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Der linke Finke?

© Hennes

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Würde man die Bundesliga mit einem Orchester vergleichen, in dem die 18 Erstligavereine jeweils ein Instrument spielten, dann wäre die Rolle für den 1.FC Köln ziemlich eindeutig. In letzter Reihe stünde er an der Pauke und würde, zwar nur vereinzelt und recht sparsam, dafür aber mit Inbrunst, Leidenschaft und einer vom Dirigenten angezeigten Regelmäßigkeit auf sein Instrument schlagen, dass es eine helle Freude wäre.

Einen dieser Paukenschläge konnten wir mal wieder am Samstag hören, nur wenige Stunden nach dem siegreichen Heimspiel gegen Abstiegskonkurrent Berlin. Volker Finke ist ab sofort nicht mehr Sportchef des 1. FC Köln; man hat sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Mit den Gründen für die vorzeitige Vertragsauflösung wollte – branchenüblich – mal wieder niemand rausrücken.  Von unterschiedlichen Meinungen über die sportliche Ausrichtung des Vereins ist da die Rede – was immer das auch heißen mag.

Vielerorts wird spekuliert, Finke sei letztlich über sein eigenes Ego gestolpert. Zu sehr habe er den erfolgreichen Ex-Trainer heraushängen lassen, sich in die tägliche Trainingsarbeit eingemischt und damit die Autorität der Trainer Schaefer und Solbakken untergraben. Finke selbst sagte auf der Pressekonferenz am Sonntag:

„Ich bitte Sie, mich zu respektieren, wenn ich wie die drei Affen nichts höre, nichts sehe und nichts sagen werde.“ (ksta, 12.03.2012)

Fest steht jedenfalls, dass Stale Solbakken als Sieger aus dem seit Wochen hintergründig schwelenden Machtkampf mit dem Sportdirektor hervorgeht. Immer wieder waren Solbakken und Finke aneinandergeraten und anders als Schaefer hat sich der Norweger nicht zurückgezogen, sondern den Kampf angenommen, sich immer wieder öffentlich kritisch über seinen Sportdirektor geäußert und schließlich die Trumpfkarte ausgespielt: sein außerordentlich gutes Verhältnis zur Mannschaft. Immer wieder hatten sich die Spieler öffentlich – auch ungefragt – für den Trainer ausgesprochen. Lukas Podolski pflegt eine innige Beziehung zu seinem Coach. Nach Toren suchen die erfolgreichen Schützen häufig, wie am Samstag, medienwirksam den direkten Weg zur Seitenlinie.

Volker Finke wurde dagegen zunehmend als Stinkstiefel im Hintergrund wahrgenommen. Der von Stolbakken ungewollte Transfer Chong Teses blieb an Finke haften und sein oberlehrerhaftes Auftreten soll intern nicht gut angekommen sein.

Was auch immer die wahren Gründe hinter Finkes Demission sind, der Club hat damit einen Fehler korrigiert, der ihn bis weit in die Zukunft hätte belasten können. Schon nach Schaefers Demontage wurde rasch klar, dass mit Finke nun jedem FC-Trainer ein starker Sportchef im Nacken sitzt, der mit seiner eigenen Trainerkompetenz nicht geizt und zur Not den Job auf der Bank auch selbst erledigen kann. Kein gestandener Coach hätte sich zukünftig freiwillig unter das Damoklesschwert Finke gestellt. Das Konstrukt mit Finke als Sportchef hatte als Idee seinen Charme, als reale Struktur aber keine Zukunft.

Was die Trennung nun für die langfristige sportliche Perspektive des Vereins heißt, vermag ich an dieser Stelle nicht zu bewerten. Einerseits wird gemunkelt, Finke hätte dank seiner Freiburger Vergangenheit (mit Jugendleistungszentrum) zukünftig gerne verstärkt auf junge, deutsche Spieler gesetzt. An anderer Stelle heißt es wiederum, die Mannschaft hätte mit Finke in zwei Jahren womöglich nur noch aus Georgiern, Togolesen und Japanern bestanden.

Die nahe sportliche Zukunft des Teams ist ebenso ungewiss. Fest steht, dass Solbakken gestärkt aus dem Zwist hervorgeht und  - solange er nicht absteigt – auch in den nächsten Saison an der Seitenlinie stehen dürfte. Ich persönlich war zuletzt kein Freund des Norwegers. Das Team erschien mir manchmal unverständlich unmotiviert, das taktische System ungeeignet für den FC. Solbakkens Auswechslungen trieben einen häufig an den Rand der Verzweiflung; hinzu kommt die häufig kolportierte Randnotiz, dass der Coach das regelmäßige Training auf ein Mindestmaß reduziere, was sich leider nur allzu häufig mit der luftleeren und kraftlosen Vorstellung des Teams in den letzten zwanzig Minuten einer Partie deckt.

Um das eingangs skizzierte Bild wieder aufzugreifen: Hoffen wir, dass der 1. FC Köln noch lange im Konzert der 18 Erstligisten mitspielen darf; wenn schon nicht die erste Geige, dann wenigstens die Pauke!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

6 Portionen Senf

Pohli  on March 14th, 2012

Schöne Metapher zu Beginn.

Finke wirkte aus der Ferne nicht so Recht integriert und sehr erhaben. Korrigiere mich, wenn dies täuschte.

Ich hoffe nur für euch, dass sich die Vereinsleitung über diesen Schlussstrich im Klaren ist und einen entsprechenden, mittelfristigen Plan im Ärmel hat. So recht kann ich es jedoch nicht glauben…

Auch in Zukunft werde ich aus dem Norden immer mal gespannt zum FC rüberschielen, was man sich dort selbst für Probleme bereitet.

Hennes  on March 15th, 2012

“Ich hoffe nur für euch, dass sich die Vereinsleitung über diesen Schlussstrich im Klaren ist und einen entsprechenden, mittelfristigen Plan im Ärmel hat. So recht kann ich es jedoch nicht glauben…”

Ach, als ob es in Köln jemals einen Plan B gegeben hätte. Mit Deiner Beobachtung, dass Finke immer ein wenig außen vor war, hast Du durchaus recht; auch wenn ich nicht verstehe, warum er sich so schnell mit seinem Wunschkandidaten Solbakken entzweit hat. Spürt man nicht schon in einem ersten Gespräch, ob das Verhältnis zum Guten oder zum Schlechten tendiert?!

heinzkamke  on March 16th, 2012

Ich hoffe ja auf eine Serie, in der das gesamte Orchester vorgestellt wird …

Hennes  on March 16th, 2012

@heinzkamke: Ein in der Tat spannendes und wohlklingendes Projekt…welches Instrument schwebt Dir für den VfB vor? Das Fagott? Ist im Orchester immer mit dabei, auch wenn man sich fragt, warum?

;-)

Nein, entschuldige, das war boshaft! Wie wäre es mit dem Horn? Erst zurückhaltend und nur im Hintergrund hörbar, im zweiten Teil des Konzerts aber immer stärker in den Vordergrund drängend und das Thema tragend?!

heinzkamke  on March 16th, 2012

Ich bin leider völlig unbeleckt, was die einzelnen Instrumente und deren Rolle im Orchester anbelangt, sodass mir Vergleiche schwer fallen.

Irgendwas Preiswertes, würde ich aber sagen, dessen Erwerb auf keinen Fall eine Kreditaufnahme erfordert.

Hennes  on March 16th, 2012

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