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Hingehört – This Patch of Sky

Hören Astronauten, die auf einer Mission schwerelos im Weltall schweben, eigentlich Musik? Und wenn ja, welche? Kaum vorstellbar, dass sich mit Blick aus dem Fenster der Raumkapsel die Erdkugel majestätisch vom schwarzen Nichts des Weltalls abhebt und eine einzigartige Sicht auf die Heimstatt des Menschen freigibt, wie ihn nur wenige Auserwählte bislang genießen durften, und im Hintergrund trällert Lady Gaga aus den Lautsprechern ihre belanglosen Lieder. Da braucht es doch vielmehr Töne, Melodien, Harmonien und Rhythmen, die der Situation angemessen sind. In meiner Vorstellung hören Astronauten den großartigen Postrock von „This Patch of Sky“.

Viele Kennzeichen des typischen Postrocks tauchen auf bei „This Patch of Sky“ auf: die Loslösung von klassischen Refrain-Strophe-Refrain-Songstrukturen; die meist überlange Songdauer; der fast gänzliche Verzicht auf Gesang. Doch wo andere Postrock-Bands auf ihrem Weg zu guter Musik manchmal die falsche Abzweigung nehmen, und dann entweder im Land der gähnenden Langeweile stranden oder sich derart in die Instrumente verkniedeln, dass man als Hörer fast zwangsläufig Kopfschmerzen bekommen muss, bleiben „This Patch of Sky“ immer auf Kurs. Sie verlieren nie den Song an sich aus dem Blick, und ihnen gelingt es scheinbar spielerisch, den Hörer mit den langsam an Spannung gewinnenden und dann in sphärischen Gitarrenwänden ausufernden Liedern zu fesseln. Wenn dann ganz rar gesät und fein pointiert im Hintergrund plötzlich doch menschliche Stimmen ertönen, die etwas Unverständliches schreien, das in seiner Bedeutung völlig untergeht und mehr wie der vergebliche Versuch klingt, endlich das Mikrofon und damit volle Lautstärke zu erreichen, dann entlädt sich die Spannung wie ein Gewitter in drückender Hochsommerhitze.

Erschienen auf dem großartigen und an dieser Stelle mit viel Herzblut zu empfehlenden Postrock-Label „Oxidetones“ wissen „This Patch of Sky“ mit bislang zwei EPs durchweg zu überzeugen. „The Immortal, The Invisible“ erschien im Herbst 2011, „Newly Risen, How Brightly You Shine“ folgte dann ein Jahr später. Beide EPs unterscheiden sich nicht groß, was in diesem Fall allerdings mehr Qualitätsurteil als Mangel bedeutet. Für 2013 hat die sechsköpfige Band aus Oregon, USA, mit „Heroes and Ghosts“ ihr erstes Album angekündigt.

Sollte sich also bald mal wieder eine bemannte Mission aufmachen, den Weltraum zu erkunden, dann sollte unbedingt „This Patch of Sky“ im Gepäck sein! Oder wie Joshua Carlton, einer von drei Gitarristen in der Band es ausdrücken würde: “Postrock is the music that you would hear at the end of the world!”

Mal reinhören?

Wer mehr Zeit (etwa 15 Minuten) mitgebracht hat, kann sich eine Session in den Roadrunner Studios anschauen, die zwei Livesongs und kurze Interviewstatements der Bandmitglieder enthält.

Home sweet home

© wutzofant

© wutzofant

Die Sensation war zum Greifen nah: Am Mittwoch stand die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der diesjährigen Weltmeisterschaft kurz davor, den Turnierfavoriten und Gastgeber Spanien im Viertelfinale auszuschalten. Dass es letztlich mit der Sensation doch nicht klappte, lag an Kleinigkeiten:  an einer mangelnden Chancenauswertung, an unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen, an unnötigen Zeitstrafen, an einem aufgepeitschten spanischen Publikum und an der Statistik. Denn wie schreibt die SZ am Mittwoch treffend:

„In diesem Jahrtausend ist nur einmal ein Ausrichterland vorzeitig auf der Strecke geblieben: Vor zehn Jahren wurde Portugal Zwölfter. Aber die Handballer aus dem Westen der iberischen Halbinsel sind international allenfalls drittklassig, der zwölfte Platz ist bis heute ihr bestes Abschneiden, sie haben sich danach nie mehr für eine WM qualifiziert.“

Der Gastgeber kann sich im Handball auf seinen Heimvorteil verlassen. Und im Fußball? Auch hier ist es längst kein Geheimnis mehr, dass der Luxus, die eigenen Landesgrenzen zur Teilnahme an einer Weltmeisterschaft nicht überqueren zu müssen, die Teams zu Höchstleistungen treibt. So überstanden bislang alle Gastgebermannschaften die erste Turnierphase und qualifizierten sich mindestens fürs Achtelfinale. Unrühmliche Ausnahme: Südafrika, das 2010 bereits in der Gruppenphase scheiterte. Selbst mittelmäßig begabte Mannschaften wie die Schweiz 1954 (Viertelfinale), Chile 1962 (WM-Dritter), USA 1994 (Achtelfinale) oder Japan (Achtelfinale) und Südkorea (WM-Vierter) 2002 ließen sich von der Welle der heimischen Begeisterung durchs Turnier tragen. Demnach gehört wenig Mut dazu, um Brasilien als Gastgeber und traditionell mit einer überdurchschnittlich begabten Mannschaft gesegnet, zum Turnierfavoriten für die Weltmeisterschaft 2014 zu küren.
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Das kommt mir spanisch vor!

© Ottobd/Alex Tremps

© Ottobd/Alex Tremps

Ach, was wäre es jetzt einfach gewesen, mit einem tollen Titel zu glänzen: “Bayern – Da ist jetzt Pep drin”, “Mit Guardiola wird die neue Saison peppiger”, “Eine Liga mit Pep” – warum also habe ich mich für zweifelhafteste aller Varianten entschieden?

Weil dieser leider nur semi-lustige Titel auf den zweiten Blick vielschichtiger ist als man beim ersten Lesen glauben könnte. Zum einen spielt er auf den spektakulärsten Trainertransfer in der Geschichte der Bundesliga an. Wem schon bei der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann durch den FC Bayern vor fünf Jahren die Kinnlade heruntergeklappt war, der dürfte in der nächsten Saison mit Maulsperre durch die Gegend laufen. Pep Guardiola, das langjährige Mastermind vom FC Barcelona, der Strippenzieher im besten Fußballpuppentheater der letzten Jahre, der Erschaffer des weltweit verehrten “Tiki-Taka-Hochgeschwindigkeitsfußballs” wechselt im Sommer zum deutschen Rekordmeister. Wenn das mal kein Coup erster Güte ist.
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