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Das kommt mir spanisch vor!

© Ottobd/Alex Tremps

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Ach, was wäre es jetzt einfach gewesen, mit einem tollen Titel zu glänzen: “Bayern – Da ist jetzt Pep drin”, “Mit Guardiola wird die neue Saison peppiger”, “Eine Liga mit Pep” – warum also habe ich mich für zweifelhafteste aller Varianten entschieden?

Weil dieser leider nur semi-lustige Titel auf den zweiten Blick vielschichtiger ist als man beim ersten Lesen glauben könnte. Zum einen spielt er auf den spektakulärsten Trainertransfer in der Geschichte der Bundesliga an. Wem schon bei der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann durch den FC Bayern vor fünf Jahren die Kinnlade heruntergeklappt war, der dürfte in der nächsten Saison mit Maulsperre durch die Gegend laufen. Pep Guardiola, das langjährige Mastermind vom FC Barcelona, der Strippenzieher im besten Fußballpuppentheater der letzten Jahre, der Erschaffer des weltweit verehrten “Tiki-Taka-Hochgeschwindigkeitsfußballs” wechselt im Sommer zum deutschen Rekordmeister. Wenn das mal kein Coup erster Güte ist.
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In der Stille liegt die Kraft

©_Photo-K_Fotolia.com

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BUUUUH!

Na, überrascht?! Wer gedacht hatte, bei der Stadionwurst hätte längst die Totenstarre eingesetzt, zärtlich umweht vom Duft der Verwesung, der sieht sich hiermit getäuscht. Die Wurst lebt. Warum also das wochenlange Schweigen? Nein, nicht schon wieder eine Sinnkrise, die war gestern; vielmehr eine Schaffenskrise, schließlich blieb das Schaffen aus, auch wenn die dazugehörige Krise fehlte. Banal wie das Leben war auch der Grund für die andauernde Stille: Die Zeit fehlte an Ecken, an Enden und überall, war doch die Passivität hier der Aktivität dort geschuldet; wird man allerdings dort bezahlt, wo hier unbezahltes Vergnügen herrscht, bleibt manchmal keine Wahl, sondern nur noch stummes Schweigen.

Doch war ich in letzter Zeit nicht der Einzige, der sich in Schweigen hüllte. Tausende Fußballfans taten es mir gleich und schwiegen für 12 Minuten und 12 Sekunden zu Beginn einer jeden Bundesligapartie, seit das neue Sicherheitskonzept „Stadionerlebnis“ am 12.12.2012 verabschiedet wurde. Die sonst gröhlenden Kehlen blieben angesichts des mit großer Mehrheit verabschiedeten und insgesamt 16 Einzelpunkte umfassenden Sicherheitskonzepts aus Protest stumm – ein wohltuendes, weil angenehm leises Fanal, wo sonst Fangesänge von lustig bis dämlich, von unterstützend bis menschenverachtend ertönen, grelle Bengalos zischeln und Feuerwerkskörper aller Art um die Wette knallen.

In der Debatte rund um das Sicherheitskonzept hat der Fußball (und damit sind sämtliche Beteiligte von Funktionär bis Fan gemeint) mal wieder deutlich gemacht, mit welch arrogantem Gehabe er sich für einzigartig und außergewöhnlich in Deutschland hält. Für den Volkssport Nummer 1 zählen die Regeln von Politik und Gesellschaft nur bedingt.
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Ein Samstagabend im Alibi-Debattierclub

Am Samstag war Joachim Löw zu Gast im „aktuellen Sportstudio“. Nach seiner krankheitsbedingten Absage am Wochenende zuvor hatte er sich bei Kathrin Müller-Hohenstein eingefunden, um das kuriose 4:4-Unentschieden gegen Schweden noch einmal öffentlich Revue passieren zu lassen. Jenes Spiel hatte rund um den Globus für Aufregung gesorgt, hierzulande aber vornehmlich die Kritik am Bundestrainer wieder laut werden lassen, so dass es Löw angeraten schien, höchstselbst vor den Augen der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen.

Er tat dies souverän, charmant und mit Witz. An manchen Stellen fehlte es ihm jedoch an argumentativer Stringenz, zu häufig ließ er Biss und eine angebrachte Portion Aggressivität vermissen. Ich hätte mir gewünscht, Löw hätte sich ein Beispiel am Präsidentschaftswahlkampf in den USA genommen und sich mit Hansi Flick und Oliver Bierhoff generalstabsmäßig auf die Begegnung mit KMH vorbereitet. Wie Obama oder Romney hätte er sich auf seine Mini-Debatte einstellen sollen, um mit prägnanten und stichhaltigen Argumenten die erwartbaren Fragen und Kritiken zu kontern.

Mit Kathrin Müller-Hohenstein hätte er leichtes Spiel gehabt. Sie redete wie immer dem Stammtischvolk nach dem Mund, unterfütterte ihre kritischen Anmerkungen mit der „Expertenmeinung“ Oliver Kahns, und fiel nur (unangenehm) auf, als sie die Erfolge der Nationalmannschaft in den letzten sechs Jahren auf geradezu unverschämte Art und Weise schmälerte: „Es gibt schon eine gewisse Diskrepanz zwischen Potenzial der Mannschaft und Erfolg“. Wer vier aufeinanderfolgende Halbfinalteilnahmen bei Welt- und Europameisterschaft als Misserfolg wertet, hat entweder wenig Ahnung von der qualitativen Dichte an der Spitze des Weltfußballs oder hat ein pervertiertes Anspruchsdenken.

Löw blieb jedoch (anders als ich vor dem Fernseher) stets besonnen, verschmitzt, aber für meinen Geschmack zu zahm und argumentativ unscharf. Denn viele der kritisch geführten Debatten rund um die Nationalelf lassen sich als Alibi-Debatten entlarven, wenn man sie genauer unter die Lupe nimmt. Nehmen wir exemplarisch die Führungsspieler-Debatte. Was ist dran am Mythos des fehlenden Leaders im Nationalteam? (more…)

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