zu stabil!

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