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Lasst uns nicht im Regen stehen!

Die größte Enttäuschung der Europameisterschaft 2012 – das lässt sich schon nach Ablauf der Vorrunde mit Sicherheit feststellen – ist das Wetter. Verwöhnt von tollen Fuballsommern 2006 bis 2010 hatten alle fest damit gerechnet, dass Wetter- und Fußballgott ihre Freundschaft ein weiteres Mal aufleben lassen und uns mit Public Viewing im Sonnenschein beglücken würden.

Doch auch im sportlichen Bereich sparte die EURO in der Ukraine und in Polen nicht mit Überraschungen. Die Gastgeber müssen schon nach den Gruppenspielen die Segel streichen; zugegeben, keine Sensation, doch unerwartet kam das frühe Aus allemal. Die hochgehandelten Russen, die nach dem 4:1-Kantersieg im ersten Spiel gegen Tschechien bereits als heißer Titelfavorit galten, ließen sich von tapferen Griechen übertölpeln und fliegen früh wieder nach Hause. Die Hellenen spielen hingegen weiter um den Titel mit, ebenso wie die anfangs heillos unterlegenen Tschechen.

Ansonsten liest sich das Tableau des Viertelfinals wie das „Who is who“ des europäischen Fußballs. Doch auch das kommt nicht minder überraschend. Wer hätte gedacht, dass sich England trotz Durchschnittskader, Streitigkeiten und zahlreichen Ausfällen zu einer viertefinalreifen Leistung aufschwingen könnte? Wer hat ernsthaft damit gerechnet, dass sich die kriselnden Italiener im ersten Spiel sogar Welt- und Europameister Spanien ebenbürtig zeigen würden? Und die Franzosen, die seit Jahren kein Turnierspiel mehr hatten gewinnen können, dürfen trotz wechselhafter Leistungen an der KO-Runde teilnehmen.

Die größte negative Überraschung mussten unsere Nachbarn in den Niederlanden erleben: Das Oranje-Team, vor zwei Jahren in Südafrika noch im Finale, flog diesmal ohne Punktgewinn und in hohem Bogen aus dem Turnier. Für sie hielt die „Todesgruppe“ B leider ihr Versprechen und erledigte sämtliche Titelträume unbarmherzig.

Die Gruppenspiele machten zudem deutlich, dass sich die beiden Topfavoriten auf den Titel, Deutschland und Spanien, auch als solche präsentierten. Keinem anderen Team gelang es, in allen drei Spielen zu überzeugen. Nur die Deutschen und die Spanier setzten sich überlegen durch, auch wenn sie zwischenzeitlich wackelten und wankten. Doch war dieses Wanken – eine weitere Erkenntnis – einzig der dramaturgisch reizvollen Konstellation geschuldet, dass selbst (im Falle der Deutschen) zwei Siege nicht ausreichten, um gelassen ins letzte Gruppenspiel gehen zu können. Damit bestätigt die EURO 2012 wieder einmal die Tatsache, dass das qualitativ dicht besetzte Kontinentalturnier in der Anfangsphase deutlich herausfordernder ist als eine Weltmeisterschaft, bei der Exoten wie Saudi-Arabien oder Neuseeland als Kanonenfutter der Fußballgiganten herhalten müssen.

Damit findet eine spannende, qualitativ ansprechende, wenn auch nicht hochklassige Vorrunde ihr Ende. Nun beginnt das Turnier von Neuem – die KO-Runde, bei der selbst klar unterlegene Teams nur einen guten Tag und eine Portion Glück brauchen, um ihren Gegner zu besiegen, wird sicherlich wieder manch Unerwartetes bringen. Bleibt die Hoffnung, dass sich die deutsche Nationalelf weiterhin verlässlich, berechenbar, frei von Überraschungen präsentiert, ihren Weg im Turnier fortsetzt – und uns nicht im Regen stehen lässt.

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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