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Fünf Minuten Ruhm

© Produnis/Wikipedia

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Lewan Kobiaschwili fällt selten auf, sowohl auf als auch neben dem Platz. In der Hauptstadt Berlin gibt es mit Patrick Ebert, Raffael oder jüngst dem Trainer-Urgestein Otto Rehagel schillernde Figuren, die sich den Platz im Fokus der Öffentlichkeit gegenseitig streitig machen. Kobiaschwili sucht man dort vergebens. Auf dem Rasen ist es selten anders; der Georgier drückt einem Spiel selten seinen Stempel auf. Sein Spielstil ist nicht von spektakulären Dribblings oder wagemutigen Pässen geprägt, sondern besticht vielmehr durch zuverlässige Solidität, durch unaufgeregte Balance, durch an Langeweile grenzende Durchschnittlichkeit.

Doch Kobiaschwili ist immer da, spielt immer mit, sitzt kaum auf der Bank und wird noch seltener ausgewechselt. Bei jedem Verein, der ihn seit seiner Ankunft in Deutschland 1998 bislang in der Bundesliga engagierte, setze er sich schnell als Stammspieler durch und fehlte danach nur noch selten.

Beim SC Freiburg begann seine Karriere in Deutschland, die ihn später zu Schalke 04 und zahlreichen Beinahe-Titeln führte. Vize-Meister 2005 und 2007, Vize-Pokalsieger, dazu Teilnahme am UEFA-Cup-Halbfinale und am Viertelfinale der Champions League. Lediglich den Liga-Pokal konnte er bislang siegreich in die Höhe recken. Erst in seiner letzten Schalker Phase verlor der in Tiflis geborene 34-jährige seinen Platz in der Startelf und wechselte schließlich zu Hertha BSC Berlin.

Dort etablierte er sich, wie sollte es anders sein, rasch als Stammkraft, stieg mit den Berlinern in die erste Bundesliga auf und läuft nun, nach Otto Rehagels Ankunft, als Kapitän der Hauptstädter auf.

Mit nun insgesamt 330 Bundesligapatien ist er nun noch sechs Spiele von einem Rekord entfernt, der ihn endlich mal vom Durchschnitt an die Spitze erheben wird: Spielt er die Saison zu Ende, dann ist er der Ausländer mit den meisten Einsätzen in der Bundesligageschichte. Noch führt Zé Roberto mit 336 Einsätzen das Feld an, dürfte aber spätestens zum Ende der aktuellen Saison vom Georgier überholt werden.

Die nächste Partie wird ihm allerdings in seiner Sammlung fehlen. Gestern stand er in der Begegnung mit dem 1. FC Köln ausnahmsweise einmal im Mittelpunkt. Erst wurde er von Mato Jajalo rotwürdig gefoult, dann holte er sich selbst die gelb-rote Karte ab. Nicht, ohne zuvor mit Lukas Podolski in den Clinch zu geraten, eine außerordentlich teilnehmerfreudige Rudelbildung auszulösen und schließlich den Schiedsrichter dazu zu veranlassen, Podolski unberechtigterweise des Feldes zu verweisen. Ein denkwürdiger Auftritt des Georgiers.

An seiner persönlichen Rekordjagd ändert das freilich wenig. Dennoch könnte es passieren, dass der Ruhm als Rekordträger nur kurze Zeit währt. Claudio Pizarro hat lediglich fünf Partien weniger bestritten als Kobiaschwili. Wenn er Pech hat, dann bleibt ihm bald wieder nur der zweite Platz…

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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