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	<title>StadionWurst - Das Fussball Blog &#187; Medien</title>
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	<description>Das Fussball Blog - Ein etwas anderer Blick auf Bundesliga, internationalen Fußball und die Geschichten rund um den Rasensport.</description>
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<title>StadionWurst - Das Fussball Blog</title>
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		<title>Wenn Ihr absteigt, lachen wir uns tot!</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 21:11:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hennes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschländer]]></category>
		<category><![CDATA[1.FC Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Abstieg]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank Schaefer]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Finke]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Overath]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Kölner hat viele überlieferte Charaktereigenschaften. Er ist offen, herzlich und redselig, mitunter faul, manchmal gutgläubig bis naiv, fast immer gemütlich, er feiert gern und liebt seinen FC. Eine masochistische Neigung gehörte bislang jedenfalls nicht zu seinen bekannten Eigenschaften.
Lässt man jedoch die letzten Wochen beim 1. FC Köln Revue passieren, analysiert man den tabellarischen Niedergang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Kölner hat viele überlieferte Charaktereigenschaften. Er ist offen, herzlich und redselig, mitunter faul, manchmal gutgläubig bis naiv, fast immer gemütlich, er feiert gern und liebt seinen FC. Eine masochistische Neigung gehörte bislang jedenfalls nicht zu seinen bekannten Eigenschaften.</p>
<p>Lässt man jedoch die letzten Wochen beim 1. FC Köln Revue passieren, analysiert man den tabellarischen Niedergang und die chaotischen Auswüchse, dann könnte der Außenstehende leicht den Eindruck gewinnen, als hätte sich ein Verein, eine Stadt, ja eine ganze Region absichtlich und mit aller Konsequenz das Ziel gesetzt, bis zur letzten Sekunde der Saison gegen den Abstieg spielen zu wollen.</p>
<p>Wir blicken zurück und analysieren die Fehler, die seit dem 28. Spieltag begangen wurden. Am Ende jenes Spieltages hatte Köln nicht nur gerade Nürnberg mit 1:0 geschlagen, sondern auch mit dem siebten Heimsieg in Folge die zweitlängste Siegesserie der Vereinsgeschichte aufgestellt. Der FC war nicht nur auf Tabellenrang 11 (in Worten: elf) geklettert, sondern hatte sich auch ein beruhigendes Sieben-Punkte-Polster auf Platz 16 verschafft.</p>
<p>Was danach folgen sollte, lässt sich mit Zahlen besser ausdrücken als in Worte fassen. 0 Punkte in 3 Spielen, 3 Tore bei 12 Gegentoren, ein aufgeschobener Trainerrücktritt, ein sofortiger Trainerrücktritt, ein intriganter Sportdirektor, Hunderte aufgebrachter Fans, ein idiotischer Spruch am Trainingsgelände, unzählige neue Krisenherde und möglicherweise ein weiterer Bundesligaabstieg.</p>
<p>Welche Fehler wurden gemacht?<br />
<span id="more-1765"></span><br />
<strong>Die Mannschaft oder wir können uns nur selbst schlagen &#8211; immer und immer wieder</strong></p>
<p>Schon nach dem 4:0-Heimsieg gegen Hannover 96 machte die Mannschaft den größten Fehler, den man im Fußball begehen kann: Sie überschätzte die eigenen Fähigkeiten. Bis zu jenem vorletzten Heimsieg hatte das Team von Schaefer noch mit dem Rücken zur Wand gestanden, hatte gekämpft, mit Vehemenz verteidigt, wichtige Tore gemacht, um dann aus einer sicheren Führung heraus die eigene spielerische Klasse zu zeigen. In der Folge versuchte sie nur noch Letzteres, ohne sich daran zu erinnern, dass vor dem Hackenpass, vor dem Schlenzertor, vor der Ballstaffette der Zweikampf steht, der Sprint ohne Ball, das schmerzhafte Tackling und das aufzehrende Anrennen. Was folgte war ein 6:2-Debakel gegen den HSV, ein ungerechtfertigter und vom Schiedsrichter geschenkter Heimsieg gegen Nürnberg und drei glasklare Niederlagen gegen Gladbach, Stuttgart und Wolfsburg.</p>
<p>Die Mannschaft täuschte sich selbst. Die fast unheimliche Heimstärke befeuerte die eigene Arroganz. Dabei vergaß sie, dass  am Anfang des 4:0-Sieges in Hannover eine erste Halbzeit gestanden  hatte, in der man den Niedersachsen heillos unterlegen gewesen war. Dass sie den letzten Heimsieg gegen Nürnberg dem Schiedsrichter zu verdanken hatte. Dass FC-Heimsiege nicht gesetzlich verankert sind. Auswärtsniederlagen genausowenig.</p>
<p>Spätestens nach der Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart wich die Arroganz einer lähmenden Unsicherheit.</p>
<p>Doch auch der überall und zu recht gepriesene Frank Schaefer machte Fehler. Dabei kannte er den wankelmütigen und divenhaften Charakter seiner Mannschaft nur zu genau. Kurz nach Amtsübernahme hatte er verdienten Spielern mit der Bank gedroht, und so Gockeln wie Lanig und Novakovic wieder Beine gemacht. Er hätte früh ein Zeichen setzen müssen. Mal junge Spieler wie Yabo oder Yalcin einsetzen, dafür die Platzhirsche auf die Bank, um sie wieder zu Höchstleistungen anzutreiben. Stattdessen stand Yabo erst gegen Wolfsburg in der Startelf und war ob der Bedeutung dieser Partie heillos überfordert.</p>
<p><strong>Die Medien oder wie bastelt man sich eine Schlagzeile</strong></p>
<p>Die nervöse Medienlandschaft in Köln ist bekannt. Doch dass sie derart viel Unruhe verbreiten kann, wie in der laufenden Saison, überrascht dann doch. Anstatt sich gemeinsam mit dem Verein und den Fans über den zweitlängsten Heimsiegrekord der Vereinsgeschichte zu freuen, übten der Kölner Stadtanzeiger und der Express massiven öffentlichen Druck auf die Vereinsverantwortlichen aus, die offene Trainerfrage endlich zu lösen. Dabei waren die Absprachen der Entscheidungsträger klar. Doch nach dem 28. Spieltag verging kein Tag, an dem nicht der von Schaefer unterschriebene Vertrag gefordert wurde. Das brachte Steine ins Rollen. Erst kleine Kiesel, die sich dann zu einer Lawine verdichteten.</p>
<p><strong>Der Vorstand oder die drei Affen, die nichts sehen, nichts hören, nichts sagen</strong></p>
<p>Dabei hätte man die Lawine von Vereinsseite abfangen können. Ein starker Präsident hätte ein offenes Interview gegeben, hätte sich ganz klar zum Trainer bekannt und die Diskussion beendet. Vertrag hin oder her. Doch Overath zog es mal wieder vor, schweigend der Dinge zu harren und mitanzuehen, wie die Lawine langsam aber sicher an Fahrt aufnimmt.</p>
<p>Das Bekenntnis zu Schaefer kam zu spät, zu zögerlich, zu leise. Stattdessen wurde mit Finke der neue starke Mann an die Front geschickt, der nichts Besseres zu tun hatte, als dem Trainer den Dolch in den Rücken zu stoßen. Finke spielte öffentlich auf Schaefers Gläubigkeit an und gab der Lawine dadurch einen gewaltigen Schub.</p>
<p>Noch immer liegen Finkes Beweggründe im Verborgenen. Doch entweder war er selbst nach 16 Dienstjahren beim SC Freiburg zu naiv und zu dämlich, um die Tragweite seiner Äußerung einschätzen zu können, oder er demontierte Schaefer mit voller Absicht. In beiden Fällen &#8211; und das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden &#8211; ist er für den Posten des Sportdirektors beim FC absolut ungeeignet.</p>
<p>Doch auch in dieser Situation hätte ein starker Präsident sich noch schützend vor den Trainer stellen können. Aber Overath schwieg. Ließ gewähren. Ließ erst treten, dann zurücktreten. Jetzt liegt sein eigenes Vereinsschicksal in Finkes Händen.</p>
<p><strong>Das Umfeld oder heute hü, morgen hott</strong></p>
<p>Kann man Fans kritisieren? Für ihre Euphorie, für ihren Enthusiasmus, für ihre Leidenschaft? Ja, man kann, man muss sogar. In Köln ist das Umfeld traditionell hysterisch wie die Millionärsgattin nach der Sperrung der Kreditkarte. Nach dem siebten Heimsieg in Folge wanderten die Blicke einiger Fans nicht mehr in den Tabellenkeller, sondern schielten heimlich auf Platz fünf. So ist das in Köln: Drei Siege in Folge, und man träumt von der Championsleague. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fans und Supporter. Doch es zeigt, dass Geduld in Köln keine populäre Tugend ist. Denn die Hysterie im Erfolgsfall gilt auch im umgekehrten Fall.</p>
<p>Nach sieben Heimsiegen in Folge macht die Mannschaft am 30. Spieltag  gegen Stuttgart nach langer Zeit mal wieder ein grausames Spiel im eigenen Stadion. Die Reaktion der Fans? Stille, Pfiffe, Buhrufe. Vor wenigen Tagen schmieren einige Idioten den Spruch &#8220;Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot!&#8221; auf eine Plakatwand in der Nähe des Trainigsgeländes. Diesmal kommt die Reaktion der Fans prompt und äußerst positiv &#8211; sie übermalen das Geschmiere eigenhändig. Und trotzdem zeigen diese beiden Begenbenheiten, dass das Umfeld in Köln ein geräuschloses vereinsinternes Arbeiten nicht gerade erleichtert.</p>
<p><strong>Das Fazit oder der Blick in die Rumkugel</strong></p>
<p>Mach et, Volker? Schleich Dich, Finke? Momentan sind sämtliche Szenarien denkbar.</p>
<p>Eine Auswahl gefällig?</p>
<p>Die Mannschaft verliert die drei restlichen Spiele und steigt ab. Finke &amp; Vorstand treten zurück, und Poldi wechselt nach Bremen.</p>
<p>Köln steigt ab, Gladbach rettet sich, Leverkusen wird Deutscher Meister &#8211; die Selbstmordrate in Köln springt auf ein historisches Hoch.</p>
<p>Der FC gewinnt unter Volker Finke alle seine restlichen Partien und geht mit dem ehemaligen Studienrat als Trainer in die neue Saison.</p>
<p>Sollte eines dieser skizzierten Szenarien wirklich eintreten, dann wird das Adjektiv &#8220;masochistisch&#8221; zukünftig zum festen Inventar für die Charakterisierung des gemeinen Kölners gehören.</p>
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		<title>BILD Dir Deine Meinung!</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 18:40:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hennes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wurstsalat]]></category>
		<category><![CDATA[FC Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Lahm]]></category>

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		<description><![CDATA[Philipp Lahms Interview sorgt für Wirbel
„An BILD und mir kommt keiner vorbei!“ Mit diesem Slogan wirbt Philipp Lahm für das auflagenstärkste (und niveauschwächste) Blatt in Deutschland. Doch während man die BILD-Zeitung zum Glück einfach ignorieren kann, sofern man nicht Lothar Matthäus heißt, hat der Bayernspieler Lahm mit seinem Interview in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Philipp Lahms Interview sorgt für Wirbel</strong></p>
<p>„An BILD und mir kommt keiner vorbei!“ Mit diesem Slogan wirbt Philipp Lahm für das auflagenstärkste (und niveauschwächste) Blatt in Deutschland. Doch während man die BILD-Zeitung zum Glück einfach ignorieren kann, sofern man nicht Lothar Matthäus heißt, hat der Bayernspieler Lahm mit seinem <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/367/493712/text/" target="_blank">Interview</a> in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung selbst dafür gesorgt, dass an ihm momentan tatsächlich kein Vorbeikommen ist. Sein Konterfei lacht uns bundesweit aus jedem Sportteil entgegen. Denn seine Aussagen haben für mächtigen Wirbel gesorgt, und den Mächtigen beim FC Bayern München ist er damit empfindlich auf die Füße getreten.<span id="more-33"></span></p>
<p>Die Kritik an der fehlenden Philosophie des Vereins, an der fehlerhaften Transferpolitik der letzten Jahre und an der mangelnden individuellen Qualität des Kaders wurde von ihm nicht nur sachlich und nüchtern vorgetragen, sondern legt den Finger auch passgenau in die Wunde des Rekordmeisters. Der Vorstand reagierte am Tag nach dem Spiel gegen Schalke 04 prompt: Doch statt auf die Argumente des vom Vorstand stets als Führungsspieler propagierten Links-/Rechtsverteidigers einzugehen, enttarnte die Troika Hoeneß/Rummenigge/Beckenbauer ihre eigene hochnäsige und verfehlte Arroganz, indem sie eine Rekordgeldstrafe verhängte. Zum Inhalt des Interviews kein Wort. Souveräner Umgang mit konstruktiver Kritik sieht anders aus.</p>
<p>Medien und Fans feiern Lahm hingegen fast einhellig als klugen, mündigen und mutigen Spieler, der den eigenen Führungsanspruch untermauert und in einer Krise entschlossen voran geht. Dennoch gibt seine so offensiv vorgetragene Aktion so manches Rätsel auf:</p>
<p>Was bewog Philipp Lahm, seine Kritik ausgerechnet jetzt, in dieser Phase der laufenden Saison zu äußern? Warum vor einem richtungsweisenden Spiel in der Liga? Klar ist, dass er mit seinen Aussagen die Strategie des Vereins völlig zu Recht kritisiert. Diese scheint schon seit langem zu fehlen oder ist, sofern sie in irgendeiner Schublade im Vorstandsbüro still vor sich hin schlummert, fehlgeleitet und anachronistisch. Aber geht Lahm ernsthaft davon aus, dass in der Mitte der Hinserie die Kritik zu Veränderungen führt?<br />
Anders als Michael Ballack mit seiner in diesen Tagen oft als Referenz herangezogenen öffentlichen Kritik am Spielsystem der Nationalelf im Vorfeld der WM 2006, die zu einer unmittelbaren und letztlich positiven Reaktion des Trainerstabs führte, gäbe es für den Verein und die Entscheidungsträger momentan gar keine Möglichkeit, die Kritik von Lahm konstruktiv umzusetzen und entsprechend zu handeln. Bis zur Wiedereröffnung des Transfermarktes müssen erst noch einige Wochen vergehen. Oder soll Uli Hoeneß jetzt Luca Toni schon einmal öffentlichkeitswirksam im Privat-Pkw die Umzugskartons für den Winter vorbeibringen?<br />
Da Lahm aber stets als intelligenter Spieler gepriesen wird, hatte er als solcher vielleicht schon vorausblickend potentielle Kaderkorrekturen in der Winterpause oder die perspektivische Kaderplanung für nächste Saison im Auge. Aber hätte da nicht ein internes Gespräch mit Hoeneß genügt? Um dann bei ersten Transfergerüchten in die Öffentlichkeit zu gehen, um beispielsweise überflüssige Einkäufe wie den von Robben zu verhindern?</p>
<p>Vielleicht wollte er, der Verteidiger von internationaler Klasse, durch das Interview aber auch nur seinen Trainer verteidigen und schützen. Dies ist ihm freilich kurzfristig gelungen, weil dem Spiel gegen Schalke keinerlei mediale Aufmerksamkeit gewidmet wurde und van Gaal fürs Erste aus der Schusslinie flüchten konnte. Aber stützt man den Trainer, indem man ihm das Instrument der Angst als Erziehungs- und Trainingsmethode zuschreibt? O-Ton Lahm: <em>„Und viele sagen sich vielleicht auch: Okay, lieber spiele ich jetzt einen Rückpass, bevor ich morgen wieder vor der ganzen Mannschaft für einen Fehlpass kritisiert werde.“</em> Man beachte an dieser Stelle, dass Lahm nicht von <strong>wenigen</strong> oder <strong>manchen</strong>, sondern von <strong>vielen </strong>Spielern spricht.<br />
Wenn aber in einer Mannschaft wirklich solch eine Verunsicherung herrscht und die Spieler <em>„noch so eine Mischung aus Respekt und Angst“</em> spüren, dann stellt man dem Trainer ein vernichtendes Zeugnis aus. Angst macht fast immer die Beine schwer – sie kann vielleicht für kurze Zeit motivierend wirken, doch ein auf Angst errichtetes System wird sich nie lange halten. Ist Lahms Interview also vielleicht als eine Art Hilferuf zu lesen, als versteckte Generalkritik am „General“ Louis van Gaal? Aber wäre es da nicht sinnvoller gewesen, lieber den Mund zu halten, unauffällig schlecht zu spielen und die Ergebniskrise für sich selbst sprechen zu lassen?</p>
<p>Wir finden also noch immer keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“! Warum Lahms Kritik in dieser Phase, mit dieser Vehemenz, nachlesbar für jeden Fußballfan in einer der wichtigsten überregionalen Zeitungen? Verfolgte er am Ende ganz egoistische Motive? Vielleicht wollte er, der ja schon lange als Schattenkapitän gilt, seinen Führungsanspruch angesichts der herrschenden Krise demonstrieren und festigen. Angela Merkel weiß nur zu gut, dass eine Krise in der eigenen Organisation, sei es eine Volkspartei oder ein (Volks-)Fußballverein, DIE große Chance zum eigenen Aufstieg bedeuten kann. Aber hätten da nicht ein paar kernige Aussagen, zwei, drei subtil formulierte Durchhalteparolen genügt? Stattdessen übt Lahm breitangelegte Fundamentalkritik.</p>
<p>Also noch einmal: Warum äußert er seine Kritik zu diesem Zeitpunkt? Bleibt die Möglichkeit der persönlichen Frustration, die schon so manchen hat irrational handeln lassen. Noch vor Saisonbeginn schlug Lahm das Angebot beim FC Barcelona aus, nur um jetzt in der Tabelle hinter Mainz 05 festzusitzen, wenige Tagen nach der Demütigung durch Girodins Bordeaux im eigenen Stadion. Da wäre es nicht verwunderlich, wenn selbst dem beherrschten Phillip Lahm mal der Kragen platzte.<br />
Demnach wäre das Interview nichts anderes als ein intelligent verpackter Rundumschlag. Und in der Tat, so manche Zeile wird ihm wohl das eine oder andere schmerzhafte Tackling beim täglichen Training mit den Kollegen einbringen: <em>„Ja, es kam jetzt Edson Braafheid, Massimo Oddo wurde mal ausgeliehen, Marcell Jansen war kurz da, Christian Lell kam hoch und Andreas Görlitz aus Karlsruhe zurück. Doch es kam seither kein Spieler mehr, dem das Vertrauen ausgesprochen wurde oder der seine internationale Klasse bereits unter Beweis gestellt hat.“</em> Damit spricht er genannten Spielern nicht nur die Qualität ab, sondern verweigert ihnen als Mannschaftskamerad das eben noch eingeforderte Vertrauen. <em>„Wir brauchen im Mittelfeld Spieler, die man aus der Abwehr immer anspielen kann.“</em> Wenn das keine Ohrfeige für die vorhandenen Mittelfeldspieler ist.<br />
Außenstehende Beobachter wie Effenberg oder Ballack sehen das anders und interpretieren Lahms Worte als Weckruf für die Kollegen, sozusagen als provozierte verbale gelbe Karte nach dem kräftigen Hinlangen des Führungsspielers, um ein Zeichen zu setzen, nur diesmal abseits des Platzes. Aber liefert der Verteidiger seinen kritisierten Mitspielern nicht vielmehr ein Alibi für schlechte Leistungen? Seht her, ich heiße van Bommel, Altintop, Schweinsteiger und bin nun mal kein Lampard, Ballack oder Iniesta. Besser kann ich nicht spielen, da muss ich mich gar nicht erst bemühen! Gleichwohl erfolgte Lahms Schritt in die Öffentlichkeit nicht impulsiv, sondern abgewogen, durchdacht, strategisch platziert. Kein cholerisches „Basta“, sondern eher ein überlegtes „Ja, aber…“</p>
<p>Doch schon stellt sich dann wieder die Frage nach dem „Warum?“. Vielleicht stößt man mit Blick in den Terminkalender der Angestellten des FC Bayern München auf eine heiße Spur. Am 27. November findet die Jahreshauptversammlung statt. Einer der Tagesordnungspunkte: Personalrochaden in der Führungsetage. Franz Beckenbauer wird voraussichtlich zum Ehrenpräsidenten ernannt und räumt seinerseits den Präsidentenstuhl für Uli Hoeneß. Dessen Job wird zukünftig, zumindest im sportlichen Bereich, Christian Nerlinger übernehmen.<br />
Vielleicht möchte Lahm mit seiner Kritik an der Vereinspolitik der letzten Jahre, die in erster Linie Hoeneß, danach Rummenigge und Beckenbauer trifft, Frischling Nerlinger aber nur am Rande streift, schon jetzt den Grundstein dafür legen, dass sich die alte Garde zukünftig aus sportlich-strategischen Entscheidungen heraushält. Ein bisschen Repräsentation hier, eine Bankettrede dort, heute ein Besuch beim DSF-Doppelpass und morgen ein Appell an die Mannschaft in der Kabine – damit sollen sich die alten Herren die Zeit vertreiben. Aber die perspektivische Spielphilosophie, die Kaderplanung, die gesamte Vereinsstrategie müssen auf neuen, tragfähigen Schultern verteilt werden.<br />
Auch mit diesem subversiven Vorstoß läge Philipp Lahm alles andere als falsch. Die tölpelhafte Transferpolitik, die von einem Überangebot an exklusiven Stoßstürmern über teure Fehleinschätzungen südamerikanischer Talente bis hin zu kindischen Albereien wie der Verpflichtung eines Jan Schlaudraff reicht, der nur durch das zeitgleiche Interesse von Werder Bremen in einer Hau-Ruck-Aktion transferiert wurde, zeigt das Ausmaß der mangelhaften Vereinspolitik, die Uli Hoeneß maßgeblich zu verantworten hat. Doch kann Ziehsohn Christian Nerlinger wirklich neue Akzente setzen, wird er dazu überhaupt mit der nötigen machtpolitischen Kompetenz ausgestattet sein? Eine Frage, die sich im Übrigen auch Philipp Lahm stellt: <em>„Ich bin überzeugt, dass Christian ein guter Mann ist, der die Situation richtig einschätzt. […]Wenn er wirklich diese klassische Sportdirektorenstelle ausfüllen würde, wäre das gut. Die Frage wird sein, wie seine Position vom Vorstand gesehen wird.“</em></p>
<p>Was auch immer Philipp Lahm bewogen haben mag, jenes Interview zu geben, die Worte stehen nun im Raum und mäandern dort ungehindert. Ähnliche Fälle, wie beispielsweise Michael Ballacks Kritik am Führungsstil von Jogi Löw nach der Nichtnominierung von Thorsten Frings, haben gezeigt, dass keine noch so aufrichtige Entschuldigung die getätigten Aussagen vergessen machen kann. Zwar lassen sich Zerwürfnisse mit der Zeit wieder kitten oder Autoritätsverluste bei Führungspersonen wieder ausgleichen, aber so schnelllebig die heutige Medienlandschaft auch ist, so wenig vergesslich ist sie auch.<br />
Wann immer zukünftig die Verabschiedung eines altgedienten Nationalspielers knirschend geräuschvoll und nicht einvernehmlich ablaufen sollte, wird jene Auseinandersetzung zwischen Ballack und Löw wieder aufgewärmt werden. Und wann immer die Bayern zukünftig mit großspurigen, aber strategisch sinnlosen Transfers zu punkten versuchen, werden sie jenes Interview von Philipp Lahm vorgehalten bekommen. Selbst wenn seine eigentlichen Absichten nie ganz aufgedeckt werden konnten. Bei der Vielzahl von möglichen Lesarten, muss sich letztlich jeder für seine eigene Version einer Interpretation entscheiden. Frei nach Philipp Lahms Motto: „BILD Dir Deine Meinung!“</p>
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