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Das kommt mir spanisch vor!

© Ottobd/Alex Tremps

© Ottobd/Alex Tremps

Ach, was wäre es jetzt einfach gewesen, mit einem tollen Titel zu glänzen: “Bayern – Da ist jetzt Pep drin”, “Mit Guardiola wird die neue Saison peppiger”, “Eine Liga mit Pep” – warum also habe ich mich für zweifelhafteste aller Varianten entschieden?

Weil dieser leider nur semi-lustige Titel auf den zweiten Blick vielschichtiger ist als man beim ersten Lesen glauben könnte. Zum einen spielt er auf den spektakulärsten Trainertransfer in der Geschichte der Bundesliga an. Wem schon bei der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann durch den FC Bayern vor fünf Jahren die Kinnlade heruntergeklappt war, der dürfte in der nächsten Saison mit Maulsperre durch die Gegend laufen. Pep Guardiola, das langjährige Mastermind vom FC Barcelona, der Strippenzieher im besten Fußballpuppentheater der letzten Jahre, der Erschaffer des weltweit verehrten “Tiki-Taka-Hochgeschwindigkeitsfußballs” wechselt im Sommer zum deutschen Rekordmeister. Wenn das mal kein Coup erster Güte ist.

Der Titel des Artikels lässt sich jedoch auch auf die Entwicklung in der deutschen Fußballbundesliga anwenden, denn die Vormachtstellung der beiden Hauptrivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüber der Konkurrenz ist nicht nur in der Rückschau auf die letzten beide Jahre frappierend, sondern wird sich voraussichtlich in der Zukunft weiter zementieren. Ähnlich wie der spanische Dualismus von Barcelona und Madrid wird künftig die Rivalität zwischen Dortmund und Bayern die Bundesliga prägen. Während die beiden vorherrschenden Clubs die Meisterschaft unter sich ausmachen, werden Vereine wie Leverkusen, Stuttgart, Bremen, Hannover, Schalke, Gladbach oder Wolfsburg ihre eigene Meisterschaft ausspielen: Wer wird Dritter hinter dem BVB und dem FCB? Das ist schade, schließlich rühmte sich die Bundesliga immer damit, spannender als die Konkurrenzligen aus Italien, Spanien oder England zu sein, wo der Kreis der Meisterschaftsanwärter stets viel überschaubarer war als hierzulande. Doch so langweilig dieser Zustand auch sein mag, so unabwendbar scheint er auch zu sein.

Und damit komme ich zur dritten Bedeutung des Titels, der zugegeben etwas im Verborgenen liegt: In der Winterpause kam man sich als Beobachter der nationalen Fußballszene vor, als säße man im Publikum eines Tennismatches zwischen Rafael Nadal (ACHTUNG: Spanier!) und Roger Federer, die beide über lange Jahre die Machtverhältnisse im Welttennis prägten:

Aufschlag Bayern: Innenverteidiger und U-21-Nationalspieler Kirchhoff wechselt an die Isar
Return Dortmund: Marcel Schmelzer verlängert bis 2017
Top-Spin Bayern: Schalke wird in der Vorbereitung mit 5:0 vom Platz gejagt
Netzangriff Dortmund: Nuri Sahin wird für 18 Monate ausgeliehen, inklusive Kaufoption für kolportierte 6 Mio. Euro
Passierschlag Bayern: Pep Guardiola wechselt im Sommer an die Isar

Applaus des Publikums, während die Balljungen Wolfsburg (neuer Manager, neuer Trainer, neuer 7,5 Millionen-Einkauf) und Schalke (neuer Trainer, neuer Stürmer) in gebückter Haltung über den Platz huschen und verstohlen zu ihren Idolen aufblicken.

Natürlich ist es immer schwer einzuschätzen, mit welchem Erfolg ein Trainer bei einem neuen Verein arbeiten wird. Guardiola hat noch kein anderes Team als das des FC Barcelona betreut, wo er jeden Mitarbeiter im Verein kannte. Man darf gespannt sein, wie er in einem fremden Verein funktioniert, wie er in einem anderen Land zurechtkommt, dessen Sprache mit „kompliziert“ noch beschönigend umschrieben ist, und wie er das harmonische Gefüge beim FC Bayern durcheinander wirbeln wird. So schreibt die Corriere dello Sport nicht ohne Grund: „2008 bei Barcelona überraschte er jeden mit seinem Beschluss, Stars wie Ronaldinho, Eto’o und Deco wegzujagen. Wir werden jetzt sehen, was mit Ribéry und Robben geschieht…“.

Die Erfolge mit Barcelona und die Popularität werden Guardiola ganz von selbst einen Glanz der natürlichen Autorität verleihen. Doch wie sieht es mit dem taktischen System aus, das er spielen lassen wird? Ist er flexibel genug, um seine Trainerhandschrift dem Blatt, auf dem er schreibt, also den Spielern, mit denen er arbeitet, anzupassen? Wie wird beispielsweise ein Mario Gomez, bulliger Stürmer mit herausragendem Kopfballspiel in den von Guardiola favorisierten Kurzpassfußball passen?

Wir dürfen gespannt sein. Als Zeichen für die gewachsene Bedeutung der Bundesliga im internationalen Vergleich ist der Transfer von Pep jedenfalls unbezahlbar. Daher freuen wir uns auf ihn und begrüßen ihn mit einem lauten „Olé“!

Stadion-Wurst - Das Fußball-Blog

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