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Mayday, Mayday, SOS

© Courtesy of NOAA/Institute for Exploration

© Courtesy of NOAA/Institute for Exploration

Titanic hier, Titanic dort, Titanic überall – derzeit wird ununterbrochen und mit einer derartigen Penetranz über das hundertjährige Jubiläum des Untergangs der Titanic berichtet, dass man einen großen Bogen um jede Rheinfähre macht. Da man also ohnehin mit Celine Dion im Ohr einschläft und aufwacht, kann man auch gleich auf hoher See nach einem passenden Vergleich für den 1.FC Köln suchen. Schließlich droht dem Club am Rhein mit dem Abstieg in die zweite Liga der buchstäbliche Untergang.

Die Parallele zur Titanic ist aber dennoch fehl am Platz; denn der Abstieg käme – anders als der Zusammenstoß mit dem Eisberg vor hundert Jahren – wenig überraschend; noch dazu galt der FC aufgrund der jüngeren Vergangenheit der letzten 15 Jahre alles andere als unsinkbar, also unabsteigbar. Das ist schließlich nur der VfL Bochum, der übrigens im Mittelfeld der zweite Liga herumdümpelt.

Der 1.FC Köln ist eher die Costa Concordia der Bundesliga. Das Wrack liegt im Meer und wartet nur darauf, endlich unterzugehen. Vor Wochen trat Wolfgang Overath als Präsident zurück, in einer Zeit, als der Verein für eine zumindest mittelprächtige Zukunft gut aufgestellt schien. Die Mannschaft kämpfte um den Anschluss ans obere Mittelfeld der Tabelle, Trainer Solbakken saß fest im Sattel und Sportdirektor Finke war der starke Mann im Hintergrund.

Also verließ der Captain das Schiff, ohne das Leck im Maschinenraum bemerkt zu haben. Mit der Zeit sickerte immer mehr Wasser in den Schiffsbauch, der 1.FC Köln schipperte sportlich durch unruhiges Gewässer und langsam aber sicher geriet das Schiff in Havarie. Der 1.Offizier Finke musste von Bord und wurde in einem einsamen Rettungsboot ausgesetzt, da er sich zuvor mit dem Cruise Director Solbakken überworfen hatte.

Steuermann Lukas Podolski vermied zwar weiterhin eine Bestätigung seines Transfers zu Arsenal London, machte aber unmissverständlich klar, dass er beim nächsten Landgang die Crew verlassen und seinen Job als kölsche Galionsfigur aufgeben wird. Zwischendurch tranken die Leichtmatrosen Brecko und Peszko den Rum aus Fässern, Bootsmann Novakovic wurde auf die Planke geschickt und der FC verlor Spiel um Spiel – längst hatte man die Pest an Bord. Spätestens seit der letzten 0:4-Niederlage in Mainz hat das Schiff Schlagseite, immer mehr Wasser dringt ein, so dass mit Stale Solbakken am Donnerstag auch der letzte sportliche Verantwortungsträger von der Brücke gejagt und über Bord geworfen wurde. Auf einen Rettungsring kann er nicht hoffen!

Heute also das letzte SOS-Notsignal: Mayday, Mayday, Frank Schaefer rette uns!

Ob der verzweifelte Funkspruch nach den fatalen Spieltagsergebnissen der Konkurrenz Erfolg hat, wird man heute im Derby gegen Mönchengladbach sehen. Schaefers Mission gleicht jedenfalls zu diesem Zeitpunkt einer aussichtslosen Expedition, die Schiffsbrüchigen sind kaum noch zu retten. Sollte er es dennoch schaffen, dann werden die Spieler über ihn später einmal Ähnliches sagen, wie Jan-Aage Fjörtoft einst über seinen damaligen Trainer: „Jörg Berger ist so ein guter Trainer, der hätte auch die Titanic gerettet.“

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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