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Generationsfrage

Gibt man die Stichworte “Goldene Generation” bei Wikipedia ein, landet man bei einem gleichnamigen Eintrag, der ausschließlich ein paar namhaften Fußballern aus Portugal gewidmet ist. Dort durfte man sich von Beginn der 1990er Jahre ungefähr eine Dekade lang an vielen talentierten Fußballern desselben Jahrgangs erfreuen und – letztlich vergeblich – auf einen Titelgewinn des Teams mit Stars wie Rui Costa, Luis Figo und Nuno Gomez hoffen.

In Deutschland hat sich scheinbar über Nacht auch eine “Goldene Generation” entwickelt – um genauer zu sein, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Pünktlich zum Ausscheiden der deutschen Nationalelf aus der laufenden Europameisterschaft spricht plötzlich alle Welt von dieser “Goldenen Generation” und das – wie sollte es anders sein – nur im Zusammenhang mit dem abermaligen Scheitern in der letzten Phase eines Turnier. Kein Wort von Ehrerbietung, keine Schwärmerei, keine Anerkennung. Als sei es ein Volkssport, öffentliche Personen erst möglichst weit in den Himmel zu heben, um sie nachher im Stunde der Niederlage um so tiefer fallen zu sehen, reicht es nun nicht mehr, Lahm, Schweinsteiger, Podolski und Co. als junge, qualitativ hochwertige Kicker mit Erfahrung zu beschreiben. Nein, plötzlich bilden sie eine ganze Generation, noch dazu golden wie Bernd Schusters Haar vor dem Versiegen des Melanins, die nun, nach dem vierten vorzeitigen Scheitern hintereinander, zu zerfallen und unterzugehen droht. Wohl dem, der Pathos nicht für einen griechischen Feta-Käse hält.

Welch Unfug hinter der Idee einer deutschen “Goldenen Generation” steht, lässt ein Blick auf den aktuellen EM-Kader rasch erfassen. Zwar kann man in der Tat Podolski, Gomez, Mertesacker und mit Abstrichen Schweinsteiger zu ein und demselben Fußballlerjahrgang zählen. Philipp Lahm gehört jedoch bereits dem älteren Jahrgang an, alle anderen (Wiese und Klose mal außen vor gelassen) sind jünger.

Die unfreiwilligen portugiesischen Erfinder der “Goldenen Generation” spielten bereits in den U-Nationalmannschaften zusammen und ließen dort dank ihrer Spielweise grenzübergreifend aufhorchen. Lahm stand in seinen drei U-21-Länderspielen mit keinen der genannten Protagonisten auf dem Platz, Mertesacker erspielte sich seine drei U-21-Auftritte, als Schweinsteiger, Lahm und Podolski bereits A-Mannschaftsluft schnuppern durften. Mario Gomez spielte ohnehin erst sehr viel später sowohl in der U-21 als auch in der Nationalelf.

Doch vielmehr als die gemeinsame Vergangenheit besticht eine “Goldene Generation” auch immer durch ihr ruhmreiches Erbe, das sie ihren Nachfolgern hinterlässt. Sei die Generation wie beispielsweise in Frankreich erfolgreich gewesen oder eben in Portugal ungekrönt und unvollendet, so haben jene Jüngeren, die an ihre Stelle treten, stets damit zu kämpfen, die hinterlassenen Fußstapfen ob ihrer Größe zu füllen.

In der deutschen Nationalelf sieht das hingegen ganz anders aus. Auch wenn die genannten Spieler (teilweise) zum Gerüst der Mannschaft gehören, drängen jüngere, möglicherweise bessere Spieler nach, die ihnen den Platz streitig machen. Eine bittere Erfahrung, die Per Mertesacker bei der EURO 2012 am eigenen Leib erfahren musste.

Das Gerede von einer “Goldenen Generation”, deren dunkles Ende nun allseits heraufbeschworen wird, ist wieder einmal lediglich der öffentlichen Gier nach Superlativen und historischen Wegmarken geschuldet. Lahm, Schweinsteiger, Podolski und Mertesacker waren bloß die ersten Talente, die die runderneuerte DFB-Jugendförderung nach 2000 hervorbrachte. Sie sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Nationalelf, eine ganze Generation bilden sie nicht. Nach ihnen kommt im Vergleich zu ihren eigenen Anfängen ein ganzer Strom hoffnungsvoller Spieler, der dem deutschen Fußball eine gute, möglicherweise sogar goldene Zukunft bescheren wird. Die bislang ungekrönten Spieler Lahm, Schweinsteiger, Podolski und Mertesacker können sich indes damit trösten, dass sie schon jetzt, weit vor Ablauf ihrer aktiven Karriere, erfolgreicher sind als es ihre portugiesischen Kollegen jemals waren.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

Eine Portion Senf

Elisabeth  on July 5th, 2012

Ich finde auch, man sollte sich nicht zu viele Gedanken um die Niederlage gegen Italien machen. Super Beitrag! Wer Ablenkung braucht, kann ja mal beim Heimwerkerportal http://www.mach-mal.de vorbeischauen, da bin ich Administratorin. Beim Wettbewerb “Mach mal Fußballsommer” gibt’s eine Wochenendreise nach Hamburg inklusive Anfahrt mit der Bahn und Tickets für die Bundesliga zu gewinnen.

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