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Next Exit London

© Anirudh Koul/flickr

© Anirudh Koul/flickr

Tomas Rosicky, Robin van Persie, Theo Walcott oder Mato Jajalo, Milivoje Novakovic und Kevin Pezzoni – vor diese Wahl gestellt, würde kein zurechnungsfähiger Fußballer zögern, um die Erstgenannten als Mitspieler im eigenen Team zu wählen. Dass sich Lukas Podolski trotz seiner Liebe zur kölschen Heimat anders verhalten könnte, wird von Spiel zu Spiel (besser gesagt: von Niederlage zu Niederlage) des 1. FC Köln immer unwahrscheinlicher.

Wer am vergangenen Samstag im Stadion war, um sich die klare 0:2-Niederlage gegen den Nachbarn aus Leverkusen anzusehen, kann Podolski nur zu gut verstehen. Der Auftritt des 1. FC Köln, bei dem der eben erst genesene und noch sichtlich angeschlagene Podolski als symbolischer Hoffnungsträger mitauflaufen musste, war kaum bundesligatauglich. Bis auf die ersten Minuten jeder Halbzeit gelang es der Mannschaft von Stale Solbakken nicht, das Spiel gegen wohlgemerkt schwache Leverkusener ausgeglichen zu gestalten.

In der ersten Hälfte fehlte den Einzelaktionen auf dem Feld die nötige Konsequenz und der verbissenen Wille. Stets waren die Leverkusener Kicker ihren benachbarten Kollegen einen Schritt voraus. Sprints, um vielversprechende, aber ein wenig zu steil geratenen Pässe zu erlaufen, wurden erst nach fatalem Zögern angezogen und verpufften ergebnislos. Kopfballduelle wurden wegen fehlender Körperspannung verloren, Ideen der Mitspieler aufgrund von fehlender gedanklicher Handlungsschnelligkeit zu sinnlosen Aktionen degradiert.

Auffallend waren zudem die sich über die gesamte Spieldauer hinziehenden individuellen, technischen Fehler: Bälle wurden unsauber gestoppt, Passempfänger warteten stoisch aufs Ankommen des Balls, statt ihm entgegenzulaufen, schnelle Ballannahme und –mitnahme gerieten stets zu einem holprigen und dadurch schlurfigen Versuch, den Ball unter Kontrolle zu bringen. Damit ließ sich natürlich auch kein strukturierter Spielaufbau aufziehen; also beschränkte man sich in guter Kick-and-Rush-Manier auf lange Abschläge von Michael Rensing (großartig auf der Linie, im Spiel mit dem Ball am Fuß aber nach wie vor wie eine anachronistische Oliver-Kahn-Kopie wirkend), die allerdings wegen fehlender Ernsthaftigkeit in den Kopfballduellen direkt wieder beim Gegner landeten.

In der zweiten Halbzeit flackerte dann für wenige Minuten Hoffnung auf: Mit Novakovic blieb der wie ein 60jähriger Rheumatiker übers Feld torkelnde Mittelstürmer draußen und wurde durch den schnellen Tese ersetzt. Das langersehnte Zeichen des Trainers, der bislang mit seinen Auswechslungen mehr Kopfschütteln als Applaus erntet. Tese legte dann auch los wie von der Tarantel gestochen und vermittelte den Zuschauern auf den Rängen erstmals ein Gefühl von Bewegung und Schnelligkeit auf dem Rasen.

Doch kurz bevor sich der Hoffnungsschimmer zum veritablen Optimismus auswachsen konnte, stoppte der katastrophale Mato Jajalo alles – die Hoffnung, die Aufbruchsstimmung, den positiven Schwung – nur nicht den Ball. Dieser landete stattdessen, tief in der Kölner Hälfte rollend, in den Füßen des Gegners und nach eine zackigen Kombination postwendend im Tor von Rensing.

Damit war das Spiel dann auch vorbei; für die Kölner Spieler zumindest, denn was danach folgte, war ein halbstündiges depressives Umherschleichen in starrer Erwartung des Schlusspfiffs. Ein aufrüttelndes Zeichen des Trainers? Einwechslung eines weiteren Stürmers? Auflösen der Doppelsechs? Jaja, all das gab es…vier Minuten vor dem Schlusspfiff.

Hatte sich der haarlose Norweger nicht in der Vorrunde noch über die fatalistische Atmosphäre in Köln beschwert? Scheinbar hat er sich längst anstecken lassen. Mutige Auswechslungen sind seine Sache jedenfalls nicht. Immerhin durfte endlich das so viel gerühmte Talent Mitchell Weiser sein Debüt feiern. Ein Lichtblick für die Zukunft in Köln. Denn während man in Dortmund Mario Götze seit seinem 18.Lebensjahr in nahezu jedem Spiel zur zentralen Figur gemacht hat, herrscht in Köln noch die Meinung, der siebzehnjährige Weiser dürfe bloß nicht verheizt werden.

Lukas Podolski war am Samstag trotz eben erst überstandener Verletzung und Trainingsrückstand der einzig gefährliche Aktivposten im Kölner Spiel. Bis auch er irgendwann den Kopf hängen ließ – und sich bereits auf fähige Mitspieler in der nächsten Saison gefreut haben mag. Wer kann’s ihm verdenken…

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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