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Die Hand Gottes und ihre Jünger

Gestern blieb ich beim gelangweilten Spaziergang durch die TV-Kanäle wie so häufig auf Sport1 stehen. Denn Fernsehen ist zwar blöd, langweilig und dumm, aber Sport geht immer. Es sei denn, man stolpert, wie gestern geschehen, über die Spieltagssanalyse mit Thomas Helmer, Thomas Strunz und Peter Neururer, dann hat man Pech gehabt – denn die ist auch blöd, langweilig und dumm.

Peter Neururer überraschte jedoch in den drei Minuten meines Verweilens mit einem radikal-revolutionären Konzept zur Änderung der Handspielregel. Nach seiner Meinung sind Regeln, die einen Interpretationsspielraum zulassen, schlechte Regeln. Das mag im ersten Hörgang sinnvoll klingen, insbesondere vor dem Hintergrund der vieldiskutierten Passiv-Abseits-Regel, ist aber bei gedanklicher Umwälzung ziemlicher Unfug. Denn zieht man in Betracht, dass der Schiedsrichter bei fast jeder strittigen Spielsituation auf seine subjektive Auslegung des Geschehens angewiesen ist, so erkennt man rasch, dass duale Schwarz-Weiß-Regeln im Fußball kaum existieren.

Doch das Weltbild des Peter Neururer ist keines von Grautönen, Schattierungen und Verfärbungen durchzogenes Konstrukt realer Kompromisse, Zwischentöne und Unsicherheiten, sondern klar strukturiert, einfach definiert, unterteilt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß, Fußball oder Handball.

So schlug er gestern vor, die Handspielregel zu ändern, da die aktuell gültige Regel – wir erinnern uns – Interpretationsspielraum lasse:

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem
Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der
Situation auf
 die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
 die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel),
 die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen.),
 das Berühren des Balls durch einen Gegenstand in der Hand des Spielers
(Kleidung, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt,
 das Treffen des Balls durch einen geworfenen Gegenstand (Schuh, Schien -
bein schoner usw.), was ein Vergehen darstellt.

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf:

  • die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
  • die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel),
  • die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen.),
  • das Berühren des Balls durch einen Gegenstand in der Hand des Spielers (Kleidung, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt,
  • das Treffen des Balls durch einen geworfenen Gegenstand (Schuh, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt. (DFB-Fußballregeln, Regel 12)


Peter Neururer stößt sich vor allem an der seiner Meinung nach überflüssigen Notwendigkeit, dem Spieler ein absichtliches Fehlverhalten, also ein beabsichtigtes Armwedeln, Händeschütteln, Fingerkraxeln nachzuweisen, bevor ein Schiedsrichterpfiff ertönt. Ginge es nach ihm, wäre die Handspielregel sehr viel kürzer und sehr viel klarer:

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm berührt. (Peter Neururer, sinngemäß und abgewandelt)

Lieber Peter, Kürze und Klarheit schützen vor Dummheit nicht. “Ausländer raus”, “Frauen an den Herd”, “Geiz ist geil” – alles Parolen, die kurz und knapp sind, jeder versteht sie, und trotzdem sind sie der reinste Unfug.

Man stelle sich das zukünftige wilde Umeinandergeballere in Deutschlands Strafräumen bloß mal bildlich vor. Jeder motorisch minderbemittelte Klumpfuß versuchte, seinem Gegner aus kürzester Distanz gegen den Arm zu schießen, auf dass der Schiri einen Strafstoß verhänge. Freistoßmauern würden nur noch mit hinter dem Rücken verschränkten Händen gebaut, und die Spieler wären den Gewaltschützen hilflos ausgeliefert. Kopfballduelle würden ohne Armeinsatz bestritten und erinnerten stark an kollektiven Choreographien von “Lord of the Dance”. Etwa so…

 

 

Oder so:

 

 

Das Spiel würde jedenfalls seinen Charakter ändern…und die Spieltagsanalyse eine Menge Diskussionsstoff verlieren.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

2 Portionen Senf

Wurstwasser  on November 2nd, 2011

Einfach nur mal wieder ein großartiger, geistiger Erguss! Wenn ich nicht auf der Arbeit wäre, würde ich weiter ausholen, so müssen diese kurzen Zeilen der Anerkennung ausreichen!!

Hennes  on November 3rd, 2011

Vielen Dank! Freue mich schon auf eine neue Runde “weiter ausholen”!

Gib Deinen Senf dazu!